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Ein Heimspiel für die Debütantin

Schauspielerin Lisa Riesner aus Fellbach-Oeffingen hat beim Ludwigsburger Theatersommer ihr erstes Engagement

Schätzt die besondere Atmosphäre im Theatergarten: Lisa Riesner an ihrer aktuellen Wirkungsstätte. Foto: Holm Wolschendorf
Schätzt die besondere Atmosphäre im Theatergarten: Lisa Riesner an ihrer aktuellen Wirkungsstätte. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. „Der Arbeitsalltag als Schauspielerin ist schon ganz schön aufregend“, stellt Lisa Riesner fest. Sie macht hier in Ludwigsburg ihre ersten Erfahrungen beim Theatersommer, denn das Engagement ist ihr erstes, nachdem sie kürzlich erst ihr Studium mit dem Schauspieldiplom am Tschechow-Studio in Berlin abgeschlossen hat. Die jüngste Entdeckung von Peter Kratz hat sich bereits in der ersten Produktion von Peter Handkes „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“ hervorragend ins Ensemble eingefügt. Kein Wunder, denn außer dem Schauspielstudium bringt sie auch noch eine Gesangsausbildung im Belting („Schmettern“), einer speziellen, vor allem in der Popmusik, im Musical und im Soul verwendeten Gesangstechnik mit, vor allem aber hat sie auch bei Jörg Brennecke, einem Berliner Pantomime-Künstler studiert und bei Daniela Marcozzi und Marcello Miguel eine Ausbildung in Physical Theatre absolviert. Sie lernte viel über die Commedia dell’arte an der berühmten Scuola Dimitri, die von dem berühmten Clown Dimitri im Tessin gegründet wurde, und sie hat sich mit Shamanic Clowning bei ihrem Lehrer Nicolas Cambas intensiv auseinandergesetzt.

So ist sie zwar im Ensemble des Theatersommers neu, aber sie bringt doch schon eine ganze Reihe von Ausbildungen mit, die in ihrer Spezifizierung richtig gut zum Stil des Theatersommers und besonders auch zu dem von Handkes Stück passen. Und schon in diesem Stück beweist sie, dass sie vor allem für eine Schauspielerin im ersten Engagement eine sehr fundierte und breite Ausbildung mitbringt, was ihr gerade bei den diversen Rollen, die sie gleich übernimmt, zugute kommt. Da sie dazu auch noch sportlich ist, seit ihrer Kindheit das Tanzen liebt und seit vier Jahren auch Partnerkampfsport und sogar Boxen betreibt, wird sie auch den körperlichen Anforderungen des Ludwigsburger Theaterstils in allen Fällen gerecht.

Hilfreich ist es dabei für sie, dass sie, die seit vier Jahren in Berlin lebt, sozusagen ein Heimspiel hat. Denn aufgewachsen ist sie in Fellbach-Oeffingen, wo ihre Eltern bis heute leben. „Der Heimatbonus kommt mir in vielen Punkten entgegen“ sagt sie. „Schon als ich ziemlich aufgeregt zum Vorsprechen hergefahren bin, hat es gut getan, dass ich mich einigermaßen auskenne.“ Und sie berichtet, wie sie in Hamburg vor einem Vorsprechen nicht mehr wusste, welche S-Bahn sie nehmen musste. „Das konnte mir hier zum Glück nicht passieren“, sagt sie und lacht. Auch darüber hinaus tut ihr es gut, in vertrauter Umgebung zu sein. „Ich verstehe die Sprache der Leute, kenne ihre Mentalität, das hilft mir ungemein“ stellt sie fest und freut sich auch, dass sie so ihre Eltern derzeit öfters sehen kann.

Lisa Riesner kann also sehr entspannt ihr erstes Engagement trotz aller damit verbundenen Arbeit genießen. „Ich bin voller Spannung, was dieses erste Jahr sonst noch bringt“ gibt sie sich aufgeschlossen und neugierig. In ihrer Ludwigsburger Aufgabe sieht sie vor allem die Herausforderung, ohne Worte, die ja meist eine Hauptausdrucksmöglichkeit für Schauspieler sind, so unterschiedliche Figuren und Charaktere darzustellen. Wie hier in den kurzen Szenen, die auch auf den Punkt stimmig sein müssen, denn es bleibt weder die Korrekturmöglichkeit durch die Länge einer Szene noch durch den Gegenpart. Aber sie liebt es auch, in der von Natur durchdrungenen Bühne zu spielen, sie mag auch die Nähe zum Publikum, dessen Reaktion so hautnah zu spüren ist. Und sie mag generell die besondere Atmosphäre mit den Geräuschen, ob es nun die Vogelstimmen aus den Bäumen und Büschen sind oder der Lärm der Stadt, der oft nur noch wie ein Windhauch im Hintergrund zu hören ist. Kurz, sie ist offenbar mit ihrem Start ins Schauspielerleben recht zufrieden.

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