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„Die Schulen brauchen Konzepte“

Corona hat den Alltag in den Schulen grundlegend verändert. Doch wie läuft der Unterricht unter Pandemiebedingungen? In unserer Serie „Schule in Corona-Zeiten“ berichten wir in regelmäßigen Abständen, wie die Oscar-Paret-Schule (OPS) in Freiberg mit der „neuen Normalität“ umgeht. Heute kommt Schülersprecher Erik Turba zu Wort.

Schülersprecher Erik Turba und Verbindungslehrerin Dorothea Jochem bereiten die Verteilung der Nikoläuse vor. Foto: Ramona Theiss
Schülersprecher Erik Turba und Verbindungslehrerin Dorothea Jochem bereiten die Verteilung der Nikoläuse vor. Foto: Ramona Theiss

Freiberg. Turba gehört zu dem Jahrgang, der in diesem Schuljahr sein Reifezeugnis machen wird. Wie die Abiturienten des vergangenen Jahrgangs müssen sich die Ältesten auch in diesem Schuljahr damit abfinden, keine Abireise zu veranstalten, keine ausschweifenden Parties zu feiern und voraussichtlich auch eine Zeugnisübergabe unter Pandemiebedingungen zu haben. „Vom Luxus einer Abifeier haben wir uns gedanklich schon verabschiedet – wir sind froh, wenn wir unser Abitur in der Tasche haben. Und auch das wird unter Pandemiebedingungen nicht einfach“, sagt er. Umso interessierter ist Erik Turba bezüglich der Schulpolitik der Landesregierung unter Corona. Die Schulschließung über die Weihnachtsferien hinaus begrüßt er. „Angesichts der wieder stetig steigenden Infektionszahlen wäre es in meinen Augen den Schülerinnen und Schülern schlicht nicht zumutbar gewesen, einfach so wie bisher weiterzumachen“, sagt Turba. Die Sicherheit und Gesundheit gehe vor. Auch dass die Oberstufe in den Tagen vor Weihnachten Onlineunterricht hatte, betrachtete er als sinnvoll. „Uns allen muss allerdings klar sein, dass uns diese Maßnahmen nur in die Ferien gerettet haben“, sagt er. Wie es danach weitergeht, sei allerdings noch völlig unklar. Sicher sei dagegen, dass es ein „weiter so“ nicht geben dürfe. „Die Schulen brauchen dringend Konzepte, und damit meine ich nicht das Lüften“, nimmt Turba das Land in die Pflicht. Außerdem hoffe er, dass man von einer Umsetzung des Sportunterrichts auf Biegen und Brechen ohne Maske in der Halle in Zukunft absehen wird. Das sei wissenschaftlich nicht begründbar und Gift für das Vertrauen der Schüler in den Bildungsapparat.

Der Schülersprecher kritisiert, dass es seit dem Sommer vonseiten der Landesregierung „keinen nennenswerten Beitrag“, dazu gegeben hat, wie man im Winter mit dem Unterricht in den Klassenzimmern umzugehen hat. Viel mehr als Lüften sei da nicht gekommen. Statt Geld für Lüftungsanlagen auszugeben, setze man lieber die Gesundheit der Schüler und Lehrer aufs Spiel. Schon einmal in Fahrt, nimmt Erik Turba auch die überfüllten Schulbusse aufs Korn. In der Schule streng auf Abstand zu achten, davor und danach allerdings in einem vollen Bus transportiert zu werden, „hat den Anschein einer Realsatire“, sagt er. Viele Mitschüler, die sonst mit dem Bus zur Schule fahren, würden jetzt das Auto nehmen beziehungsweise sich von den Eltern fahren lassen, um der Gefahr einer Ansteckung zu entgehen..

An der Umsetzung der Coronaverordnungen in der Oscar-Paret-Schule gebe es aus Sicht der Schüler nichts auszusetzen. Ihn habe diesbezüglich nicht eine einzige Beschwerde von Mitschülern erreicht. Turba lobt außerdem, dass es die Schulleitung geschafft hat, über den Winter den Schülern für die Mittagspause genügend Räume zur Verfügung zu stellen, dass keiner sein Mittagessen im Freien bei Wind und Wetter zu sich nehmen muss. Zur Erinnerung: Während die Unterstufe die Mittagspause in der Schule bleiben darf, gehen die Mittelstufe in die benachbarte Stadthalle und die Oberstufe direkt daneben ins Prisma. „Das ist deutlich angenehmer als draußen“, lobt Erik Turba die Pausenraum-Konzeption von Schule und Stadtverwaltung.

Ansonsten ist bei den Schülern – wie bei Schulleitung und Lehrern – immer wieder Flexibilität gefragt. So bereiten sich die Kinder beispielsweise auf eine GFS (Gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen) vor und müssen damit rechnen, sie nicht vor der Klasse vorstellen zu dürfen. Die GFS sei deshalb in diesem Schuljahr nicht verpflichtend und könne nach Wunsch auch rein schriftlich ausgearbeitet werden. „Da schlagen sich die Schüler schon sehr tapfer“, lobt Erik Turba. Auch bei anstehenden Klausuren schwebt immer eine gewisse Unsicherheit mit. Muss ein Schüler in Quarantäne, so lange eine Klausur ansteht, hat er zwar die Möglichkeit, sie nachzuschreiben. „Doch da gibt es Fristen“, sagt Turba.

Bei allen Widrigkeiten, mit denen die Schüler unter Corona zu kämpfen haben, müssen sie auch noch auf die angenehmen Gepflogenheiten verzichten. Der Schüleraustausch mit den USA fällt ebenso aus wie die übliche Skiausfahrt im Februar nach Südtirol. „Den Zehnern und Elfern bleibt das verwehrt“, bedauert der Schülersprecher. Umso mehr setzte er sich gemeinsam mit der SMV dafür ein, dass auch dieses Jahr wieder eine Nikolausaktion an der OPS stattfand. Somit wurde den Schülern Weihnachten unter Corona wenigstens ein bisschen versüßt.

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