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Ein Klick und es wird schwäbisch

Gästeführungen, Spaziergänge durch die Stadt und Touren durch die Weinberge sind nun wieder erlaubt. Auch Katrin Held aus Ottmarsheim ist wieder am Start. Wie sie die Zeit während des coronabedingten Lockdowns überbrückt hat? Sie erzählt Dorfgeschichten und informiert über den Weinbau. Und zwar auf Schwäbisch und fürs Internet.

Im heimischen Tonstudio: Gästeführerin und Heimatliebhaberin Katrin Held bearbeitet ihre Clips und stellt sie anschließend ins Internet. Foto: Alfred Drossel
Im heimischen Tonstudio: Gästeführerin und Heimatliebhaberin Katrin Held bearbeitet ihre Clips und stellt sie anschließend ins Internet. Foto: Alfred Drossel

Besigheim-Ottmarsheim. Frau Held, Sie sind mit Leib und Seele unter anderem Gäste- und Weinerlebnisführerin. Sie wollen den Menschen Ihre Heimat näherbringen. Wie haben Sie die vergangenen Monate überbrückt, in denen keine Führungen stattfinden durften?

Katrin Held: Ich bin in den vergangenen Monaten sehr viel im Internet unterwegs gewesen. Da kam ich auf die Idee, meine Gäste per Video mit auf Weinbergtour zu nehmen. Was als kleiner Gruß anfing, ist mittlerweile zu einem Youtube-Kanal mit mehreren Themenserien gewachsen, der weit über unsere Region hinaus wahrgenommen wird. Ich drehe kurze Filme. In „Weinberg unplugged“ geht es, wie der Name schon sagt, um Geschichten, die mit dem Weinberg und Weinbau zu tun haben. „Dorfgschichta ausm Flecka“ erklärt sich ebenfalls von selbst und bei „oifach schwäbisch“ erkläre ich die Alltagsgegenstände von früher oder was ein Pfetschakendle ist, nämlich ein Wickelkind, das gehätschelt wird.

Sie haben aus der Not eine Tugend gemacht?

Ja. Wir haben auf unsere ersten Filmchen Rückmeldungen, Kommentare und auch Nachfragen erhalten. Wir greifen diese gelegentlich auf und berichten aus dem Ländle über das, was unsere Zuschauer in Berlin, Italien oder Übersee interessiert. Und für die, die des Schwäbischen nicht so mächtig sind, füge ich Untertitel ein. Ich habe beispielsweise eine Freundin, eine ehemalige Austausschülerin aus Newton Abbot, die nun in Kanada lebt. Für sie, aber auch für andere englischsprechende Zuschauer, untertitle ich die Clips auf Englisch sowie auf Italienisch.

Dienen die Clips nur zur Unterhaltung?

Die Clips sind informativ-unterhaltend. Ich bin schon von Lehrerkolleginnen angesprochen worden, ob sie die Filme, in denen es um Weinbau, schwäbische Kultur und Kulturgeschichte geht, für ihren Unterricht verwenden dürfen. Die Filme können von zu Hause aus ganz coronakonform online angesehen werden oder eben im Präsenzunterricht in der Schule.

Frau Held, Stadtführungen sind ja nun wieder erlaubt. Wie werden sie von den Teilnehmern angenommen?

Die Zahl der Gäste war beim ersten Sonntagsspaziergang, der erlaubt wurde, eher verhalten. Aber das war ja erst der Auftakt nach der langen coronabedingten Zwangspause. Die Zahl der Teilnehmer beim Sonntagsausflug ist aber schon immer unterschiedlich gewesen, mal waren etwa fünf, mal waren 15 dabei. Das hing immer auch ein wenig davon ab, was an Kulturellem sonst noch geboten war. Ich finde es aber sehr wichtig, dass Besigheim diese regelmäßigen Spaziergänge im Programm hat, so können wir Gästeführer die Stadt und ihre schönen Seiten präsentieren. Auch am zweiten Sonntag waren die Teilnehmer, dieses Mal eine Gruppe aus Berlin, sehr am Hintergrundwissen interessiert. Das freut mich jedes Mal, denn ich komme sehr gern mit den Leuten ins Gespräch.

Gibt es vermehrt Anfragen von Einheimischen, die ihre Stadt und Umgebung besser kennenlernen wollen?

Am ersten Termin waren tatsächlich nur Besigheimer da. Sie kannten aber die Stadtgeschichte nur oberflächlich und wollten durch ihren Besuch mehr erfahren. Es war ein sehr unterhaltsamer Spaziergang. Bei den Weinerlebnisführungen ist der Radius größer. Da kommen die Gäste auch aus Stuttgart, Heilbronn oder sogar von der Schwäbischen Alb. Für Oktober habe ich bereits diverse Buchungen aus anderen Bundesländern.

Welche Auswirkungen hat die Corona-pandemie auf die Führungen? Was müssen Sie beachten?

Die wichtigste Änderung ist, dass die Interessierten jetzt nicht mehr spontan sonntags um 11 Uhr zum Treffpunkt kommen können, sondern im Vorfeld an der Bürgerinfo im Rathaus buchen, ihre Daten hinterlassen und bezahlen müssen. Wenn wir nicht mehr in bar kassieren, lässt sich die räumliche Distanz zwischen Gästen und Stadtführer besser wahren. Doch Abstand zu halten, ist für die Teilnehmer nicht immer so einfach. Je schlechter jemand hört, desto stärker die Tendenz, näher zu rücken. Ich habe aber schon immer darauf geachtet, beim Reden den Gästen zugewandt zu sein, damit sie das ein oder andere auch vom Mund ablesen können. Als Weinerlebnisführerin muss ich ebenfalls die Daten der Teilnehmer erfassen. Dies ist zwar ein zwingender, dennoch ein organisatorischer Mehraufwand. Und der ist nicht zu unterschätzen.

Können bestimmte Angebote momentan gar nicht mehr stattfinden? Wenn ja, welche?

Die Besteigung des Waldhornturms muss aus bekannten Gründen, die der Coronapandemie geschuldet sind, derzeit leider entfallen. Der dortige Treppenaufgang ist viel zu eng. Die Organisation und Logistik der Weinerlebnisführungen ist aufgrund der Abstands- und Hygieneregelungen – wobei wir schon immer auf Hygiene geachtet haben – höher. Alles muss nach einem Plan ablaufen. Wir achten darauf, dass die Leute nicht ins Drängeln kommen und packen beispielsweise Brezeln oder Blätterteigschnecken in Papiertüten. Gläser dürfen nicht noch mal befüllt werden. Möchte jemand noch was trinken, bekommt er ein frisches Glas.

Info: Die Filme über Weinbau und Weinberg sowie die Dorfgeschichten sind unter dem Suchbegriff „Youtube Katrin Held“ im Internet zu finden.

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