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Ein Album als Flucht nach vorne

Der Liedermacher Mike Janipka sammelt online Geld für sein neues Projekt

Mike Janipka. Foto: Michael Fuchs/p
Mike Janipka. Foto: Michael Fuchs/p

Bietigheim-Bissingen. Nach monatelanger Durststrecke ist es wohl das einzig richtige Modell: Schon vor Beginn der Pandemie hatte der Bietigheimer Singer-Songwriter Mike Janipka geplant, sein nächstes, nunmehr fünftes Album „Wendepunkt Liebe!“ über eine Crowdfunding-Aktion im Internet zu finanzieren, da das nötige Kleingeld dafür nicht zur Hand war. Nun, nachdem er seit bald einem Jahr nur ganz wenige Auftritte hatte, ist klar, dass es anders gar nicht zu stemmen gewesen wäre. „Ohne diesen Weg könnte ich kein neues Album machen“, sagt der 54-Jährige, der dank der Soforthilfen aktuell zumindest keine Existenzängste hat.

Knapp 11000 Euro sind auf der Plattform „Startnext“ mittlerweile zusammengekommen, das Ziel wären 26000 – denn damit würde nicht nur die Studio-Arbeit, sondern die gesamte Herstellung finanziert werden, und für den Bietigheimer Musiker selbst bliebe auch noch etwas übrig. „Aber das ist nicht das Wichtigste.“ Er möchte vor allem wieder mit seiner Musik wahrgenommen werden – was in diesen Zeiten gar nicht so einfach ist.

Zehn Songs werden es am Ende sein, wenn das Album im März erscheint, fertig geschrieben sind sie bereits, auch die Studio-Produktion bei Milan Saje in Kleinsachsenheim ist fast abgeschlossen. Bezahlen können wird er das alles erst nach Ende der Geldsammelaktion in ein paar Tagen. Für einen frei wählbaren Betrag gibt es verschiedene „Dankeschöns“ zur Auswahl – bis hin zum persönlichen Wohnzimmerkonzert.

Die ersten Auszüge aus der Platte sind schon mal vielversprechend: Melancholisch, optimistisch, einfühlsam und einprägsam kommen die Songs „Freude“, „Für immer“, „Tiefer“ und „Wir zwei“ daher, getragen von Janipkas Stimme und seinem Gitarrenspiel, meist zurückhaltend instrumentiert. „Es ist ein Spagat für mich: Ich möchte meine Tiefe behalten, aber auch unterhaltsame Musik machen“, erklärt er.

Das ganze Album dreht sich um das Thema Liebe – der Auslöser war jedoch ein unerfreulicher: Anfang 2018 begann er zu komponieren, nachdem seine langjährige Ehe in die Brüche gegangen war. Wer bin ich? Diese Frage stand am Anfang. „Es geht um das Herunterfallen und Aufbrechen“, erklärt Janipka. „Ich musste eine Perspektive für mich entwickeln und neue Wege finden.“

Seine Songs entstehen ganz unterschiedlich, mal kommt zuerst der Text, mal die Musik, oft geht es sehr schnell bis zum fertigen Werk. „Es kommt aus einer Bewegung im Inneren“, sagt der Bietigheimer, „ich schreibe nie ohne Grund.“ Wenn er dann seine Songs im Studio einsingt, ist das oft beim zweiten Mal im Kasten, manchmal muss er auch nochmal eine oder mehrere Nächte darüber schlafen, bis er beim erneuten Anhören die nötige Distanz hat, sich kritisch zu fragen: Kommt da das Richtige zum Ausdruck? Bisweilen ertappt er sich dabei, wie ihm etwas Schwäbisches durchrutscht – denn als Mundartsänger versteht sich Janipka nicht.

„Bedrückend ist die Perspektivlosigkeit“, sagt er über die aktuelle Lage. „Alles ist unklar.“ Ende Oktober 2020 spielte er noch zwei Konzerte an einem Tag in der Ludwigsburger Musikhalle, unter strengen Abstands- und Hygieneregeln. Eine so lange Pause könne auch einen Karriereknick bedeuten, weil man nicht mehr wahrgenommen werde, fürchtet Mike Janipka: „Ich habe vom Kontakt mit dem Publikum gelebt.“ Mit seiner Crowdfunding-Aktion tritt er jetzt die Flucht nach vorne an.

Internet: www.startnext.com/wendepunkt-liebe

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