Logo

Ein gemeinsames Dörfle im Dorf

Hat viel vor – und will das in Gemeinschaftsleistung schaffen: Frank Nägele auf seinem Grundstück in Hessigheim. Foto: Alfred Drossel
Hat viel vor – und will das in Gemeinschaftsleistung schaffen: Frank Nägele auf seinem Grundstück in Hessigheim. Foto: Alfred Drossel
Ein „Ortsschild“ gibt es bereits. Foto: Nägele/p
Ein „Ortsschild“ gibt es bereits. Foto: Nägele/p
Es ist ein ehrgeiziges Projekt, das allerdings ohne Ehrgeiz, sondern mit Gemeinschaftssinn verwirklicht werden soll: ein kleines Dörfle im Dorf. Frank Nägele möchte auf seinem Grundstück in Hessigheim Wohn- und Lebensraum für zehn bis zwölf Personen schaffen. Wohnungen, Boulebahn, Dorfplatz und Beete sollen in Eigenleistung und mit Hilfe Freiwilliger entstehen.

Hessigheim. Momentan ruhen die Arbeiten auf dem rund 1000 Quadratmeter großen Areal in der Hessigheimer Seitenstraße. „Es sind jetzt Bauferien“, sagt Frank Nägele, als er im Garten an einer Baugrube steht. Dort soll später ein kleines Haus in Holzständerbauweise stehen, in dem zwei Wohnungen à 40 Quadratmeter Platz haben. Nur wenige Meter weiter gibt es bereits drei Wohnungen in einem Bestandsgebäude. In diesem soll noch die Heizung aufgerüstet werden, auch ein neues Dach wird installiert. Aber zunächst ist das „Minihaus“ an der Reihe. Dessen Fundament ist bereits betoniert – in Eigenleistung mit Unterstützung einiger Helfer.

Aus der Nachbarschaft kämen immer wieder Leute und böten ihre Hilfe an. Und so soll es auch weitergehen, wenn es nach Nägele geht. Dabei seien nicht nur Menschen willkommen, die handwerklich versiert oder ausgebildet sind. „Ich freue mich auch, wenn jemand kommt und sagt, mich interessiert das, ich würde gerne helfen.“ Zu tun gibt es einiges. Der 56-Jährige zeigt die Planung für das Grundstück. Jede Wohnung soll eine große Terrasse bekommen und zudem einen separaten Stellplatz für E-Bike samt Ladestation. Auch ein „Dorfgütschle“ schwebt Frank Nägele vor: Ein E-Auto, das alle Dorfbewohner nutzen können. Genehmigt ist zudem ein Dorfbrunnen. Das Minihaus soll eine Solaranlage aufs Dach bekommen, dadurch werde die Abhängigkeit vom Stromnetz reduziert. Ziel sei, möglichst autark zu sein, aber „zu 100 Prozent wird es wohl nicht gehen“.

Ganz ohne Fachleute funktioniert so ein Bauprojekt jedoch nicht. Nägele weiß sich glücklich zu schätzen, dass er Handwerksbetriebe gefunden hat, die zugesagt haben, die Helfer einzuweisen und auch zu betreuen. Den mittlerweile genehmigten Bauantrag hat Frank Nägele aber ohne Architekt ausgearbeitet, die Baupläne hierfür erstellte sein Sohn, der Zimmermann ist.

Dass es jetzt an die Umsetzung geht, macht Nägele glücklich. Das Projekt trage er seit etwa sieben Jahren im Herzen, auch wenn es im Laufe der Zeit immer wieder mal planerische Änderungen gegeben hat. „Es ist kein reines Investitionsprogramm“, betont Nägele, „hier geht es nicht ums Geld.“ Vielmehr sei sein Ziel, Leute für die Idee zu begeistern. Wer später in die Wohnungen einziehen wird, ist laut Nägele nicht davon abhängig, ob derjenige beim Bau geholfen hat. Es solle mit dieser „echten Herzensangelegenheit“ etwas gemeinsam geschaffen werden. Deswegen spricht er hier vom „Dorfgeist“; davon, dass jüngere und ältere Menschen zusammen arbeiten, ihr Wissen weitergeben und einsetzen. Und mit dem Bau des Dörfles müsste noch lange nicht Schluss sein: „Ich könnte mir vorstellen, dass sich ein Team bildet und hier mit anpackt und später vielleicht gemeinsam ein nächstes Projekt umgesetzt wird.“ Aber jetzt steht zunächst das „Seitendörfle“ an, wie Nägele das Areal getauft hat. Die Gemeinschaft soll hier nicht nur beim Bau eine große Rolle spielen, sondern später auch beim Wohnen. So bekomme jeder Dorfbewohner beziehungsweise jede Wohnung eine Parzelle im Garten, um Gemüse, Obst und Blumen anzupflanzen. Ein Dorfplatz als Treffpunkt, ein Dorfpool und eine Boulebahn sind unter anderem vorgesehen. „Wir spielen viel zu wenig“, meint der Initiator. Deswegen seien auch Tischtennis und Darts geplant.

Frank Nägele schwebt zudem vor, später einmal kleinere Dörfle-Events zu veranstalten. „Ideen gibt es jede Menge.“ Aber er ist auch gespannt darauf, ob sich Interessierte mit weiteren Ideen und Vorschlägen einbringen. „Ich denke wirklich, hier kann etwas Gutes entstehen.“

Info: Wer sich für das Projekt „Seitendörfle“ interessiert, kann sich bei Frank Nägele darüber informieren – und zwar per E-Mail an info@seitendoerfle.de.