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Doch noch eine Chance für Turteltauben?

Frankreichs oberstes Gericht hat die Jagd auf den Vogel des Jahres 2020 komplett verboten – Nabu-Kreisverband begrüßt die Entscheidung

Hallo, du Schöne! Der goldene Ring um die Augen, das rosa Brustgefieder und die markante Flügelzeichnung ist typisch für Turteltauben.Foto: adobe/stock
Hallo, du Schöne! Der goldene Ring um die Augen, das rosa Brustgefieder und die markante Flügelzeichnung ist typisch für Turteltauben. Foto: adobe/stock

Kreis Ludwigsburg. Die gute Nachricht kam aus Frankreich: Das Oberste Verwaltungsgericht in Paris hat vor wenigen Wochen die Jagd auf Turteltauben komplett gestoppt. Eine gute Nachricht, findet Klaus Ruge (Steinheim) vom Kreisverband des Nabu, und er hofft, dass andere Länder diesem Beispiel folgen. Denn der Vogel des Jahres 2020 ist auch im Kreis Ludwigsburg fast ausgestorben, nicht zuletzt deshalb, weil vor allem in den Mittelmeerländern Jagd auf ihn gemacht wird.

Noch vor 40 oder 50 Jahren, erinnert sich der promovierte Biologe Ruge, konnte man auch im Landkreis überall den rollenden Gurr-gurr-Ruf von Streptopelia turtur hören. Inzwischen ist es ein großes Glück, wenn man ein Exemplar von Europas kleinster Wildtaube überhaupt zu Gesicht bekommt. In den Zugwiesen in Hoheneck sei ein Vogel gesichtet worden, sagt der Nabu-Vogelexperte, auch in der Gegend um Sachsenheim soll es einzelne Paare gegeben haben. Ob sie tatsächlich gebrütet haben, sei allerdings unsicher.

In den vergangenen Jahrzehnten ist der Bestand dramatisch eingebrochen, was an der sich verändernden Landschaft liegt, aber auch an der Jagd, vor allem in Frankreich, Italien, Malta und Nordafrika. In Deutschland stehen Turteltauben als stark gefährdete Art auf der Roten Liste. Turteltauben überwintern in Nordafrika und überqueren ab Oktober bei ihrem Zug nach Süden auf einer Route Korsika und Sardinien, auf der Westroute Frankreich und Spanien. Ein vom Nabu mit einem Sender ausgestatteter Täuberich namens Romeo hat es bis nach Mali geschafft. Einer der wichtigen Stützpunkte im Mittelmeerraum ist Malta. Unterwegs allerdings droht den Vögeln Gefahr von Jägern.

Nach Schätzungen der Universität Gießen aus dem Jahr 2016 werden allein im Mittelmeerraum jährlich zwei bis drei Millionen Turteltauben geschossen. Neben den offiziellen Abschüssen zum Zeitvertreib der registrierten Jäger liegt die Dunkelziffer vermutlich um ein Vielfaches höher.

Warum tut man das? „Wahrscheinlich aus Lust am Schießen“, sagt Klaus Ruge, „ich verdamme Jäger nicht in Bausch und Bogen und ich verstehe auch, dass man jagt, um ein Tier zu essen, aber wenn ich doch weiß, dass es sich um bedrohte Vögel handelt ... das ist nicht zu verstehen.“ Zumal an der 27 Zentimeter großen und 160 Gramm leichten Turteltaube kaum viel Essbares dran sein dürfte.

Aber nicht nur die Jäger in den Mittelmeerländern sind schuld am Verschwinden der Turteltauben. Auch Jäger aus Mitteleuropa finden an dieser Form der „Jagd“ Gefallen. Nur ein Beispiel: Im Jagdmagazin „Wild und Hund“ beginnt ein Artikel mit dem Satz „Auf Turteltauben in Nordafrika zu jagen, ist der Traum eines Flintenjägers“. Denn: „Ihr unberechenbares Flugverhalten ist äußerst anspruchsvoll für den Jäger.“ Der Autor des Textes ist stolz, dass nach dem ersten Jagdtag „46 der wunderschönen Tauben“ in Reihen zu seinen Füßen liegen. In Deutschland dürfen Turteltauben nicht bejagt werden, hier machen ihnen dafür ausgeräumte Ackerlandschaften zu schaffen. „Turteltauben brauchen abwechslungsreiche Landschaften mit Feldgehölzen und Ackerraine mit Wildkräutern“, sagt Klaus Ruge. Gäbe es das, hätte vielleicht auch hier die Turteltaube wieder eine Chance.

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