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Hilfskräfte

DRK-Chef zieht die Konsequenzen

Manfred Hormann hört beim Roten Kreuz zum 30. Juni als Geschäftsführer auf. Interne Querelen und Streit mit Betriebsrat und Mitarbeitern wurden zu einer zu großen Belastung für den Kreisverband. Der Landesverband soll mit einer Übergangslösung aushelfen.

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Kreis Ludwigsburg. „Ich habe gemerkt, dass mein Weg nicht mehr der richtige für das DRK ist“, so der 63-Jährige zu seinen Beweggründen, die Geschäftsführung im Sommer abzugeben. In der vergangenen Woche hatte es ein Gespräch mit dem ehrenamtlichen Vorstand der Hilfsorganisation gegeben. Dessen Vorsitzender, Walter Adler aus Ingersheim, hatte in den vergangenen Monaten häufig Klagen aus den Reihen der rund 200 Mitarbeiter über den Führungsstil Hormanns gehört.

So war das Tischtuch zwischen dem Geschäftsführer, der zuvor in internationalen Firmen wie dem Papierhersteller Glatfelter tätig war, und dem Betriebsrat komplett zerschnitten. Selbst Kleinigkeiten führten zum Eklat. Dem Vernehmen nach wurden unter anderem Fortbildungsmaßnahmen und auch Literatur gestrichen. Hormann war deshalb regelmäßiger Gast beim Arbeitsgericht. So häufig wurden die Richter bemüht, dass es den Juristen manchmal zu bunt wurde und sie den Geschäftsführer ermahnten, „er sei hier nicht in der DDR“. Auch den ehemaligen Pressesprecher des Roten Kreuzes, Arnim Bauer, traf der Bannstrahl Hormanns. Doch die fristlose Kündigung nach kritischen Äußerungen Bauers im DRK-internen Mitteilungsblatt hatte vor Gericht keinen Bestand. Trotzdem wollte Hormann nicht lockerlassen. Die Berufung findet am 24. September vor dem Landesarbeitsgericht in Stuttgart statt.

Außerdem mussten einige weitere Mitarbeiter das DRK verlassen. „Manchen musste man eben auf die Füße treten und sie aus ihrer Komfortzone herausholen“, so Hormann im Gespräch mit unserer Zeitung. Häufig landeten die Auseinandersetzungen vor Gericht. „Wir haben aber fast alle Prozesse gewonnen“, sagt der Mann, der als Sanierer den finanziell maroden Kreisverband im Herbst 2015 übernommen hatte.

Tatsächlich war es ihm gelungen, das DRK aus den roten Zahlen herauszuführen. Im vergangenen Jahr hatte man wieder schwarze Zahlen geschrieben. Wenngleich der Kreisverband dem Vernehmen nach weiterhin verschuldet ist. Nicht mit Kassenkrediten bei der Bank, sondern mit Anleihen beim Landesverband und den Ortsvereinen. „Solch eine Veränderung schaffen Sie nicht, wenn man einen Schmusekurs fährt“, so Hormann. „Der Verband ist kein Ponyhof.“ Die ganze Organisation sei auf den Kopf gestellt worden.

Scheinbar war das einfach zu viel. Bei einem Mitarbeitertag Anfang April wurde der Vorstandsvorsitzende Adler von den Beschäftigten fast überrannt mit Klagen. Das Betriebsklima sei massiv gestört, die Kommunikation funktioniere nicht, Kritik an der Führung sei unmöglich, waren einige der Beschwerden über Hormann.

Die Kündigung von Mitarbeitern habe sich auch auf die Leistungsfähigkeit des Roten Kreuzes ausgewirkt, sagen Insider. So musste das Notarztfahrzeug am Ludwigsburger Klinikum abgegeben werden. Mittlerweile fährt der ASB die Einsätze und einige ehemalige DRK-Mitarbeiter seien gleich zum Konkurrenten mitgewechselt, sagt ein Insider.

Auch die Verlegung der DRK-Wache von Vaihingen nach Enzweihingen klappte nicht ohne Komplikationen. Wegen akuten Fachkräftemangels wurde die neu eröffnete Rettungswache in Enzweihingen komplett mit Freiberuflern besetzt – was den Betriebsrat alarmiert habe, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Ursprünglich wollte Vorstandsvorsitzender Adler gemeinsame Lösungen mit Hormann finden. Etwa zum Schichtplan oder zu den betrieblichen Abläufen. Doch der Geschäftsführer habe dann in dem Gespräch vergangene Woche seinen Rückzug zum 30. Juni angekündigt. „Ich schätze Manfred Hormann nach wie vor“, so Adler. Denn ohne ihn hätte das DRK es nicht geschafft, aus der finanziellen Schieflage zu kommen. „Wir gehen im Guten auseinander“, so Adler.

Auch wenn Hormann bis Ende Juni an Bord sei, so bleibe jetzt nur wenig Zeit, um einen geeigneten Nachfolger zu suchen. Deswegen werde jetzt der Landesverband bei einer Interimslösung aushelfen. Ein Geschäftsführer könne für eine Übergangszeit auch mal von einem anderen Kreisverband kommen. „Wir werden also auf keinen Fall ohne Führung sein“, verspricht Adler.

Aber der Vorstand mache sich Gedanken, wie es in Zukunft weitergehen könne, wie die Strukturen verändert werden müssten, um das Ludwigsburger DRK in sicherem Fahrwasser zu halten. Überlegt werde unter anderem, bestimmte Teile wie das Finanz- und Personalwesen neu zu strukturieren. „Zentral wird aber sein, die Mitarbeiter in Zukunft besser mitzunehmen“, so Adler.

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