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Ein Schiff ersetzt 150 Lastwagen

Linke Schleusenkammer in Aldingen nach Generalsanierung in Betrieb genommen – Verlängerung auf 110 Meter

Die Politprominenz wurde als Erstes durch die Kammer geschleust.Foto: Holm Wolschendorf
Die Politprominenz wurde als Erstes durch die Kammer geschleust. Foto: Holm Wolschendorf

Remseck. Mit viel Politprominenz, Partyzelt und kurzer Schifffahrt mit obligatorischem Scherenschnitt durchs Band ist gestern die linke Schleusenkammer wieder in Betrieb genommen worden.

In mehr als fünf Jahren wurde das etwa 60 Jahre alte Bauwerk instandgesetzt und optimiert. Der Bund investierte immerhin 25,5 Millionen Euro. „Das stärkt die Bundeswasserstraße Neckar und auch die Sicherheit der Schifffahrt“, betonte Hans-Josef Loerls, Leiter der Abteilung Wasserstraßen der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt. Über den Neckar sei der Raum Esslingen und Stuttgart mit dem Rhein verbunden und damit im Verlauf auch mit der Ostsee.

Wasserstraßen sind, wie auch Bundestagskandidat und Generalsekretär beim BMVI Steffen Bilger betonte, wichtige Handelswege und ein „Wohlstandsgarant“. Mit der Wasserschifffahrt könne man die Straßen entlasten. „Ein Schiff kann 150 Lastwagen ersetzen.“ Eine Aussage, die auch Dirk Schöneberger, Oberbürgermeister der staugeplagten Stadt Remseck entzückt. „Die 110 Meter Länge der Schleuse jetzt kann aber nur ein Zwischenschritt sein, es müssen die 135 Meter kommen, damit ein Schiff von Rotterdam bis nach Plochingen fahren kann“, forderte er.

Beim Ausbau der kombinierten Verkehre sei die Wasserstraße ein bedeutender Verkehrsträger, betonte auch Elke Zimmer, Staatssekretärin im baden-württembergischen Verkehrsministerium. Man brauche diese auch, um die Klimaschutzziele möglichst schnell zu erreichen. „Wir wollen den Verkehr von der Straße holen und auf die Schiene oder auf das Wasser bringen. Dazu müssen wir aber noch schneller werden.“

Es seien aber erhebliche Investitionen nötig, um die Schleusen und Wehre zu sanieren. Die Sanierung der linken Schleusenkammer war technisch anspruchsvoll. Auftragnehmer und Auftraggeber mussten erst Erfahrungen für künftige Projekte sammeln, begründete Walter Braun, Leiter des Wasserschifffahrtsamts Neckar, warum die Bauarbeiten etwas länger dauerten. Aldingen ist die erste Schleuse, die so umfassend saniert wird. Zwar seien alle Schleusen nach dem gleichen Prinzip geplant, aber mit jeder neuen Schleuse habe man aus den Fehlern der vorhergehenden gelernt, so dass nun jede Schleuse ein Unikat sei, so Braun.

Die Antriebsteile in Aldingen seien alt gewesen, die Stahlt- und Wasserbauteile seien in die Jahre gekommen, die Tore klapperten und brummten. Die Technik war veraltet, auch der Beton hatte Schäden. Immerhin konnte die Schleuse zudem so verlängert werden, dass Schiffe mit 110 Metern Länge darin Platz finden. Was aber leider nicht so viel bringt, wie Walter Braun bedauert, da die Schleusen weiter unten immer noch 105 Meter lang sind. Erneuert wurde außerdem der Vorhafen.

In Remseck hat der Neckar gleich mehrere Aspekte: Die Energiegewinnung durch die Wasserkraftwerke in Aldingen und Neckarrems, das Hochwassermanagement bei Starkregen, indem sicher gestellt wird, dass die beiden Scheitelpunkte von Rems und Neckar nicht gleichzeitig ankommen, und die Funktion als Bundeswasserstraße. Über die Schleuse Aldingen werden jedes Jahr mehr als 1,5 Millionen Gütertonnen transportiert. Hinzu kommen Containertransporte von durchschnittlich mehr als 20000 Standardcontainern. Die Schleuse Aldingen ist mit fünf Personen in Wechselschicht besetzt und wird montags bis samstags von 6 bis 22 Uhr betrieben, sonntags von 8 bis 16 Uhr. Nicht vergessen dürfe man aber auch, so Benjamin Heemeier, Leiter des Referats Gewässer im Regierungspräsidium Stuttgart, „das Erlebnis Neckar“ mit ökologisch wichtigen Rückzugsräumen wie den Zugwiesen oder auch den Erholungsräumen an den Neckarstränden Remseck oder Marbach.

Bilger will die Sanierung der Aldinger Schleuse auch als Signal für einen kontinuierlichen Ausbau verstanden wissen, immerhin gibt es zwischen Mannheim und Plochingen 27 Neckarstaustufen. „Wir wollen den Neckar robust und zukunftsfähig machen“, betonte er. Als nächstes soll in den kommenden Monaten die linke Schleusenkammer in Lauffen wieder in Betrieb genommen werden.

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