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Basketball-Bundesliga

Die Riesen hängen in der Luft

Die Basketball-Bundesliga ist in Wartestellung: Während die Clubs auf die Genehmigung für das in München geplante Saisonabschlussturnier warten, laufen im Hintergrund die Organisationsarbeiten auf Hochtouren, auch bei den MHP-Riesen Ludwigsburg.

Sehnt eine Entscheidung herbei: Riesen-Coach John Patrick. Foto: Baumann
Sehnt eine Entscheidung herbei: Riesen-Coach John Patrick. Foto: Baumann

Ludwigsburg/München. „Die Leute in der Liga arbeiten 24 Stunden, auch ich war die ganze Nacht wach und habe mit Agenten gesprochen. Wir brauchen jetzt ein klares Ja von den Behörden“, fasst John Patrick die derzeitige Situation im Hinblick auf das geplante Saisonabschlussturnier der Basketball-Bundesliga in München zusammen. Der Trainer der MHP-Riesen Ludwigsburg ist in ständigem Kontakt mit seinen US-Spielern und deren Beratern, um für eine Rückkehr der Spieler zu werben. Bereitschaft signalisiert haben wie berichtet bereits Marcos Knight, Tanner Leissner und Jaleen Smith, Absagen gibt es noch keine. Um eine Entscheidung von den Spielern zu einzufordern, muss die Turnieraustragung allerdings erst einmal von den Behörden vor Ort genehmigt werden. „Wir hängen derzeit etwas in der Luft. Aber bis jetzt gehe ich davon aus, dass die Verträge eingehalten werden“, betont Patrick.

Pokerspiel um die sportliche Perspektive

Nachdem die Saison aufgrund der Coronakrise unterbrochen wurde, waren die US-Spieler in ihre Heimat zurückgekehrt. Vor zwei Wochen beschloss die Liga, die Saison mit einem Turnier mit zehn Teams zu Ende zu bringen und dabei den deutschen Meister auszuspielen. Seither ist bei allen Clubs die Rückkehr der US-Profis ein großes Thema. Die Verträge laufen laut Angabe der Riesen noch, dennoch ist eine Rückkehr nicht selbstverständlich. Neben gesundheitlichen Bedenken im Hinblick auf die Coronavirus-Pandemie stehen die Spieler vor einem Pokerspiel über die eigene sportliche Perspektive.

Vor allem bei den Ludwigsburgern haben sich in den zuvor 21 ausgetragenen Ligaspielen einige Akteure in den Fokus europäischer Topclubs gespielt – die Riesen standen schließlich überraschend auf Rang zwei, vor allem Khadeen Carrington und Nick Weiler-Babb standen dabei im Rampenlicht. Wieso also beim Abschlussturnier eine Verletzung riskieren, wenn ohnehin in der kommenden Saison ein lukrativer Vertrag winkt?

Doch so einfach ist es nicht. Ob die zweitbeste Liga der Welt – die Euro League – im Herbst aufgrund der Reisebeschränkungen überhaupt wie geplant stattfinden kann, steht noch in den Sternen. Es gibt weitere Argumente für eine Rückkehr: Das Abschlussturnier der BBL bietet den Spielern eine riesige Plattform, um sich zu präsentieren. Gut möglich, dass es in zwei Wochen weltweit der einzige Basketball-Wettbewerb von Bedeutung sein wird, der ausgetragen wird. Zudem zeigt eine Rückkehr Verlässlichkeit und wirft ein gutes Licht auf den jeweiligen Spieler. Vor diesem Dilemma stehen die US-Profis der Riesen und der anderen neun Teilnehmer-Clubs des Turniers.

Vorbereitung in Ludwigsburg

Sollten nicht alle Profis zurückkehren, hat die Liga gestern verkündet, dass zwei Spieler nachverpflichtet werden dürfen. Normalerweise wäre die Transferperiode bereits beendet. Die Crailsheim Merlins hatten gestern bereits mitgeteilt, dass in Jan Span und Quincy Ford zwei Spieler nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Dafür verpflichtete der Club David Brembly von den Syntainics MBC aus Weißenfels und Marvin Ogunsipe von den Hamburg Towers. Für Hamburg und Weißenfels ist die Saison bereits beendet.

Sollte die Genehmigung erfolgen, wird in zwei Fünfergruppen und anschließenden Finalspielen im Münchner Audi Dome gespielt. Die Pläne sehen vor, dass das Turnier am Wochenende 6./7. Juni beginnt und das Finalrückspiel am 28. Juni stattfindet. Die Riesen spielen dabei in der Gruppenphase zunächst gegen Berlin Vechta, Bamberg und Frankfurt.

Täglich sollen zwei Begegnungen stattfinden, keine Mannschaft soll innerhalb von 24 Stunden zwei Partien bestreiten müssen. Alle zehn Mannschaften werden für die drei Wochen des Turniers in einem Münchner Hotel in Quarantäne zusammengezogen. Das Vorbereitungstraining soll nach Informationen unserer Zeitung vor Ort stattfinden, ähnlich wie in der Fußball-Bundesliga sollen die Profis fortlaufend auf das Coronavirus getestet werden. „Es gibt noch sehr viele Fragen, wie es laufen wird und was die Logistik angeht. Wir haben sowas noch nie gemacht“, betont Patrick. Momentan trainiert er mit drei verschiedenen Trainingsgruppen jeweils zweimal am Tag. Von den Spielern der Riesen wollte sich niemand zum bevorstehenden Turnier äußern.

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