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Zum Sonntag

Eigentum verpflichtet

Geld regiert die Welt, sagt der Volksmund. Recht hat er. Ohne Geld funktioniert die Welt nun einmal nicht. Egal, um welchen Lebensbereich es geht: Immer kommen die Euros ins Spiel.

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Dass Wohlstand ungerecht verteilt ist, ist nicht gottgewollt, sondern menschengemacht. Foto: Gajus/stock.adobe.com
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Ludwigsburg. Schlimm für die, die zu wenig davon haben. Die sind aber nicht unbedingt selber schuld – weil sie faul oder unfähig sind. Es sind Entwicklungen und Entscheidungen in Politik und Wirtschaft, die oft genug den Besitzenden Vorteile verschaffen, aber die Bedürftigen benachteiligen. Nicht wenige Probleme, mit denen sich unsere Gesellschaft derzeit abmüht, haben damit zu tun, dass „haben“ immer noch attraktiver ist als „teilen“.

Abbé Pierre, ein französischer Priester und Begründer der Wohltätigkeitsorganisation „Emmaus“, hat gesagt: „Nicht der Besitz verstößt gegen Gottes Gebot, sondern die Armut des Nachbarn.“ Damit stellt er einen Zusammenhang her zwischen dem Besitz der einen und der Armut der anderen. Wir können die Augen nicht davor verschließen: Der Wohlstand ist ungerecht verteilt. Das ist nicht gottgewollt, sondern von Menschen so gemacht.

Dabei verdammt die Bibel den Besitz keineswegs. Reichtum an sich ist bei Gott kein K.-o.-Kriterium. Entscheidend ist, wer vom Wohlstand profitiert. Wenn es in unserem Grundgesetz heißt „Eigentum verpflichtet“, dann ist das ein Nachklang biblischer Weisheit: „Euer Überfluss helfe ihrem Mangel ab“, schreibt Paulus an die Gemeinde in Korinth.

Bis hin zu den aktuellen Migrationsbewegungen ließe sich vieles verbessern, wenn diese Verpflichtung ernst genommen würde. Wenn wir nicht danach fragen würden, wie wir unseren Besitz sichern. Sondern danach, wie Ausgleich geschaffen werden kann – im eigenen Land, aber auch weltweit. Wir könnten es uns leisten.

Pfarrer Christoph Bayer

Evangelische Kirchen- gemeinde Tamm