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Digitales Mehrwegsystem gegen die Plastikflut

Edelstahl-System made in Ludwigsburg feiert Premiere im Urbanharbor – Neue Software und QR-Codes machen Pfandzahlungen überflüssig

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Foto: urbanharbor

Ludwigsburg. Es ist einer der großen Trends in der Welt der Gastronomie, sich das Essen nach Hause liefern zu lassen. Oder es im Vorbeigehen selber abzuholen, Neudeutsch Essen „to go“. Einweg ist dabei heute der problematische Standard, Mehrweg die bessere und machbare Zukunft: Das sagt die Unternehmerfamilie Max Maier und hat jetzt am Standort Ludwigsburg mit dem Namen „eatTainable“ ein bisher einzigartiges Mehrwegsystem präsentiert.

Eine der Besonderheiten: Der Kreislauf des Mehrwegsystems ist vollkommen digitalisiert. Bisher ist die digitale Welt jenen Anbietern reserviert geblieben, die erfolgreich Lieferservices aufgebaut haben. Ein Markt mit rasantem Wachstum, das zeigt dieser Tage das deutsche Unternehmen Delivery Heroes. Es ist weltweit spezialisiert auf dieses Geschäft und steht jetzt sogar kurz davor, an der Börse in den Dax zu den wichtigsten deutschen Unternehmen aufzusteigen.

Dagegen zu Felde ziehen ist alles andere als einfach. Aber: Die Welt der digital gesteuerten Lieferservices ist vollkommen auf Einwegverpackungen ausgerichtet. Mit ein Grund dafür, dass laut einer Studie im Auftrag des World Wildlife Fund (WWF) jeder Mensch heutzutage jede Woche im Schnitt fünf Gramm Mikroplastik mit seiner Nahrung zu sich nimmt. Auf diese Gesundheitsgefahr und auf die riesigen Mengen Plastikmüll verwiesen Max und Madlen Maier, als sie im Urbanharbor ihren Gegenentwurf präsentierten: ein Kreislaufsystem mit einem vielfältigen Sortiment aus Edelstahlboxen, das mit der neu entwickelten Software eatTainable per Handy gesteuert und organisiert wird. Der Name ist eine Wortkombination aus zwei englischen Begriffen: aus dem eat für essen und aus sustainable für nachhaltig.

Die jungen Unternehmer sehen sich damit gemeinsam mit Vater Max Maier auf Augenhöhe mit der milliardenschweren digitalen Einweg-Konkurrenz. Denn sie haben erheblich in eine ganz neue Software investiert, um am Ende einer der wichtigsten Regeln erfolgreicher Digitalstrategien gerecht zu werden: Je einfacher ein digitaler Service zu verstehen und zu bedienen ist, desto besser wird er angenommen.

Das Herz des Mehrwegsystems sind Mehrwegboxen in den unterschiedlichsten Größen, aus lebensmittelechtem Edelstahl. Die Herausforderung: Jede Box, die irgendwo mit Essen ausgegeben wird, muss im digitalen Kreislaufsystem erfasst werden. Die Lösung: Jede Box trägt mit speziell entwickelten Aufklebern einen eigenen QR-Code. Und jeder Kunde, der sich registriert, erhält ebenfalls eine eigenen Kunden-QR, dies entweder auf einer Kundenkarte oder im Handy.

Holt ein Kunde ein Essen in einer Box ab, muss der Gastronom per Smartphone nur beide QR-Codes kurz erfassen, dann sind Kunde und Box im System gemeinsam eingebucht. Der Kunde erhält umgehend per Mail eine digitale Nachricht und Quittung. „Ein großer Vorteil ist, dass wir damit anders als bei bisherigen Mehrwegsystemen kein Pfand mehr brauchen“, so die jungen Unternehmer.

Kommt die Box zurück, wird wieder kurz der QR-Code per Handy gescannt, und wieder geht eine Mail an den Kunden, dass sein Boxen-Konto wieder auf null steht.

Max Maier stellte bei der Präsentation des Mehrwegsystems die provokante Frage „Wollen wir die Digitalisierung und diese Welt wirklich den Amazons und Googles überlassen?“ Er will zeigen, dass regional basierte Lösungen der bessere Weg sind. Weil sie in der Lage sind, die unterschiedlichen Sektoren des Lebens vor Ort direkt in Verbindung zu bringen. Ein Beispiel für diese Strategie im Urbanharbor, wo aus einstigen Industriearealen moderne Arbeits- und Lebenswelten entstehen: Eine große Solaranlage auf dem Dach einer ehemaligen Produktionshalle liefert Strom, aus dem wird gleich vor Ort Wasserstoff produziert und der wiederum liefert die klimaneutrale Energie einer Lieferflotte, die ein Mehrwegsystem nicht nur für Gastronomie, sondern etwa auch für den verpackungsfreien Handel mit Lebensmitteln ergänzt.

Das Ziel ist es jetzt, das neue Mehrwegsystem in Ludwigsburg auszurollen. „Wir werden eigenes Geld investieren“, kündigt die Unternehmerfamilie an. Sie setzt auch darauf, dass die Stadt die Chance aktiv aufgreift, den Mehrweggedanken in Ludwigsburg auszurollen. „Ich freue mich für Ludwigsburg sehr über diese Mehrwegpremiere“, sagte Oberbürgermeister Matthias Knecht bei der Premiere im Urbanharbor.

Überzeugen wollen die Maiers auch Sponsoren von ihrer Idee. Firmen können sich als Unterstützer des Mehrweggedankens im wahrsten Sinne des Wortes einen Namen machen: Auf die Boxen können, bevor sie in Umlauf gebracht werden, Firmennamen und Logos eingelasert werden.

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