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Ein fast immer treues Familienmitglied

Seit nun 30 Jahren begleitet der blaue VW-Bus die Jaisers. Früher das Urlaubsmobil der Familie, wird der Oldie mittlerweile nur noch für besondere Ausflüge aus der Garage geholt.

Auf zahlreichen Urlauben begleitete der Bus die Familie Jaiser. Immer dabei: die selbst gebauten Einbauschränke. Fotos: Holm Wolschendorf
Auf zahlreichen Urlauben begleitete der Bus die Familie Jaiser. Immer dabei: die selbst gebauten Einbauschränke. Foto: Holm Wolschendorf
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Freiberg. Schon als kleines Kind packte Hans-Peter Jaiser der Bully-Virus. So sehr, dass das erste Familienmobil auch ein VW-Bus sein musste. Der blaue T3, Baujahr 1990, ist nun seit bald 30 Jahren in der Familie und brachte ihn, seine Frau und die zwei Kinder immer zuverlässig an ihr Ziel – bis auf eine Ausnahme.

„Es musste ein Bus mit Heckmotor sein“, erinnert sich Hans-Peter Jaiser. Es war das Jahr 1991, als seine Frau Heike und er sich den blauen Bus kauften. Das Besondere an dem Fahrzeug ist, dass es das Sondermodell „Bluestar“ ist. „Das waren die letzten in Hannover gebauten T3-Busse“, erinnert sich Jaiser. Unten im Heck steckt der aus dem Golf 1 und 2 bekannte 1,6-Liter-Turbodiesel mit 70 PS, gekoppelt an ein Fünfgang-Schaltgetriebe. Hier eine Besonderheit: Es ist ein sogenanntes Dogleg-Getriebe, also der erste Gang ist unten links. Eigentlich sind solche Schaltgetriebe eher in Sportwagen zu finden, wie dem ersten BMW M3. Die Logik ist, dass der erste Gang ohnehin nur zum Anfahren gut ist und somit die Gänge, die man zum Fahren braucht, dann gegenüber liegen. Was für die Rennstrecke gut ist, nützt wohl auch in einem etwas schwachbrüstigen VW-Bus auf Passstraßen.

„Uns gefällt, dass man so mobil ist und nicht auf die Uhr gucken muss“, sagt Heike Jaiser. Gerade seit die Kinder älter sind, würden sie zu zweit einfach darauf losfahren und stehen bleiben, wo immer es ihnen gefällt. „Und mit den Kindern sind wir immer gleich an der frischen Luft gewesen.“ Unterwegs waren sie immer zu viert. „Als die Kinder noch klein waren, war das kein Problem“, erinnert sich Hans-Peter Jaiser. Ihre Tochter schlief zunächst in einem kleinen Babybett auf dem Beifahrersitz. Als das zweite Kind kam, schlief die Große dann zwischen den Eltern und der Kleine dann in dem Bettchen. Als die Kinder größer wurden, schafften sich die Jaisers noch einen T3 mit Campingausbau an.

Der blaue Bus war immer ein zuverlässiger Begleiter, bis auf eine Urlaubstour im Jahr 2002. „Ich hatte erst kurz vor dem Urlaub die Kopfdichtung getauscht“, erinnert sich Jaiser. Die Reise sollte nach Elba gehen, nahm aber schon bei La Spezia ein jähes Ende. „Plötzlich rauchte es aus dem Auspuff, und er zog nicht mehr richtig.“ Jaisers schafften es noch bis auf den nächsten Rastplatz, wo sie die Nacht verbrachten. „Am nächsten Morgen habe ich ihn gestartet, aber er lief nicht rund.“ Diagnose: Die Zylinderkopfdichtung war geplatzt. Mit dem Abschleppdienst wurde der havarierte Bus nach Genua gebracht. Von dort flogen sie nach München, mieteten sich am Flughafen ein Auto und fuhren zurück nach Freiberg. Heike Jaiser fügt an: „Das war schon tragisch, unsere damals zehnjährige Tochter hatte den ganzen Tag geweint.“ Den Bus hatten die Jaisers später von einer Spedition holen lassen und ihn dann gerichtet.

Gepflegt wurde der Bus immer. „Auch stand er die letzten 15 Jahre über den Winter bei meinem Schwiegervater in der Tiefgarage. Sonst würde auch der Lack nicht mehr so gut aussehen.“ Die meisten Reparaturen kann Hans-Peter Jaiser als gelernter Landmaschinenmechaniker auch selbst durchführen.

Der letzte große Urlaub mit dem rüstigen alten Bus ging 2015 nach Frankreich. Doch seitdem planen sie keine längeren Trips mit dem Auto. „Meine Frau ist von der Panne damals noch geplagt“, lacht Herr Jaiser. Denn neben dem blauen T3 hatten sie auch immer einen weiteren VW-Bus, alles als Camperausbau. Mittlerweile steht ein moderner T6 California vor dem Haus. „Mit dem machen wir jetzt alle unsere Reisen“, sagt Jaiser.

Verkauft wird der alte Bus aber nicht. „Wenn ich das versuchen würde, lässt sich mein Mann von mir scheiden“, lacht Heike Jaiser. Auch den Kindern ist das Familienmobil ans Herz gewachsen. „Der wird mal in ihre Hände kommen.“

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