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Ein Stein gewordener Kompromiss

Kaum ein Projekt war so umstritten wie der Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses als Humboldt-Forum, nun ist es fertig

Das Lokale ist von dem Globalen kaum zu trennen: Das Humboldt-Forum in Berlin hat nun offiziell und vollständig eröffnet. Fotos: Rolf Zoellner/epd
Das Lokale ist von dem Globalen kaum zu trennen: Das Humboldt-Forum in Berlin hat nun offiziell und vollständig eröffnet. Foto: Rolf Zoellner/epd
Das Lokale ist von dem Globalen kaum zu trennen: Das Humboldt-Forum in Berlin hat nun offiziell und vollständig eröffnet. Fotos: Rolf Zoellner/epd
Das Lokale ist von dem Globalen kaum zu trennen: Das Humboldt-Forum in Berlin hat nun offiziell und vollständig eröffnet. Foto: Rolf Zoellner/epd
Das Lokale ist von dem Globalen kaum zu trennen: Das Humboldt-Forum in Berlin hat nun offiziell und vollständig eröffnet. Fotos: Rolf Zoellner/epd
Das Lokale ist von dem Globalen kaum zu trennen: Das Humboldt-Forum in Berlin hat nun offiziell und vollständig eröffnet. Foto: Rolf Zoellner/epd
Das Lokale ist von dem Globalen kaum zu trennen: Das Humboldt-Forum in Berlin hat nun offiziell und vollständig eröffnet. Fotos: Rolf Zoellner/epd
Das Lokale ist von dem Globalen kaum zu trennen: Das Humboldt-Forum in Berlin hat nun offiziell und vollständig eröffnet. Foto: Rolf Zoellner/epd

Berlin. Kaiser Wilhelm ist auch wieder da. Mit stolzem Blick und ordensgeschmückter Brust blickt er auf den Besucher. So gehört sich das wohl für den einstigen Hausherrn des Hohenzollern-Schlosses mitten in Berlin, wenn sein architektonisches Ausrufezeichen für den Anspruch auf Preußen, Europa und die Welt wiederaufgebaut ist und nun festlich eröffnet wurde. Aber Wilhelm II. steht nicht etwa an einem der Eingangsportale. Sein Bild hängt vielmehr ziemlich versteckt in einer Nische der Ausstellung zur Berliner Stadtgeschichte in der ersten Etage des Schlosses. Es heißt nun Humboldt-Forum. Und Seine Majestät ist darin ein ziemlich unwichtig gewordener Nebenaspekt des Themas „Mode“. Ja, Uniformen wurden in Berlin auch mal getragen, wie man an diesem komischen Typen sieht. Ist lange her. Und der Mann auf dem Bild ist betitelt mit „Ex“. War mal Kaiser. Mit Betonung auf war.

Die Stellung des Kaisers in seinem einstigen Preußen-Palast ist geringer als der Stellenwert, den Schau und Raum der Zwischennutzung des Areals als Erich Honeckers Palast der Republik einräumen. Lampen aus „Erichs Lampenladen“ finden sich an mehreren Stellen, in riesigen Panoramaformaten werden die 70er Jahre in Bars und Volkskammer lebendig, als der Palast der Republik eine moderne, weltoffene DDR präsentieren sollte. Insofern ist der Wiederaufbau des Stadtschlosses nicht die Entfernung der DDR aus der deutschen Geschichte und ihre Ersetzung durch die historische Preußenkulisse vor Krieg und Teilung. Es ist im Innern der Kompromiss, der auch das Äußere prägt. Nord-, Süd- und Westfassade bilden die Rekonstruktion des Barock-Schlosses einschließlich Kuppel und Kreuz, vom Osten ist es die Fassade eines modernen Zweckbaus.

Der italienische Architekt Franco Stella hat diesen Kompromiss Stein werden lassen. Vom Westen komplettiert die barocke Schlossarchitektur das Bild zwischen Museumsinsel, Berliner Dom und Marstall. Vom Osten könnte es ein grundsanierter Palast der Republik sein, der freilich die Etagen-Anmutung des barocken Vorgängers aufgreift. Und wie sieht der Blick von innen aus? Zwei ständig geöffnete Durchgänge nehmen die Besucher in die modernisierte Architekturgeschichte hinein, bieten ihnen im Schlüter-Hof ein wenig mediterranen Flair vor dem prächtigen Eosander-Portal und Raum zum Verweilen. Im Süden fällt beim Rausgehen der Blick auf Rotes Rathaus, Hanns-Eichler-Hochschule, das ehemalige Staatsratsgebäude und das Auswärtige Amt. Im Norden sieht der Passant nach dem Forums-Besuch das Deutsche Historische Museum, das Alte Museum, den Berliner Dom und den Alexanderplatz. Eine West-Ost und Alt-Neu-Anmutung also auch hier.

71 Jahre nach der Sprengung des Schlosses, 14 Jahre nach dem Baubeschluss und sieben Jahre nach dem ersten Spatenstich ist für 700 Millionen (davon über hundert aus Spenden) eine Schlossanmutung als neues kulturelles Zentrum entstanden. Zur Relation der Kosten: Für die Verlängerung der U-Bahn vom Alex unterm Schloss hindurch zum Hauptbahnhof waren 160 Millionen mehr nötig. Kulturstaatsministerin Monika Grütters würdigt das Gebaute bei der Eröffnung als „größtes Kulturprojekt Deutschlands“, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller spricht von einem „großartigen Tag für Berlin“ und einem „neuen Anziehungspunkt“ in der Mitte der Hauptstadt. Und Generalintendant Hartmut Degerloh freut sich auf viele Besucher, mit den en er diesen Ort „zum lebendigen Forum machen“ will.

Vor allem wird das Forum als lebendiger Konflikt wahrgenommen werden, wenn im September die beiden Dauerausstellungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst im zweiten und dritten Obergeschoss eröffnen. Denn die Debatte um den Umgang mit jenen Objekten, die den Kolonialismus spiegeln, hat seit den ersten musealen Überlegungen an Schärfe rapide zugenommen. Die Staatlichen Museen zu Berlin bemühen sich bereits im Vorfeld, die fatale Vergangenheit in eine Gegenwart der Verständigung und Zukunft der Versöhnung zu drehen. Es ist offen, ob ihnen das gelingt oder der Ruf nach Rückgabe stärker wird.

Wie es gelingen kann, die Befürchtung einer schnell verstaubten Stadtgeschichte zu verscheuchen, zeigt jedenfalls schon einmal die Berlin-Ausstellung im ersten Obergeschoss. Die andernorts oft anzutreffende Aneinanderreihung von erster urkundlicher Erwähnung über Kriege im Mittelalter bis zu den berühmten Töchtern und Söhnen der Stadt haben die Gestalter von „Berlin global“ gründlich geknickt. Sie haben die Provinzbrille abgelegt und sind stattdessen dem Konzept gefolgt, wonach das Lokale vom Globalen bestimmt wird und das Globale nur durch das Lokale verständlich wird.

Schon wenige Stunden reichen, um mit vielen neuen Bildern, mehr Wissen und interessanten Ideen das Humboldt-Forum zu verlassen. Zusammen sagen sie: mehr davon.

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