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Dieser Sport hält ältere Hunde fit

Vierbeiner, die älter oder körperlich beeinträchtigt sind, wollen nicht nur zu Hause im Körbchen liegen oder nur an der Leine ihre Runden drehen. Beim Hoopers Agility können sie sich austoben – ohne sich körperlich zu verausgaben.

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Michael König und Peanut, Andrea Hoffarth mit Priml und Sabine Schürhold mit Chewy trainieren, während Amy es beim Zuschauen belässt. Fotos. Holm Wolschendorf
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Michael König und Peanut, Andrea Hoffarth mit Priml und Sabine Schürhold mit Chewy trainieren, während Amy es beim Zuschauen belässt. Fotos. Holm Wolschendorf
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Wer rastet, der rostet. Das gilt für Menschen ebenso wie für Tiere. Hoopers Agility ist eine Alternative zum recht anspruchsvollen klassischen Agility. Das trifft übrigens auch für die Hundebesitzer zu, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr neben ihrem Hund herlaufen wollen oder können.

Allerdings kommt auch Hoopers Agility nicht ohne Körpereinsatz aus. Das wird beim Trainingsbesuch des Hundesportvereins Kornwestheim deutlich. Seit Mai wird diese Sportart dort angeboten. Trainerin Andrea Hoffahrt hat eigens an einer Fortbildung in Niedersachsen teilgenommen. Der Hundesportverein in Kornwestheim ist einer der wenigen Vereine in der Region, die diese Sportart anbieten, die Plätze sind entsprechend heiß begehrt. Zu groß sollten die Gruppen nicht sein.

Regina Malli aus Weinstadt kommt mit ihren beiden Kleinpudeln regelmäßig zum Trainingsgelände Am Moldengraben. Da ist zum einen die mit zehn Jahren schon etwas ältere Holly und die zwei Jahre jüngere, aber unter Rückenproblemen leidenden Chewy. „Das sind ehemalige Agilityhunde“, erklärt ihre Besitzerin. Auf Bewegung sollen die beiden niedlichen Vierbeiner trotz ihrer Beeinträchtigung nicht verzichten.

Mit ihnen trainiert an diesem Tag Sabine Schürhold, deren Hund Amy, ein griechischer Straßenhund, ein echter Bewegungsmuffel ist. „Ich finde Hoopers Agility klasse“, sagt sie. Im Vergleich zum regulären Agility sei das eine andere Art von Aufgabe, die sie aber sehr fordere. „Körpersprache und Timing müssen passen. Man muss im richtigen Moment auf das Hindernis zugehen“, erzählt sie, worauf es ankommt.

Peanut ist ein agiler Australien Shepard wie aus dem Bilderbuch, der wieselschnell über die Wiese flitzt. Neuneinhalb Jahre ist der Hund alt. Sein Besitzer Michael König will es ruhiger mit dem Vierbeiner angehen lassen, und zwar bevor gesundheitliche Probleme auftreten. „Beim Agility müsste Peanut über 60 Zentimeter hohe Hindernisse springen. Ich finde es deshalb besser, frühzeitig aufzuhören“, so Michael König. Anstrengend ist allerdings auch diese Sportart. So gut wie nach einer Trainingseinheit schlafe Peanut selten, erzählt sein Herrchen.

Priml, der Hund von Andrea Hoffarth, ist zwar erst vier Jahre alt, aber extrem bewegungsfreudig, ja fast schon ehrgeizig. Grenzen kennt der Mischling – halb Bordercollie, halb Terrier – nicht und verausgabt sich deshalb leicht. Das gilt auch beim Agility, wo er für seine Große recht hohe Hindernisse überwinden muss. Stutzig wurde seine Besitzerin, als Priml plötzlich humpelte. Für Andrea Hoffarth war das ein Warnsignal. Sie beschloss, deshalb kürzer zu treten.

Beim Hooper springen die Tiere nicht über Hindernisse, müssen weder Wippen noch lange Tunnel überwinden. Vielmehr besteht der Parcours aus Halbbögen, den Hooper. Kombiniert werden diese mit im Vergleich zum regulären Agility kurzen Tunnel, Laubsäcken als Hindernissen, die umlaufen werden sollen, sowie einem Zaun. Pylonen begrenzen den Parcours. Bisher gibt es noch kein Reglement für diesen tierischen Seniorensport. Das gilt sowohl für den Ablauf als auch das Arbeiten mit dem Hund.

Doch ohne Herausforderung funktioniert auch Hoopers nicht. Das Ziel besteht darin, den Parcours in einer vorgegebenen Reihenfolge zu durchlaufen. Durch Körpersprache und Kommandos lenkt der Hundebesitzer sein Tier. So gibt er vor, welcher Halbbogen in welcher Reihenfolge durchquert werden soll oder wann ein Richtungswechsel ansteht. Das bedeutet Konzentration für Zwei- und Vierbeiner. Schließlich müssen auch die Hundebesitzer lernen, wie sie ihr Tier durch Körpersprache lenken und beeinflussen können. Auf den richtigen Abstand zum Hund und zum Hindernis kommt es hierbei an: Hunde halten grundsätzlich eine Besenstiellänge Abstand zu Herrchen oder Frauchen, wie die Trainerin erklärt. Steht der Hundeführer zu nah am Bogen, kann es passieren, dass der Hund ausweicht und daneben herläuft.

„Jeder Hund kann nach seinem eigenen Tempo laufen“, erklärt Andrea Hoffarth. Allerdings sollten die Hunde diese Sache durchaus ernst nehmen und trotzdem ihren Spaß daran haben. Belohnungen halten ihre Motivation aufrecht. Doch auch diese Sportart gerät an ihre Grenzen. Sie ist für kranke und übergewichtige Hunde nicht unbedingt geeignet.

Jede Trainingseinheit beginnt mit einem Theorieteil: Trainerin Andrea Hoffarth arbeitet zu Hause einen Parcours aus und stellt ihn mit Hilfe von Spielzeugfiguren auf einer großen Tafel dar. Nachdem die Hindernisse aufgebaut sind, findet die Begehung statt. Die Hundebesitzer machen sich Gedanken darüber, wo sie sich platzieren und bewegen, um die Vierbeiner durch den Parcours zu lenken.

Priml ist auch beim Hoopers nicht zu stoppen. Trotzdem hat er noch genug Energie, um mit Frauchen Andrea Hoffarth zu toben. Sport macht eben Spaß.