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Die Schwebfliege macht das Rennen

Eine Stunde lang haben kürzlich ganze Familien mit Lupe, Stift und Block auf der Lauer gelegen, um beim Insektensommer des Naturschutzbundes Nabu dabei zu sein. Im Kreis Ludwigsburg ist an mehr als 40 Orten beobachtet und gezählt worden – eine Zwischenbilanz.

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Die Hainschwebfliege und der Asiatische Marienkäfer kommen am häufigsten vor. Fotos: Nabu
Die Hainschwebfliege und der Asiatische Marienkäfer kommen am häufigsten vor. Foto: Nabu

Kreis Ludwigsburg. Seit drei Jahren ruft der Nabu nicht nur im Sommer und Winter zum Vögelzählen auf („Stunde der Gartenvögel“), sondern unter dem Motto „Insektensommer“ auch zum Insektenzählen, denn: Insekten sind systemrelevant.

„Fast 90 Prozent aller Wild- und Kulturpflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen“, schreibt der Nabu in seiner Zwischenbilanz und zählt auf, dass allein in Deutschland rund 33.000 Arten leben mit ganz verschiedenen Funktionen im Naturgefüge.

Wo welches Insekt in der Beobachtungsstunde am häufigsten gesichtet wurde, ist regional ganz unterschiedlich. Während bundesweit die Steinhummel am häufigsten in deutschen Gärten gezählt wurde, hat in Baden-Württemberg die Hainschwebfliege erneut den ersten Platz erobert, noch vor dem Asiatischen Marienkäfer und der Steinhummel. Der Nabu hatte dazu aufgerufen, gezielt nach dem Asiatischen und dem Siebenpunkt-Marienkäfer zu suchen. Dabei hat sich ein Trend bestätigt: Der Asiatische Marienkäfer liegt mit knapp 2100 Meldungen klar vorne. Der Siebenpunkt-Marienkäfer wurde knapp 1500-mal gesichtet.

Insgesamt haben in diesem Jahr mehr als 8300 Naturfreunde in ganz Deutschland Insekten gezählt und 4948 Beobachtungen online gemeldet, rund 30 Prozent mehr als im ersten Zeitraum 2019. Im Südwesten wurden 700 Meldungen mit mehr als 7000 Beobachtungen eingereicht.

Im Kreis Ludwigsburg steht aber auch der Asiatische Marienkäfer ganz oben auf der Liste, was Gartenbesitzer freuen dürfte, denn die orangefarbenen Käferchen mit den vielen dunklen Punkten auf dem Rücken – was sie vom einheimischen roten Siebenpunkt-Marienkäfer unterscheidet – vertilgen eine ganze Menge Blattläuse.

Das ist auch der Grund, warum sie Ende des 20. Jahrhunderts überhaupt importiert und zunächst in Gewächshäusern zur Läusebekämpfung eingesetzt wurden. Über 200 Läuse vertilgt so ein Asiatischer Marienkäfer am Tag, wohingegen die einheimischen Siebenpunkt-Marienkäfer schon nach gut 50 satt sind.

In einem Garten in Marbach sind innerhalb der Beobachtungsstunde gleich 15 Asiatische Marienkäfer gezählt worden. Viele Hobby-Insektenkundler haben sich eine Stunde lang in ihrem eigenen Garten auf die Lauer gelegt, andere haben auf einer Wiese das große Krabbeln beobachtet oder sind im Wald fündig geworden; bei Löchgau zum Beispiel entdeckte jemand einen Hirschkäfer und meldete seinen Fund online beim Nabu.

In einem Garten in Unterriexingen wurden dagegen gleich 14 Insektenbeobachtungen gemacht, ganz oben die blaue Schmeißfliege, im Volksmund Stubenfliege, aber auch Ungewöhnlicheres wurde entdeckt, Mistbienen, Amerikanische Kiefernwanzen und ein Kohlweißling, ein früher häufiger Schmetterling, der inzwischen rar geworden ist.

Überhaupt kommen Schmetterlinge nur in Einzelfällen vor: ein schwarz-weißer Schachbrettfalter, gesehen auf einer Wiese zwischen Vaihingen und Sachsenheim, ein Kleines Wiesenvögelchen auf dem Feld in Neckargröningen und ein Kleiner Feuerfalter im Garten bei Hochdorf an der Enz.

Mitgezählt hat auch Conrad Fink aus Freiberg. Er bestätigt das bundesweite Ergebnis: „Auch in meinem Garten, in dem ich Nektar- und Pollen spendende Blumen kultiviere, war an Blüten der Lupinen die Steinhummel die Nummer eins, ebenso wie andere Hummelarten, etwa die Gartenhummel oder die Helle Erdhummel. An den Blüten der Glockenblume habe ich die Garten-Blattschneiderbiene beobachtet.“

Insgesamt verarmt nach Einschätzung des Freiberger Naturexperten die Insektenfauna zusehends und verändert sich wegen des Klimawandels sehr stark hin zu wärmeliebenden Arten. Diesen Trend bestätigt der Nabu. Ein Beispiel dafür ist die Blaue Holzbiene, die ursprünglich nur in Südeuropa und in manchen Regionen Süddeutschlands zu finden war. Inzwischen ist das Insekt nach und nach nordwärts gewandert und wurde bereits auf der Insel Rügen und in Schleswig-Holstein gesichtet.

Wer jetzt Lust bekommen hat, im eigenen Garten, im Park auf einer Wiese oder im Wald auf Insektenexpedition zu gehen, hat dazu beim zweiten Teil des Insektensommers Gelegenheit. Die zweite Zählung findet vom 31. Juli bis 9. August statt. Auf der Internetseite unter www.nabu.de gibt es Tipps fürs Beobachten und Zählen und eine App fürs Insektenbestimmen.

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