Logo

Die Synagoge wechselt den Besitzer

Jetzt ist alles unter Dach und Fach: Der neu gegründete Verein „Beth Shalom – Haus des Friedens: Verein für Erinnerungs- und Friedensarbeit in Remseck“ hat den Kaufvertrag mit der evangelisch-methodistischen Kirche in Württemberg unterzeichnet und wird neuer Eigentümer der ehemaligen Synagoge im Stadtteil Hochberg.

Kai Buschmann, Vorsitzender von Beth Shalom, und Dieter Jäger (rechts) für die evangelisch-methodistische Kirche in Württemberg bei der Vertragsunterzeichnung. Foto: privat
Kai Buschmann, Vorsitzender von Beth Shalom, und Dieter Jäger (rechts) für die evangelisch-methodistische Kirche in Württemberg bei der Vertragsunterzeichnung. Foto: privat

REMSECK. Beth Shalom wurde am 3. Mai dieses Jahres gegründet (wir berichteten). Sein Vorsitzender Kai Buschmann nennt als Vereinszweck die Förderung der Volksbildung, der Heimatpflege und die Förderung internationaler Gesinnung, der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedankens. Der Verein diene der Erinnerungsarbeit zur deutschen Geschichte, insbesondere beziehe sich diese auf die Geschichte des Judentums. Mit dieser Erinnerungsarbeit soll Dialogfähigkeit, Toleranz, Völkerverständigung und der Abbau von Vorurteilen gegenüber Minderheiten gefördert werden, so Buschmann.

Im 18. bis 20. Jahrhundert gab es eine starke jüdische Gemeinde in Hochberg, deren geistliches Zentrum seit 1828 eine große klassizistische Synagoge in der Hauptstraße war, die mit der Auflösung der jüdischen Gemeinde 1914 von der evangelisch-methodistischen Kirche übernommen und als Gemeindesaal genutzt wurde. Als Kirche überlebte die baulich fast unverändert gelassene ehemalige Synagoge so die Reichspogromnacht am 9. November 1938.

„Mit der Unterzeichnung des notariellen Kaufvertrages haben wir nun nach der Vereinsgründung einen weiteren Meilenstein geschafft“, so Kai Buschmann. „Bis zur Schlüsselübergabe sind es jetzt nur noch wenige Schritte.“ Auch Pastor Dieter Jäger, der von der evangelisch-methodistischen Kirche in Württemberg bevollmächtigt wurde, den Verkäufer zu vertreten, freut sich: „Wir haben alle Modalitäten in den Gremien unserer Kirche abgestimmt und eine dem Gebäude angemessene Nachnutzung gefunden.“

„Wir werden die ehemalige Synagoge für Veranstaltungen nutzen, beispielsweise für die Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht am 9. November, für Vorträge, Diskussionsveranstaltungen, kulturelle Events und vieles mehr“, kündigte Kai Buschmann auf Nachfrage der LKZ an. Über den Kaufpreis sei zwischen der evangelisch-methodistischen Kirche und dem Verein Beth Shalom Vertraulichkeit vereinbart worden.

Die öffentliche Präsentation von Beth Shalom in der ehemaligen Synagoge soll im Laufe des Oktobers erfolgen. Hierzu habe sich der Verein das Projekt „Torah-Nische 3.0“ mit dem Marbacher Künstler Frank Lukas ausgedacht, teilt der Vorsitzende mit. In die ehemalige Torah-Nische der Synagoge sei nach 1914 ein Kruzifixgemälde eingefügt worden, um die Folgenutzung als Kirche zu unterstreichen. Den erneuten Übergang des Gebäudes soll nun ein Kunstwerk verkörpern, das die Ziele von Beth Shalom zum Ausdruck bringt. „Frank Lukas hat ein Werk geschaffen, das zum Nachdenken und Verweilen anregt“, sagt Kai Buschmann. Das Bild könne in die Torah-Nische gehängt werden, ohne dass das Kruzifix dort seinen Platz verliert. Die Kulturregion Stuttgart unterstützte dieses Projekt im Rahmen ihres Crowdfunding-Programms „Kulturimpuls Region Stuttgart“ zur Künstlerförderung in der Pandemie mit einer Co-Finanzierung von 2000 Euro. „Aber vor allem haben 28 Unterstützer aus Remseck und Umgebung das Vorhaben mit einer Spende möglich gemacht“, freut sich der Vereinsvorsitzende. Es seien 3114 Euro zusammengekommen. Der religiöse Präsenzraum von Synagoge und Kirche werde durch das Projekt in einen pluralen Erinnerungs- und Kulturraum umgewidmet. (red)

Info: Wer schon vorab einen Blick in die ehemalige Synagoge werfen möchte, kann dies am kommenden Sonntag, 12. September, tun. Kai Buschmann bietet am Tag des offenen Denkmals um 14 Uhr eine Führung über den jüdischen Friedhof in Hochberg an und zeigt Interessierten im Anschluss auch die Synagoge. Anmeldung unter museum@remseck.de .