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Dreieinhalb Jahre Jugendstrafe

Schlägerei auf dem Akademiehof: Damals 17-Jähriger verletzt zwei Männer bei Massenauseinandersetzung

Ludwigsburg. Glimpflich weggekommen ist ein 19-jähriger algerischer Asylbewerber, der sich mit etwa 20 Männern im September 2020 auf dem Ludwigsburger Akademiehof eine Schlägerei mit Flaschen und Messern geliefert hatte, mit seiner Jugendstrafe. Statt wegen versuchten Totschlags wurde der Mann nun am Stuttgarter Landgericht wegen gefährlicher Körperverletzung zu dreineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Opfer nicht in Lebensgefahr

Den eigentlichen Vorwurf der versuchten Tötung gegen zwei der am 13. September Beteiligten der Schlägerei haben die Richter der 17. Großen Strafkammer am Stuttgarter Landgericht fallengelassen und den 19-Jährigen jetzt nur noch wegen zweifacher gefährlicher Körperverletzung schuldig gesprochen. Denn in dem Verfahren hatte ein rechtsmedizinischer Sachverständiger festgestellt, dass die Verletzungen der beiden Opfer durch einen scharfen Gegenstand zwar im Bauchbereich lagen, teilweise auch recht tief eingedrungen waren, aber keine Lebensgefahr bei den Betroffenen vorlag. Der Gutachter kam auch zu dem Schluss, dass als Stichwerkzeug Glasscherben nicht in Betracht kamen.

Dem Angeklagten konnte hingegen nicht nachgewiesen werden, dass er die späteren Opfer mit einem Messer angegriffen hatte. Ein Messer, so die Beteuerungen des Angeklagten vor Gericht, habe er in jener Schlägerei nicht dabei gehabt und auch nicht benutzt. Auch die vom Gericht vernommenen Zeugen, darunter auch Beteiligte der Schlägerei, wollten kein Messer bei dem Angeklagten gesehen haben. Auch eine Bedienung der nahen Gaststätte, vor der das Geschehen stattfand, hatte den Vorfall mitbekommen, aber ein Messer nicht gesehen. Dennoch hatte sie den Angeklagten vom Geschehen weggezogen und ihn in einem Raum des Lokals eingeschlossen, wie sie aussagte, bis die Polizei kam.

Ob Messer oder ein anderes gefährliches Werkzeug – die Richter der Strafkammer gingen jetzt davon aus, dass die Verletzungen der Opfer ausschließlich vom Angeklagten herrührten. Schließlich wurden zwei Männer verletzt. Und ein anderer komme laut dem Urteil nicht in Frage. Jedoch sei der Tatbestand des versuchten Totschlags nicht nachweisbar, da ein direkter Vorsatz nicht vorliege.

Ursache für Auseinandersetzung unklar

Der Akademiehof in Ludwigsburg war schon mehrfach Schauplatz von Schlägereien unter Jugendlichen. Man trifft sich dort und feiert, manches Mal folgen Provokationen, die eskalieren können und in Schlägereien auch mit Waffen enden können. Im Fall des Angeklagten hatten sich damals mindestens 20 junge Männer getroffen und sich geprügelt. Worum es dabei ging, ging in dem Prozess nicht eindeutig klar hervor. Angeblich soll die Freundin eines der Beteiligten beleidigt worden sein. Zudem hatten zwei Jugendliche Geburtstag, den man feiern wollte, so die Zeugenbekundungen.

Als Schlagwerkzeuge sollen Bierflaschen, Pfefferspray und ein sogenanntes Samurai-Messer benutzt worden sein. Ein 22-jähriger Beteiligter aus Remseck ist bereits vom Amtsgericht Ludwigsburg wegen Körperverletzung zu einem Jahr Jugendstrafe auf Bewährung und 1000 Euro Schmerzensgeldzahlung verurteilt worden. Ihm wies die Einzelrichterin nach, dass er mit einer Ladung Pfefferspray einen Mann verletzte und mit einer abgebrochenen Bierflasche auf einen anderen eingeschlagen und verletzt hat.

Die Hoffnung des 19-Jährigen, vor der Großen Strafkammer am Landgericht mit einer Bewährungsstrafe davon zu kommen, hat sich damit nicht erfüllt. Zu Beginn des Prozesses war auch noch nicht klar, wie alt der aus Algerien stammende Angeklagte überhaupt ist. Bei richterlichen Nachfragen in der Karlsruher Erstaufnahme für junge Flüchtlinge wurde auf den Eintrag in seinem Pass verwiesen. Demnach ist er im Jahre 2003 geboren, galt also zur Tatzeit strafrechtlich als Jugendlicher. Daher wurde er zu der Einheitsjugendstrafe verurteilt.

Von den verhängten dreieinhalb Jahren hat er inzwischen neun Monate abgesessen. Nach der Entlassung droht ihm die Abschiebung in seine Heimat.

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