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Ein Musterbeispiel für Denkmalschutz

Auswärtige Gästeführer informieren sich über die Besonderheiten des Besigheimer Fachwerks.

Ludwigsburg. Zehn Gästeführer aus Bietigheim-Bissingen, Schorndorf und Calw ließen sich am Samstag von Architekt Kurt-Christian Ehinger zeigen, was das Geheimnis des Besigheimer Fachwerks ist. Im vergangenen Herbst wurden die Touristenführer von Ehinger im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte geschult. Dieses Seminar war jedoch sehr theoretisch. „Da kam ich auf die Idee, dass man das anhand von Besigheim praktisch zeigen könnte“, sagte Ehinger. Ein guter Anlass war dafür der „Tag des Fachwerks“.

Vor allem in der Besigheimer Vorstadt gebe es noch sehr viele Fachwerk-Relikte. Viele Häuser dort seien nicht so stark saniert worden wie diejenigen im Kernort. Daher könne man viel von der Bauweise und diversen Umgestaltungen erkennen. Vor allem die Giebel seien stilprägend gewesen. „Man wollte sich zeigen“, so Ehinger. Viele der Häuser sind modular gebaut – das erste Stockwerk war aus Stein und darauf wurden bis zu drei Stufen aus Fachwerk gesetzt. Generell treffe in Besigheim Gotik auf Renaissance. Während das Rathaus selbst noch nach seiner Sanierung 1977 sehr stark gotische Strömungen erkennen lasse, gebe es vor allem in der Kirchstraße moderne Renaissance-Ausprägungen. „Speziell die Mischformen davon sind beeindruckend“, so Ehinger.

Gegenüber vom Pulverturm in der Vorstadt ist mit dem Wengerterhaus ein besonders schönes Exemplar erhalten. Das Fachwerk wurde hier nur verzapft, also ineinander gesteckt. „Aber da sind doch auch Nägel“, wunderte sich ein Gast aus Calw. Ehinger erläuterte, dass es sich dabei nur um Sicherheitsnägel handele. An anderen Stellen in Besigheim spielt der Nagel jedoch die Hauptrolle.

Zur Enttäuschung der Besucher war die Alte Kelter geschlossen. Allerdings lässt sich von außen gut in den großen Saal hineinschauen. Ehinger erläuterte den Kampf mit dem Denkmalamt, der beim Umbau stattgefunden hatte. Das Fachwerk wurde dort nach oben versetzt, da sonst die Pfeiler einer Nutzung als Veranstaltungsort im Wege gestanden hätten. „Hier wird bestens der pragmatische Denkmalschutz eingesetzt“, lobte Ehinger.

Als früherer Stadtbaumeister in Waiblingen kennt er die Diskussionen, die eine Kommune führen muss, um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Einklang zu bringen. Dies sei, so der Experte, im Besigheimer Rathaus ebenfalls sehr gut gelungen. Dass Gebäude nicht alleine erstellt werden, sahen die Besucher beim Dreigiebelhaus. Der erste Giebel ist exakt in der gotischen Struktur gehalten, wie das Rathaus. Die beiden anderen, die danach gebaut wurden, folgen stilistisch anderen Moden.

Nach der Mittagspause ging es für die Gästeführer in Bietigheim weiter.