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Bauvorhaben

„Ein Hochhaus passt nicht zum Ortsbild“

Zu hoch und nicht zum Ortsbild passend: Das geplante mehrgeschossige Gebäude, das im Neubaugebiet „Neckarlust“ über der Kita „Am Holzplatz“ entstehen soll, sorgt bei einigen Gemmrigheimern nach wie vor für Unverständnis.

Die Baugrube für die Kita „Am Holzplatz“ ist ausgehoben. Die Höhe des mehrgeschossigen Gebäudes lässt sich nur erahnen. Foto: Alfred Drossel
Die Baugrube für die Kita „Am Holzplatz“ ist ausgehoben. Die Höhe des mehrgeschossigen Gebäudes lässt sich nur erahnen. Foto: Alfred Drossel

Gemmrigheim. Gegen das mehrgeschossige Gebäude, das „Am Holzplatz“ hochgezogen werden soll, hat sich Widerstand formiert. Allen voran stehen Heike Böhringer und Martin Hamdorf, die in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats und im Gespräch mit unserer Zeitung ihrem Unmut einmal mehr Luft verschafft haben. Sie und einige Anwohner, deren Unterschriften die beiden Neu-Gemmrigheimer gesammelt und der Verwaltung vorgelegt haben, fühlen „sich vom Gemeinderat und vom Bauträger getäuscht, da beim Kauf von einem bis zu siebenstöckigem Gebäude nicht die Rede gewesen war“. Die „scheibchenweise Änderung“ lasse vermuten, dass versucht worden sei, erst die attraktiveren Grundstücke und Wohnungen zu veräußern.

„Hier bei der Gemeinde eine Täuschungsabsicht zu sehen, halte ich für völlig unbegründet.“

Dr. Jörg Frauhammer
Bürgermeister

„Ein Hochhaus passt nicht zum Ortsbild. Das kann ich nicht tolerieren“, sagt Martin Hamdorf. Mehr Etagen bedeuteten mehr Wohnungen, aber auch tendenziell mehr Anliegerverkehr und „potenziell mehr Gefahr für die Kinder, die dort die Straße überqueren“. Mehrfach betont Hamdorf, dass er absolut nichts gegen die Kita habe, sondern gegen die Höhe des Gebäudes.

Dem stimmt Heike Böhringer uneingeschränkt zu. Sie habe in der Stadt gewohnt, von dort kenne sie solche Probleme, auch die der Parkplatznot. „Wenn solche Objekte gebaut werden, entstehen Brennpunkte. Da werden Tatsachen geschaffen, die der ganze Ort nun hinnehmen muss?“ Sie und ihr Mitstreiter Hamdorf zeigen sich ernüchtert und enttäuscht: „Wenn wir das gewusst hätten, wären wir nicht hierher gezogen.“ In der ersten Planung sei lediglich ein dreistöckiges Gebäude vorgesehen gewesen.

Hans-Peter Betz, Geschäftsführer der ABW Bauträger GmbH aus Ludwigsburg, bedauert die Unzufriedenheit einiger Anwohner. Es sei zu jedem Zeitpunkt offen diskutiert und kommuniziert worden, was geändert werde, „dass wir höher bauen werden, war erst 2017/18 im Gespräch.“ Und ja, er habe dafür „gekämpft, dass nicht nur eine Kita ins Neubaugebiet kommt, sondern dass wir mehr Wohnraum schaffen dürfen.“ 25 Wohnungen sind in dem Gebäude, das laut Betz sechs Etagen und ein Dachgeschoss umfasst, untergebracht. Es würden ausreichend Tiefgaragenplätze gebaut, gäbe noch „welche zu kaufen“, aber viele Anwohner parkten eben auch auf der Straße.

Den Vorwurf, im Zusammenhang mit Baugesuchen, die vom ursprünglichen Bebauungsplan abgewichen sind, etwas verheimlicht zu haben, weist Bürgermeister Dr. Jörg Frauhammer zurück, „Entscheidungen zu Baugesuchen sind grundsätzlich öffentlich. Hier bei der Gemeinde eine Täuschungsabsicht zu sehen, halte ich für völlig unbegründet.“

Der Bauträger sei Anfang 2018 mit dem Wunsch auf die Gemeinde zugekommen, anstatt der ursprünglich geplanten Bebauung und Geschossigkeit insbesondere aus Gründen des Wohnraumbedarfs höher bauen zu wollen. Zudem sollten Punkthäuser anstatt Kettenhäuser geplant werden, an anderen Stellen hatte er angefragt, ob es möglich sei, anstatt der vorgesehenen Sattel- nun Flachdächer zu bauen. Den Vorschlägen stimmte der damalige Gemeinderat zu. Die Planung sei dem Landratsamt Ludwigsburg seit Oktober 2019 bekannt, teilt ein Sprecher auf Anfrage mit, die Baugenehmigung wurde im Mai dieses Jahres sowie eine Befreiung hinsichtlich der Geschossigkeit erteilt.

Immer wieder kämen Bauherren auf die Gemeinde zu, unter Abweichungen vom Bebauungsplan bauen zu dürfen, sagt Frauhammer, dies stoße beim Gemeinderat oder bei der Genehmigungsbehörde nicht immer auf Zustimmung. Selten seien die Abweichungen derart, dass eine Bebauungsplanänderung in die Wege geleitet werden müsse. „Wenn solche Anfragen sinnvoll sind, kann es dazu kommen, insbesondere, wenn damit öffentliches Interesse verbunden ist, was der Gemeinderat in diesem Fall bejaht“, sagt Frauhammer. Das Nachbarrecht sei davon unberührt und werde getrennt davon geprüft.

Die Problematik des Parkens sei vielschichtig und der Verwaltung bekannt, erklärt Frauhammer. Sie betreffe den ganzen Ort, weswegen ein Parkplatzkonzept auf den Weg gebracht worden sei.

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