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Dreierbündnis, das es in sich hat

Region Stuttgart will Innovationspark für künstliche Intelligenz an Land ziehen – Davon würde auch der Kreis profitieren

Künstliche Intelligenz gehört die Zukunft: Die Region bewirbt sich jetzt um einen KI-Innovationspark – gemeinsam mit Karlsruhe und der Region Neckar-Alb. Foto: Guido Kirchner/dpa
Künstliche Intelligenz gehört die Zukunft: Die Region bewirbt sich jetzt um einen KI-Innovationspark – gemeinsam mit Karlsruhe und der Region Neckar-Alb. Foto: Guido Kirchner/dpa

Kreis Ludwigsburg. Stuttgart und Karlsruhe waren sich bisher in herzlicher Abneigung verbunden. Doch in diesen Tagen sieht es so aus, als könnten aus den Rivalen doch noch Partner werden. Der Grund ist ein Innovationspark für künstliche Intelligenz, den die Landesregierung in Baden-Württemberg errichten lassen und mit einem Förderbetrag von 50 Millionen Euro ausstatten will.

Seit knapp einer Woche liegt dem Land nun eine gemeinsame Interessensbekundung vor: aus Stuttgart und Karlsruhe. Darüber hinaus haben sich die beiden Zentren mit der Region Neckar-Alb (und Tübingen und Reutlingen) einen dritten Partner ins Boot geholt. „Es ist uns damit zum ersten Mal gelungen, diese drei Regionen zusammenzuschließen“, sagt der Chef der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart, Walter Rogg. Das Bündnis bezeichnete er am Mittwoch in der Landeshauptstadt als „sehr delikat“. Zudem machte Rogg deutlich, dass „wir alle viel Feingefühl aufbringen mussten“.

Allerdings steht auch eine Menge auf dem Spiel: das größte Einzelvorhaben der Landesregierung zur Innovationsförderung der vergangenen Jahrzehnte. Für den KI-Park müssten Stuttgart, Karlsruhe und Neckar-Alb bei einem Zuschlag rund 15 Hektar für Labors, Versuchsstationen oder Büros bereitstellen – und weitere 50 Millionen Euro in das Vorhaben einbringen. Der Hauptsitz des Konsortiums soll in der Landeshauptstadt angesiedelt werden – Teile davon sind laut Rogg aber auch in Böblingen und Ditzingen geplant. Zu den Akteuren gehören zudem Unternehmen wie Bosch und Trumpf sowie Wissenschaftler.

Als Rechtsform haben sich die Partner eine Genossenschaft ausgesucht. „Das ist ein Modell, zu dem man leicht beitreten kann“, sagte Rogg am Mittwoch im regionalen Wirtschaftsausschuss. Das Gremium hat gestern einstimmig für einen Beitritt des Regionalverbandes gestimmt. Der Anteil würde 25000 Euro betragen. In der kommenden Woche ist noch grünes Licht der Regionalversammlung nötig. Das Gesamtkonzept muss dem Land am 22. Februar vorliegen. Es kann bis Anfang März finalisiert werden. Mit einer Entscheidung rechnet der Wirtschaftsförderer im zweiten Quartal.

Zwei Konkurrenten haben ebenfalls ein Auge auf den Innovationspark geworfen: Heilbronn und Freiburg. Mit Bewerbungen aus der Bodenseeregion oder Rhein-Neckar, wo der Softwarekonzern SAP zu Hause ist, rechnet Rogg nicht mehr.

In der Politik wird die Bewerbung mit Begeisterung aufgenommen. Die Investitionen von jeweils 50 Millionen Euro nennt der Esslinger Christdemokrat Andreas Koch „ein Wort. Wer Wirtschaftsförderung ernst meint, der kommt an künstlicher Intelligenz aber nicht vorbei“. Grüne und SPD freuen sich, dass drei sehr unterschiedliche Partner zusammengefunden haben, statt sich in „ruinöser Konkurrenz“ entgegenzutreten, so der Esslinger OB Jürgen Zieger (SPD). Der FDP-Regionalrat Hartfrid Wolff aus dem Rems-Murr-Kreis hält den Partner Karlsruhe wegen des KIT und der Nähe zu Frankreich für begehrenswert. Außerdem würde er im Falle eines Sieges gerne Heilbronn einen Platz in der Genossenschaft anbieten. Der Freie Wähler und Waiblinger OB Andreas Hesky wünscht sich, dass der „Schwung der Begeisterung“ jetzt mitgenommen und nicht zerredet wird – ein Seitenhieb auf die Stuttgarter Grüne Irmela Neipp-Gereke, die den Innovationspark vor allem aus regenerativer Energie speisen will.

Es blieb das einzige Scharmützel am Mittwochnachmittag. Nur einmal noch war aus dem Plenum im Hospitalhof deutliches Grummeln zu hören: Als der Wirtschaftsförderer Rogg die badische Residenz zur „heimlichen Landeshauptstadt“ deklarierte. Ganz so weit gehen die Frühlingsgefühle im Stuttgarter Winter 2021 dann doch nicht.

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