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Die Zeichen stehen auf Erhöhung

Die kreiseigene Abfallverwertungsgesellschaft AVL wird die Gebührenzahler im kommenden Jahr wohl erneut zur Kasse bitten. Es gilt, eine Lücke von fast vier Millionen Euro zu schließen.

Prall gefüllter Restmüllbehälter im Kreis Ludwigsburg: Mit gut 64 000 Tonnen ist das Aufkommen im vergangenen Jahr um 1,2 Prozent gesunken. Foto: Holm Wolschendorf
Prall gefüllter Restmüllbehälter im Kreis Ludwigsburg: Mit gut 64 000 Tonnen ist das Aufkommen im vergangenen Jahr um 1,2 Prozent gesunken. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Der Ludwigsburger Landrat Dietmar Allgaier versuchte am Donnerstag, positiv in die AVL-Aufsichtsratssitzung einzusteigen. „Wir können den Blick jetzt wieder nach vorne richten“, sagte er angesichts der Coronapandemie und der nun vorliegenden Budgetplanung der kreiseigenen Abfallverwertungsgesellschaft für 2021.

Das Problem ist nur: Die Aussichten sind nicht allzu positiv – vorsichtig ausgedrückt. Demnach rechnet die AVL mit deutlich sinkenden Wertstofferlösen. Statt 3,5 Millionen Euro werden es 2021 wohl nicht einmal 2,9 Millionen Euro werden. Der AVL-Abteilungsleiter Henning Makevic am Donnerstag: „Der Ansatz ist noch optimistisch. Die Papierpreise befinden sich derzeit auf Achterbahnfahrt.“

Warm anziehen müssen werden sich voraussichtlich auch die Gebührenzahler. Denn der Zuweisungsbedarf des Landkreises aus Gebühren steigt um fast vier Millionen Euro auf 29,5 Millionen Euro an. „Das haben wir so noch nicht gehabt“, sagte Makevic im Aufsichtsrat. Er kündigte an, dass sich die AVL nun einen Sparkurs auferlegen werde. Der soll aber nicht mit dem Rasenmäher verfolgt werden.

„Die Bürger wird das kaum trösten“, prophezeite der Tammer SPD-Kreisrat Gerhard Jüttner. „Wir werden uns auf schwierige Zeiten einstellen müssen.“ Im Klartext heißt das: steigende Abfallrechnungen, die im Kreis Ludwigsburg ohnehin schon höher sind als im Landesschnitt – und darüber hinaus deftiger ausfallen als etwa in Heilbronn oder den Kreisen Esslingen und Rems-Murr. In Ludwigsburg ist ein Musterhaushalt in diesem Jahr mit rund 190 Euro dabei, im Rems-Murr-Kreis waren es etwa 50 Euro weniger. Für den AVL-Geschäftsführer Tilman Hepperle sind solche Vergleiche jedoch mit Vorsicht zu betrachten. „Die Abfallwirtschaft in den Landkreisen ist sehr unterschiedlich aufgestellt.“

Neu sind Gebührenerhöhungen für die Menschen hierzulande nicht. Für 2020 schlug die AVL um 14,5 Prozent auf. Laut Jüttner seien auch die Jahre 2018 und 2019 nicht so gelaufen, wie es sich die Abfallmanager gewünscht hätten. Der Sozialdemokrat hofft nun, dass der „Sprung nicht so hoch sein wird“.

Die Freien Wähler erkennen unterdessen an, dass sich die AVL in einem schwierigen Umfeld bewegen würde. Der Ingersheimer FDP-Kreisrat Volker Godel forderte, den Gebührenzahlern ehrlich gegenüberzutreten. Er geht davon aus, dass es auch bei den Leistungen und beim Service zu Einschränkungen kommen könnte.

Für die Linke dürfe nicht um jeden Preis gespart werden. Der Vaihinger Kreisrat Peter Schimke sprach sich gegen weitere Fremdvergaben aus. „Sie können zum Bumerang werden“, sagte er, „wenn wir nicht mehr Herr des operativen Geschäfts sind.“ Er bemühte sich aber wie Allgaier, auch positive Aspekte herauszuarbeiten. „Ihren Mitarbeitern bietet die AVL eine Heimat.“ Die Zahl der Stellen klettert nächstes Jahr um 2,5 auf 109 Stellen.

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