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Durchblick mit Ausblick

Startklar für das einwöchige Bildhauersymposium: Birgit Rehfeldt, Jan Trost, Christoph Traub, Tanja Wildermuth, Till Failmezger, Gerhard Schreiber, Monika Schreiber und Christiane Scheuing-Bartelmess (von links). Foto: Ramona Theiss
Startklar für das einwöchige Bildhauersymposium: Birgit Rehfeldt, Jan Trost, Christoph Traub, Tanja Wildermuth, Till Failmezger, Gerhard Schreiber, Monika Schreiber und Christiane Scheuing-Bartelmess (von links). Foto: Ramona Theiss
Das Plateau hinter der Rielingshäuser Kelter wird zum Schauplatz eines Bildhauersymposiums

Marbach. Der Ausblick ist außergewöhnlich: Weit ins Land, bis hin zum Hohenasperg kann das Auge schweifen, wenn man hinter der Rielingshäuser Kelter steht. Hier werden ab dem 18. Juli Birgit Rehfeldt, Till Failmezger und Christoph Traub eine Woche lang an Skulpturen arbeiten: Erstmals findet das von Monika Schreiber mit ihrer Galerie Wendelinskapelle organisierte Bildhauersymposium im Marbacher Stadtteil Rielingshausen statt. „Die Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, den Künstlern in der Schaffenszeit über die Schulter zu schauen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen“, heißt es in der Ankündigung.

Mit Unterstützung der Schillerstadt, des Kultur- und Heimatvereins Rielingshausen sowie weiterer Sponsoren fügt der Bildhauergipfel sich ins Programm zur 50-Jahr-Feier der Eingemeindung – 1972 war das Straßendorf auf der Anhöhe zwischen Murrtal und dem Hardtwald im Zuge der Gemeindereform dem Verwaltungsbezirk der Stadt Marbach angegliedert worden. So ist das Bildhauersymposium mit seiner Finissage am Sonntag, 24. Juli, um 11.30 Uhr, gewissermaßen die Ouvertüre zum zweitägigen Stadtfest am Wochenende, das in diesem Jahr ebenfalls im Ortsteil Rielingshausen gefeiert wird. Entsprechend hat Marbachs Bürgermeister Jan Trost die Schirmherrschaft übernommen und freut sich auf den spannenden Entstehungsprozess dreier Kunstwerke, die zumindest für ein Jahr auch in Rielingshausen zu sehen sein sollen.

„Durchblick“ hat Schreiber als Motto für das diesjährige Bildhauersymposium ausgegeben und aus rund 20 Bewerbungen die drei Positionen ausgewählt, die im Juli an dem seit den frühen Neunzigerjahren meist im Zweijahresturnus ausgetragenen Event teilnehmen werden. Ortspezifische Inspiration erhielten die Teilnehmer mit einer Stadtteilführung, bei der Christiane Scheuing-Bartelmess und Tanja Wildermuth vom Kultur- und Heimatverein ihr Rielingshausen vorstellten, sowie einem Besuch der ortskundlichen Ausstellung, die der Kultur- und Heimatverein in der Kelter präsentiert.

Rehfeldt interessiert sich für die Auswirkungen der Kommunalreform: Auf einmal seien die Straßen auch nachts beleuchtet gewesen, so die Beobachtung einer Zeitzeugin. Die 1965 in Hamburg geborene und an der Stuttgarter Kunstakademie ausgebildete Holzbildhauerin wird im Juli aus Ostfildern, wo sie seit 1999 lebt und arbeitet, anreisen – samt eines großen Eichenstamms, der in den nahegelegenen Wäldern bei Kemnat gefällt wurde. Geplant sei eine zweiteilige Arbeit, die versucht, die oben aufgeworfene „Licht- und Energiefrage zu beantworten“, so die Künstlerin, die auch mit der elektrischen Kettensäge arbeiten wird.

Etwas konkreter wirken die Vorstellungen von Till Failmezger. Verständlich, denn der Steinbildhauer aus Pleidelsheim, Jahrgang 1973, muss einiges in der heimischen Werkstatt vorbereiten, um den „Durchblick“ als Spiel von Positiv- und Negativform aus dem dunkelgrauen griechischen Marmor herauszuholen. Vor Ort werde dann vor allem das klassische Steinbildhauerwerkzeug zum Einsatz kommen. Einen Sockel aus Dolomit hat der Sohn des Steinbildhauers Jörg Failmezger im nahegelegenen Steinbruch der Firma Klöpfer bereits reserviert.

Auch der 1964 in Stuttgart geborene und an der Karlsruher Kunstakademie ausgebildete Schorndorfer Künstler Christoph Traub arbeitet mit Stein. Was bereits feststeht: Es wird eine knapp zwei Meter hohe Stele aus rötlichem, schwedischem Gneis entstehen, in seiner charakteristischen, aus dem menschlichen Körper abgeleiteten Formensprache, in deren Verlauf es allerdings zu einem Bruch kommt. „Es wird auf jeden Fall laut, staubig und auch nass, wenn ich mit Wasser schleife“, sagt Traub. Mehr wisse er noch nicht: „Ich möchte mich in meiner Arbeit schon auch noch selbst überraschen.“

Info: Das Bildhauersymposium geht von Montag, 18. Juli, bis Samstag, 23. Juli, jeweils von 10 bis 18 Uhr – Besucher sind herzlich willkommen. Finissage: Sonntag, 24. Juli, um 11.30 Uhr.