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Drogerie und Kinder unter einem Dach

Seit knapp einem Jahr versucht die Stadt Markgröningen, in der Rossmannfiliale am Unteren Tor eine Kindergartengruppe unterzubringen. Jetzt scheint sie ihrem Ziel näher zu kommen, auch wenn es weiter Gegenwind gibt.

Filiale der Drogeriekette Rossmann am Unteren Tor in Markgröningen: Im kommenden Frühjahr soll im zweiten Obergeschoss eine Kindergartengruppe dazukommen. Archivfoto: Oliver Bürkle
Filiale der Drogeriekette Rossmann am Unteren Tor in Markgröningen: Im kommenden Frühjahr soll im zweiten Obergeschoss eine Kindergartengruppe dazukommen. Foto: Oliver Bürkle

Markgröningen. In ihren Geschäften bietet die Drogeriekette Rossmann seit langem auch Spielzeug, Pflegeprodukte für zarte Haut oder Babytextilien an – die Unterbringung einer ganzen Kindergartengruppe ist bislang eher nicht der Fall. Doch das wird sich in der Rossmannimmobilie am Unteren Tor in Markgröningen aller Voraussicht nach im kommenden Jahr ändern. Zum Schaden für die Firma wird das mutmaßlich nicht sein – für die Stadt Markgröningen könnte es teuer werden.

Der Plan, den Rossmann und die Stadt Markgröningen verfolgen, sieht vor, eine neue Gruppe der Kita an der benachbarten Betzgasse im zweiten Obergeschoss des signifikanten Rossmannhauses mit den drei spitzen Satteldächern einzuquartieren. Die Bauherrin des Projekts: wird die Drogeriekette. Die Ausführung übernimmt die Stadt, die mit Rossmann einen Mietvertrag abschließt. Der Stadtbaumeister Klaus Schütze sagte im jüngsten Ausschuss für Umwelt und Technik: „So ist es zwischen der Firma und dem Bürgermeister abgesprochen.“ Die Vertragslaufzeit: beträgt zehn Jahre. Der Mietzins: mehr als 30000 Euro, wie zu hören ist. Im kommenden November erwarten die Partner die Baugenehmigung. Im Frühjahr soll die Kindergruppe in der Rossmannfiliale an den Start gehen.

Das passiert allerdings mit rund 18-monatiger Verspätung – weil die Kommunalpolitik sich im Herbst 2019 zunächst quergestellt hatte, vor kurzem allerdings einer Nutzungsänderung der Immobilie mehrheitlich zugestimmt hat. Nur die GAL und die FDP wollen den Weg weiter nicht mitgehen. Der FDP-Ratsherr Joachim Blank: „Wir haben immer wieder vor den hohen Kosten gewarnt.“

Tatsächlich ist die Kommune inklusive Umbau wohl mit mehreren Millionen Euro dabei. Der CDU-Fraktionschef Erich Hutflus spricht bereits „von der teuersten Kindergartengruppe, die wir in Markgröningen je hatten“. Allerdings müsse die Stadt „in den sauren Apfel beißen“. Schließlich fehlen Markgröningen aktuell bis zu zehn Kindergartengruppen. Wenn es hart auf hart kommt, könnte die Kommune von Eltern verklagt werden, die längst einen Anspruch auf Betreuung ihres Nachwuchses haben. Hinzu kommt: Die Entscheidungsträger im Rathaus gehen von weiter steigendem Bedarf aus. Eine Lösung könnte sein, einen zusätzlichen Kindergarten mit privater Unterstützung zu bauen.

Die CDU gesteht, dass sich die Stadt die offene Flanke an der Betreuungsfront „selbst eingebrockt“ habe – und fordert alle Beteiligten auf, sich kritisch zu hinterfragen. Der Freie Wähler Armin Gröner bekannte im Ausschuss: „Mir gefällt das Projekt von vorne bis hinten nicht.“ Er verwies aber auch auf die Formalien, wonach es nur noch um eine Nutzungsänderung gegangen sei.

Und so bleiben Bauchschmerzen in Markgröningen. Ändern wird es wohl nichts mehr, dass nun neben Rossmann, einem Allgemeinmediziner und Physiotherapeuten auch Kinder am Unteren Tor angesiedelt werden.

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