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Digitale Augen für Acker und Stall

Digitalisierung kann auch kleinen Landwirten helfen und die Umwelt entlasten. Zwei Anwendungen erprobt derzeit ein Betrieb im Kreis.

Peter Hauk sitzt mit Sebastian Riesch in einem Schlepper auf dem Römerhof – gesteuert werden muss das Fahrzeug aber kaum noch, das erledigt eine Lenkungsunterstützung und Satellitentechnik.Foto: Alfred Drossel
Peter Hauk sitzt mit Sebastian Riesch in einem Schlepper auf dem Römerhof – gesteuert werden muss das Fahrzeug aber kaum noch, das erledigt eine Lenkungsunterstützung und Satellitentechnik. Foto: Alfred Drossel

Ditzingen. Kurz nachdem Landwirtschaftsminister Peter Hauk auf den Traktor steigt, beschlägt seine Brille über der Maske. Sehen tue er nun nichts mehr, heißt es – aber über den Acker pflügen kann er trotzdem. So wie ihm das zuvor Sebastian Riesch gezeigt hat, der die Hände lediglich zum Wenden am Lenkrad hat. Die restlichen Strecken fuhr der Traktor autonom. Dafür sorgt eine spezielle Lenkung samt Satellitentechnik – als Teil eines vom Land geförderten Digitalisierungsprojekts. Einer der vier Teilnehmer ist, neben einem Betrieb in Karlsruhe sowie dem Biohof Seemann in Eberdingen und Fesel aus Sachsenheim, der Römerhof in Heimerdingen, den Hauk am Freitag besuchte.

Sein Betrieb sei vor zwei Jahren eher zufällig zu „Living Lab“ dazugekommen, erläutert Inhaber Fritz Riesch, „vielleicht als der, der zuvor am wenigsten digital war“. Man habe zwar Interesse an modernen Hilfsmitteln gehabt, aber die Hemmschwelle nie überwunden. Zumal es keine Notwendigkeit gab, neue Fahrzeuge anzuschaffen.

Doch das brauchte er auch nicht, denn mittlerweile gibt es eine Nachrüstlösung für die Lenkung seines Schleppers, dazu kam die Ausgabe für ein Korrektursignal. Denn während normale Navigationsgeräte nur auf drei Meter genau die Position bestimmen können, benötigt er es auf den Zentimeter exakt, schließlich soll der Traktor das gesamte Feld abfahren, ohne Überlappungen. Fünf Prozent Einsparung bei Saatgut oder Düngemittel bringe ihm das, so Uwe Lengert aus Karlsruhe, der die Technik beim Kartoffelanbau einsetzt.

Wichtig sei das Projekt vor allem für die hiesigen Strukturen, so Hauk, mit kleinteiligen Flächen, häufig durchbrochen von Feldwegen. Zudem entlaste das autonome Fahren den Landwirt, der dadurch länger im Einsatz sein könne oder entspannter aus dem Traktor steige. Insgesamt investiert das Land in Living Lab 200000 Euro über drei Jahre. Dazu gehört auch die Weiterentwicklung des – kostenlos zur Verfügung gestellten – Satellitensignalsystems. „Das hat uns vor große Herausforderungen gestellt“, so Hauk. Denn während Vermessungsingenieure nur kurz Daten für einen Punkt abrufen, bräuchten Landwirte die Signale über mehrere Stunden, und das auch noch in Bewegung.

Familie Riesch nutzt auf ihrem Hof aber noch mehr digitale Technik, diese Erfahrungen geben sie als Teil des Projekts ebenfalls weiter. Einige ihrer 100 Milchkühe tragen ein Halsband mit Messgerät (je 140 Euro), das ständig Daten liefert zur Aktivität, der Fresszeit und ob wiedergekäut wird. Weicht ein Wert vom Üblichen ab, wird Riesch das auf seinem Tablet gemeldet – der Hof ist dank einer Unterstützung der Stadt mit Glasfaser ausgestattet. Dann kann er, ganz analog, nach dem Tier schauen. Erst am Tag zuvor war das nötig, und die Stoffwechselstörung mit Kalzium früh behandelt, was allgemein den Medikamenteneinsatz reduziere. Eine wunderbare Unterstützung ist die Dauermessung, lobt Riesch, der zwar sowieso viel Kontakt zu den Kühen hat, nicht alles könne man jedoch selbst erkennen. „Und nun haben wir eben zwei Augen mehr im Stall.“

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