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Wohnheim

Ein Leuchtturm in Ludwigsburg

Das Projekt Manara bringt Studenten und Geflüchtete in Wohngemeinschaften auf der Karlshöhe zusammen

Das Manara-Wohnheim auf der Karlshöhe ist offiziell eröffnet. Foto: Wolschendorf
Das Manara-Wohnheim auf der Karlshöhe ist offiziell eröffnet. Foto: Wolschendorf

Ludwigsburg. Etwas unangenehm ist es Yerro Kanteh, sein Zimmer zu zeigen. „Ich habe gar nicht aufgeräumt“, sagt er verlegen, bevor er beim Eintritt in sein kleines Reich schnell die größten Unordentlichkeiten beseitigt. Kurz darauf freut er sich sichtlich, über sein neues Zuhause zu sprechen. „Hier ist es viel schöner“, sagt er über seine Wohnung im Wohnprojekt Manara, das gestern offiziell auf der Karlshöhe eröffnet wurde. 31 Geflüchtete wohnen im inklusiven Wohnheim Manara zusammen mit 14 Studenten des Studienwohnheims der Stiftung der Karlshöhe.

Auch Kanteh ist hier untergekommen. Mit einem breiten Grinsen zeigt er die geräumige, moderne Küche in seiner Fünfer-Wohngruppe, die sich der 21-Jährige mit drei Studenten und einem weiteren Geflüchteten teilt. Zuvor hatte Kanteh in einer anderen Wohngruppe und später in einem Appartement gewohnt.

Großes Lob für das Pionierprojekt

„Eine herausragende Idee“, schwärmt der erste Bürgermeister der Stadt, Konrad Seigfried, bei der gestrigen Eröffnung des Wohnheims über das Projekt. „Alltagsnahe Begegnungen und einen Austausch auf Augenhöhe“, erhofft sich Seigfried von dem Projekt, das alleine wegen seines Namens Manara (arabisch für Leuchtturm) als Leuchtturmprojekt bezeichnet werden kann. „Das ist das einzige Projekt dieser Art“, erzählt Philipp Ziegler, Geschäftsbereichsleiter Kinder- und Jugendhilfe bei der Karlshöhe Ludwigsburg, „deshalb auch der Name Manara“.

„Spannend“ findet auch Miriam Goll das Wohnprojekt. Die 23-jährige Studentin der Religionspädagogik ist vor kurzem in eine der Wohngruppen eingezogen. „Gerade am Anfang waren es noch eher Zweckgemeinschaften“, blickt sie zurück, „wenn wir uns aber nun begegnen, gibt es schon gute Gespräche über ganz alltägliche Dinge“.

Seit einigen Wochen ist das Gebäude in der Cube-Holzbauweise komplett bezogen. In dieser Zeit lernten die neuen Mitbewohner auch schon die teilweise außergewöhnlichen Gewohnheiten anderer Kulturen kennen. „Mein Mitbewohner kocht sehr ausführlich, und manchmal habe ich das Gefühl, die Geflüchteten sind etwas länger wach und kochen dann auch nachts um zwei Uhr noch“, erzählt Goll über kleinere Ungereimtheiten. Ansonsten, das bestätigt auch Kanteh, funktioniert das Projekt bislang ohne Probleme. „Alle sind freundlich zueinander“, sagt der junge Mann aus Guinea, der seit 2014 in Deutschland lebt und in seinem zweiten Lehrjahr als Fensterbauer arbeitet.

Und sollte es doch zu gröberen Reibungen oder Anliegen kommen, hat das Wohnheim vorgesorgt. „Es gibt eine Anlaufstelle im Haus, die dann aufgesucht werden kann“, erklärt Ziegler von der Kinder- und Jugendhilfe der Karlshöhe.

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