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Ein Piks für ein Stück Freiheit

Punkt 9 Uhr fiel am Mittwoch der Startschuss für das mobile Impfen an weiterführenden Schulen im Landkreis Ludwigsburg. Zwei Teams der Kreisimpfzentren verabreichten in Bietigheim-Bissingen etlichen Schülern ab zwölf Jahren eine Corona-Schutzimpfung. Der große Ansturm auf die Dosis des Herstellers Biontech blieb allerdings aus.

Die 14-jährige Yohna Gougousidis hat die Impfaktion in der Waldschule besucht und freut sich über ihren Stempel im Impfbuch. Fotos: Ramona Theiss
Die 14-jährige Yohna Gougousidis hat die Impfaktion in der Waldschule besucht und freut sich über ihren Stempel im Impfbuch. Foto: Ramona Theiss
Realschülerin Mia Reiter (15) erhofft sich mit dem Impfschutz ein normales Leben.
Realschülerin Mia Reiter (15) erhofft sich mit dem Impfschutz ein normales Leben.

Bietigheim-Bissingen. Erleichtert sitzt die 14-jährige Yohna Gougousidis neben ihrer Mutter, die sie zum Impftermin in die Mensa der Waldschule begleitet hat. Der Piks gehört der Vergangenheit an, das Vakzin ist im Körper und der Stempel im Impfbuch. Yohna ist eine von nur 46 Schülerinnen und Schülern, die ihm Zuge der an diesem Mittwoch angelaufenen mobilen Impfaktionen des Landkreises gegen das Coronavirus geimpft wurden. „Ich habe mir vorher schon ein paar Gedanken gemacht, ob ich in ein paar Jahren vielleicht Nebenwirkungen verspüren werde“, räumt die Schülerin einige Zweifel ein, die sie im Vorfeld beschlichen. Doch nachdem ihre ganze Familie bereits über einen Impfschutz verfügt, sei sie jetzt doch froh, von ihren Eltern motiviert worden zu sein.

Rund 170 Schüler ab zwölf Jahren gehen zur Waldschule und hätten sich dort gestern ebenso impfen lassen können wie die gleichaltrigen Schüler der benachbarten Realschule Bissingen. Aber: „In manchen Familien wird das Thema noch diskutiert, und manche Schüler gehen zum Kinderarzt oder ins Kreisimpfzentrum“, sucht Schuleiter Markus Nutz nach Gründen für die geringe Resonanz. Auch Sprachprobleme in manchen Familien könnten dazu beigetragen haben, vermutet er. Dennoch lobt er die Aktion: „Es ist wichtig, beim Impfen am Ball zu bleiben.“

Das sieht auch sein Kollege Claus Stöckle von der Realschule im Aurain so. Dort war zeitgleich ein zweites Impfteam im Einsatz, um interessierten Schülern der Realschule und der Schule im Sand das Vakzin zu verabreichen. „Ich bin ein absoluter Befürworter dieses niederschwelligen Angebots“, sagt Stöckle im Gespräch mit unserer Zeitung. Jeder geimpfte Schüler sei wichtig, um die Schulen offen halten zu können. Realschülerin Mia Reiter (15) steht derweil mit ihrer Mutter Stefanie in der Schlange und wartet auf ihren Piks. „Ich habe Respekt vor der Krankheit und möchte wieder normal leben“, begründet sie die Entscheidung, sich gegen Corona impfen zu lassen. Ihre Mutter betrachtet die Impfung für Kinder und Jugendliche in diesem Alter mit Skepsis. „Ich bin der Meinung, dass sich die Erwachsenen impfen lassen sollten, damit das die Kinder nicht müssen“, sagt sie. Eigentlich wollte sie ihre Tochter bei der Kinderärztin impfen lassen, doch das sei erst ab 1. Oktober möglich, wenn die Kreisimpfzentren geschlossen haben. Also hat sie ihre Tochter gestern zur Aktion in der Halle im Aurain begleitet.

Auch Sandra Jung hat ihren 15-jährigen Sohn Jona begleitet. Sie hat die Empfehlung der Ständigen Impfkommission abgewartet und dann bei ihrem Sohn für die Impfung geworben. Der sieht es ganz gelassen. Ihm ist es im Grunde egal, ob der Impfstoff in seinem Körper ist oder nicht. Doch ein Argument hat ihm die Entscheidung dann doch noch schmackhaft gemacht: „Die Impfung gibt mir wieder ein Stück Freiheit zurück.“

Anfang nächster Woche wäre ein mobiles Impfteam eigentlich auch nach Möglingen in die Hanfbachschule gekommen. Doch Schulleiter Eberhard Schober hat die Aktion wieder abgesagt und führt dafür gleich mehrere Gründe an. So sei der bürokratische Aufwand in der kurzen Zeit zu aufwendig gewesen. Zudem sei es jedem möglich, sich beim Hausarzt nicht nur den zweiten, sondern gleich den ersten Piks abzuholen. Und genau da liegt für Schober die Krux: „Entscheidend ist, dass das mobile Impfteam nur einmal kommt. Um den zweiten Termin müssen sich die Familien selbst kümmern – da gehen eventuell zu viele Schüler durch die Lappen“, befürchtet er. Auch Markus Nutz von der Waldschule macht sich für einen zweiten Termin an den Schulen stark.

Den kann es möglicherweise sogar geben. Zwar schließen die Kreisimpfzentren Ende des Monats und können somit keine Zweitimpfung mehr vor Ort anbieten. Doch das Landratsamt Ludwigsburg setzt sich dafür ein, dass das Mobile Impfteam aus Stuttgart die Zweitimpfungen an den Schulen übernimmt. Dies teilt Pressereferent Dr. Andreas Fritz auf Anfrage unserer Zeitung mit. Außerdem plane das Medizinische Versorgungszentrum Dr. Kolepke und Kollegen in Ludwigsburg, ein eigenes Impfteam vorzuhalten, um individuelle Schwerpunktimpfungen an unterschiedlichen Orten durchzuführen.

Info: Dies sind die nächsten Stationen der mobilen Impfteams des Kreises: „Im Ellental“ in Bietigheim-Bissingen (heute), Carl-Schaefer-Schule Ludwigsburg (21. September), Schulcampus Am Römerhügel Ludwigsburg (22. September), Berufsschulzentrum Bietigheim-Bissingen (23. September), Realschule Tamm (24. September), Schule auf dem Laiern in Kirchheim (24. September).

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