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Durststrecke als Dauerzustand

Wie sich der Korntaler Bassist Veit Hübner durch die Coronakrise kämpft

Veit Hübner. Foto: Holm Wolschendorf
Veit Hübner. Foto: Holm Wolschendorf

Korntal-Münchingen. Zwischen Hoffnung und Fatalismus pendelte in den vergangenen Wochen und Monaten die Gefühlswelt von Veit Hübner. Der Korntaler Kontrabassist und Sänger ist als freiberuflicher Musiker von der Coronakrise voll erfasst worden. Nachdem er mit seinem Trio Berta Epple – zusammen mit seinem Bruder Gregor sowie Bobbi Fischer 2019 Gewinner des Kleinkunstpreises Baden-Württemberg – am 8. März ein letztes Konzert vor dem Lockdown gespielt hatte, geschah über Monate nichts.

Im Juni war er am Verzweifeln angesichts der „völligen Perspektivlosigkeit“, wie er sagt. Die finanzielle Soforthilfe war verbraucht, alle Veranstaltungen abgesagt, auch die in diesem Jahr wieder geplanten Sommerkurse in der Landesakademie Ochsenhausen – fest einkalkulierte Einkünfte im mittleren fünfstelligen Bereich: weg. Seitdem arbeitet er in einem Bioladen, um sich ein wenig „Taschengeld“ zu verdienen, wie er es nennt. Vor allem aber kommt er seitdem wieder häufiger unter Leute und auf andere Gedanken.

Die wirtschaftliche Situation hat sich indes stabilisiert, da er nun wieder staatliche Hilfen für die Monate November und Dezember erhält, die sich an seinem sonst üblichen Monatseinkommen zu dieser Jahreszeit orientieren. „Bis jetzt hat mich das zum Glück über Wasser gehalten“, sagt Veit Hübner. Glücklicherweise gab es im Sommer und Frühherbst auch ein paar Lichtblicke: Im Ulmer Theater musizierte er in der „Dreigroschenoper“ – von 16bis dato geplanten Aufführungen konnten bislang vier stattfinden, immerhin. „Das hat sich einfach sehr gut angefühlt“, sagt er. Anders als befürchtet, konnte am 1. August sogar das jährlich von ihm organisierte Einhaldenfestival bei Ravensburg stattfinden, ein eintägiges Open Air mit 250 statt der sonst üblichen bis zu 2000 Zuschauer. Und dennoch: ein echter Erfolg für ihn, Berta Epple und befreundete Musiker.

Wie so einige Künstler hat er sich zuletzt daran gemacht, neue Kunst zu schaffen, statt bereits vorhandene zu zeigen. Mit Berta Epple schreibt er gerade an einem neuen Programm, das „Waldlust“ heißen soll. „Wir müssen einfach ein bisschen was machen.“ Gerade war er mit seiner Truppe in einem verlassenen Hotel in Freudenstadt zum Fotoshooting. So trostlos das bewusst gewählte Ambiente, so hoffnungsvoll der Anlass – es geht weiter. Wenn schon nicht mit Live-Musik, dann wenigstens mit den vorgezogenen Arbeiten an dem neuen musikkabarettistischen Programm, das ab 2022 dann auf der Bühne gespielt werden soll.

In Sachen Lockdown ist Hübner zwiegespalten, wie er sagt. „Die Infektionszahlen sind eindeutig zu hoch – aber die Maßnahmen sind willkürlich“, erklärt er. „Restaurants und Kulturstätten haben viel investiert und waren sichere Orte, müssen aber schließen, Schulen hingegen haben geöffnet.“ Die Kultur habe einfach keine gute Lobby. Aus seiner Sicht müssten sich vor allem freiberufliche Kulturschaffende dringend in einem Verband organisieren, um ihre Interessen besser zu kommunizieren und überhaupt wahrgenommen zu werden. „Für uns freischaffende Musiker passiert einfach zu wenig“, sagt er. „Wenn die Politik nicht aufpasst, wird es nach der Krise halb so viele Clubs und weit weniger Kulturschaffende geben als zuvor.“

Nun hofft Veit Hübner darauf, dass der angekündigte Impfstoff die Wende in der Pandemie bringt. Mittlerweile sieht der Bassist wenigstens wieder eine Perspektive, ein Licht am Ende des Tunnels: „Es wäre toll, wenn wir im Frühjahr wieder anfangen könnten, Konzerte zu spielen.““

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