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Die Stammkundschaft zählt auf ihn

Seit mehreren Jahren ist der „Rollende Supermarkt“ in Kommunen im nördlichen Landkreis unterwegs. Er macht einmal in der Woche in Wohngebieten Halt, um den dortigen Bewohnern eine Einkaufsmöglichkeit zu bieten. Betreiber Siegfried Guggolz ist auch in Besigheim im Einsatz. Dort hat er jedoch teils mit rückläufigen Kundenzahlen zu kämpfen.

Kennt seine Stammkundschaft: Siegfried Guggolz nimmt am Besigheimer Wasserturm eine Einkaufsliste entgegen ... Fotos: Holm Wolschendorf
Kennt seine Stammkundschaft: Siegfried Guggolz nimmt am Besigheimer Wasserturm eine Einkaufsliste entgegen ... Foto: Holm Wolschendorf
... und stellt die Waren zusammen.
... und stellt die Waren zusammen.

Besigheim. Siegfried Guggolz kennt seine Kundschaft. Nachdem er die Seniorin mit Namen begrüßt hat, nimmt er ihren Einkaufzettel entgegen und verschwindet in seinem Wagen. Nach einigen Minuten öffnet er wieder die Tür und überreicht den vollgepackten Einkaufskorb. Die nächste Kundin steigt selbst in den Wagen – nur mit Maske natürlich. Denn die Hygiene- und Abstandsregeln gelten in dem mobilen Supermarkt genauso wie anderenorts. „Wenn ein Kunde bei mir an der Kasse ist, kann der nächste rein, allerdings dann erst nur in den hinteren Teil des Wagens“, sagt Guggolz. So könnten die Abstände eingehalten werden. Eine kleine Kühltheke mit Käse und Wurst ist in dem „Rollenden Supermarkt“ ebenso zu finden wie Gemüse und Obst sowie Haushalts- und Backwaren. Wenn mal etwas vergriffen ist, nimmt Guggolz die Bestellung auf und bringt sie in der nächsten Woche mit. Klopapier sei bei ihm nie ausgegangen gewesen, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung – auch nicht in der Hochphase der Hamsterkäufe im Frühjahr.

Diese Art der sprichwörtlichen Nahversorgung wird grundsätzlich gerne genutzt. Noch bevor Siegfried Guggolz mit seinem Supermarkt um die Ecke der Besigheimer Aystraße biegt, steht die Kundschaft da und wartet. Immer mittwochs ist er im nördlichen Landkreis unterwegs, fährt beispielsweise Hessigheim, Löchgau und Hofen an. Gegen 12.30 Uhr ist er dann am Wasserturm. Mit einer schrillen Klingel wird die Ankunft weithin hörbar angekündigt. Das ganze Jahr über fährt er seine Tour, auch morgen. Dann geht er allerdings in die Weihnachtspause.

Auch wenn in Besigheim die Nahversorgung im Vergleich zu umliegenden Kommunen sehr gut ist – es gibt im Stadtgebiet mehrere Einkaufsmärkte, in Ottmarsheim einen –, so stellt sie nicht alle zufrieden. Wer kein Auto hat und nicht gut zu Fuß ist, für den ist eine Einkauftour nicht leicht zu bewerkstelligen. Damit für diese Menschen die Versorgung einfacher wird, hatte die Stadtverwaltung Ende 2014 das Gespräch mit dem mobilen Händler gesucht, damit er in Besigheim nicht nur am Robert-Breuning-Stift hält, sondern auch die Wohngebiete ansteuert. Was Siegfried Guggolz dann auch tat. Schnell etablierte sich ein fester Kundenstamm, der noch heute auf den „Rollenden Supermarkt“ zählt und auf ihn angewiesen ist. Allerdings, so sagt Guggolz, seien die Zahlen in Besigheim rückläufig. Das habe in erste Linie damit zu tun, dass er den Standort am Robert-Breuning-Stift nicht mehr anfährt: „Mit dem Wegfall der altersgerechten Wohnungen ist auch die Kundschaft weggefallen.“ Denn die Bewohner des Pflegeheims hätten ja eine Vollversorgung.

Und auch an anderen Haltepunkten in der Stadt bemerkt der mobile Händler, dass die Kundschaft weniger wird. Häufig ist das altersbedingt, da die Menschen beispielsweise in Pflegeheime ziehen. Seine Tour möchte er dennoch beibehalten – wenngleich es beim Wasserturm im Wohngebiet Ingersheimer Feld nicht ganz so einfach sein wird: „Ich habe eine weite Anfahrt. Wenn von den Stammkunden noch einer wegfallen würde, wäre es richtig eng.“

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