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Ein ganz erstaunliches Monster-Musical

Fünftklässler reißen mit ihrem Stück das Publikum mit – Erzählt wird die Geschichte von Ausgrenzung, Furcht und einer neuen Freundschaft

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Eine großartige musikalische Leistung haben die Fünftklässler des Goethe-Gymnasiums bei der Aufführung im Festsaal der Waldorfschule gezeigt. Foto: privat

Ludwigsburg. Eigentlich müsste man sich fürchten: Da treibt in einem Dorf ein schreckliches Monster sein Unwesen, schreit und heult in der Nacht, sobald der goldene Mond über dem Wald aufgeht. Doch weit entfernt von einer beklemmenden Atmosphäre – die Fünftklässler des Goethe-Gymnasiums bringen mit „Horri“ ein Musical auf die Bühne in der Waldorfschule, mit dem sie nicht nur eine großartige musikalische Leistung bieten. Die Geschichte selbst macht Mut, zeigt, wie es ist, anders zu sein und wie gut es ist, auf andere zuzugehen. Gerade in einer Zeit, in der viele Flüchtlinge sich ein neues Zuhause suchen müssen.

Das ganze Dorf ist verängstigt, keiner weiß, was in dem alten Haus vor sich geht, das eigentlich seit langem leersteht. „Wir halten das nicht länger aus“, gestehen sich die Männer und Frauen ein und wollen in dem Monstermusical, geschrieben von Jörg Ehni und dem Komponisten Uli Führe, schon das Handtuch werfen. Der Schulchor des Goethe-Gymnasiums und die jungen Solisten der Gesangsklasse singen von den Sorgen und davon, was sie nun tun sollen. Müssen sie ihre Heimat, ihr Dorf verlassen?

Kostüme wie aus alten Zeiten

Da stehen sie auf der Bühne und beraten: die Jungs mit Franzosenkappe und Hosenträgern, die Mädchen in Röcken und Kopftüchern. Eine Szene wie aus alten Zeiten, in denen die Rollen von Mann und Frau vermeintlich noch klar geregelt waren. Die passenden Kostüme wurden von zu Hause mitgebracht, teils waren auch Kleidungsstücke von Oma oder Opa darunter.

In dem Musical – das die musikalischen Leiter Claudius Heinzelmann und Susanne Kovalev mit den Fünfern einstudiert haben und bei dem Sabine Knecht-Ammon die Regie führte – wollen die Eltern natürlich ihre Kinder schützen, doch die sind letztlich schlauer als sie. Während die Väter die Muskeln spielen lassen und mit Rakete und Feuerwerfer gegen das alte Haus vorrücken, in dem es spukt, wollen die Mütter verhandeln.

Die Männer setzen auf „Mut unterm Hut“, die Frauen auf „Hirn in der Birn“. Die Dramatik gewinnt an Fahrt, als sich beide Seiten trotz mehrfacher Beratung nicht einigen können. Und so kommen die Kinder ins Spiel. Sie ergreifen die Initiative, entschärfen heimlich die Waffen. Sie vermuten, dass das Monster sich vielleicht nur allein fühlt.

Es geht um Fremdsein und Annäherung. Die Kinder gehen auf das Monster zu, das sie verniedlichend „Horri“ nennen, fragen es aus und lassen sich seine Geschichte erzählen. Und am Ende wird es in die Dorfgemeinschaft aufgenommen, besiegelt wird das mit einem schönen Fest. Allerdings unter einer Voraussetzung: Sein schauriges nächtliches Geheul musste das Monster allerdings einstellen. An die Stelle von Ausgrenzung tritt nun eine Freundschaft, die für alle Beteiligten befreiend wirkt.

Jedes Jahr geht das Goethe-Gymnasium ein Musikprojekt mit seinen Fünftklässlern an. Seit Februar haben die Schüler an dem Stück gearbeitet, haben im Chor geprobt, Tänze und Abläufe einstudiert. Bei Probentagen auf der Alb wurde die Sache verfeinert.

Erstaunlich, wie präzise und gekonnt Chor und Band sich aufeinander eingestellt haben. Der Chor sang teils zweistimmig, umrahmte die Einlagen der jungen Solisten, die schon recht sicher intoniert haben. Die Band brachte so viel Rhythmus ins Spiel, dass das Publikum richtig mitging. Begeistert hat auch die Tanzgruppe, die dem Musical den nötigen Schwung verlieh. (skj/hpj)