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Ein Weingut mitten im Weinberg?

Ein Weingut mit Kelter, Degustation und Winzerwohnung – eine zunächst idyllisch klingende Bauvoranfrage hat im Technischen Ausschuss zu einer Kontroverse geführt. Neben den Erschließungskosten für das Flurstück am Großbottwarer Harzberg sorgten sich Stadträte um Landschaftsbild und Verkehrszunahme.

Das Weingut Bruker will hier am Großbottwarer Harzberg, einen neuen Standort zu errichten. Das kommt nicht überall gut an.Foto: Ramona Theiss
Das Weingut Bruker will hier am Großbottwarer Harzberg, einen neuen Standort zu errichten. Das kommt nicht überall gut an. Foto: Ramona Theiss

Großbottwar. Der südöstlich von Großbottwar gelegene Harzberg ist ein beliebtes Ziel für Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer. Wenn es nach den Plänen des ortsansässigen Weinguts Bruker geht, soll dort im Gewann Friedrichsberg künftig ein Weingut stehen. Unweit des Harzberghäusles könnte dann nicht nur Wein produziert, sondern auch von Gästen probiert werden.

„Ich kann mir gut vorstellen, dass das da hinpasst. Touristisch ist das nachher super“, begann CDU-Rat Matthias Wien seine Einschätzung. Bedenken hatte er aber hinsichtlich des erhöhten Verkehrsaufkommens durch Besucher und Lieferverkehr. Man müsse sich überlegen, wie weit man die Straße dafür freigebe und ob die Zufahrt zum Weingut von der Straße ober- oder unterhalb erfolgen soll. Auch die Verteilung der Erschließungskosten wollte er klar geregelt sehen. „Das Weingut steht uns sicher gut zu Gesicht“, stimmte Oliver Hartstang (SPD) ein, immerhin bezeichne sich Großbottwar ja als Weinort im Bottwartal. Er machte sich aber wegen der Trinkwasserversorgung Gedanken.

Denn hinsichtlich Trink- und Abwasser hatte das Verbandsbauamt Großbottwar das Vorhaben bereits geprüft. Demnach könnten sich bei einer langen Einzelleitung Keime bilden, wenn nicht regelmäßig ausreichend Wasser entnommen wird. Auch der große Höhenunterschied könnte Schwierigkeiten machen: Das Weingut würde in etwa so hoch wie der Wasserhochbehälter der Stadt liegen. Um die Versorgung zu gewährleisten, könnte eine Druckerhöhungsanlage erforderlich sein. Ein Erschließungsvertrag mit der Stadt soll sicherstellen, dass der Bauherr alle diese Kosten vollständig trägt. In der Sitzung wurde das um die Straßenveränderungen ergänzt, die nötig sein könnten.

Bürgermeister Ralf Zimmermann betonte, dass es sich erst um eine Bauvoranfrage handle. Auch wenn die Räte wie von der Verwaltung vorgeschlagen zustimmten, müsse das Landratsamt erst noch eine Privilegierung des Landwirts feststellen. Das ist erforderlich, um ein solches Vorhaben im Außenbereich einer Kommune umsetzen zu dürfen. In der Vergangenheit habe die Behörde dies äußerst restriktiv gehandhabt, so Ralf Zimmermann.

Dennoch ließ es sich Stadtrat Markus Brosi (FBWV) nicht nehmen, deutliche Bedenken zum Ausdruck zu bringen. Ein Weingut passe an diesem Platz überhaupt nicht ins Landschaftsbild: „Ich habe den Mut, das so zu sagen.“ Wenn man dem zustimme, öffne man Tür und Tor für andere Maßnahmen im Wengert. Was der eine habe, müsse der andere dann auch dürfen. Zusätzlich zu den vielen Wanderern und Radlern am Wochenende könne er sich diesen Betrieb nicht vorstellen. Auch verwies Markus Brosi auf die Nähe zum Wald und befürchtete Konflikte mit der Arbeit im Wengert, etwa beim Spritzen.

Seine Fraktionskollegin Manuela Sommer, die in der Sitzung Friedrich Link vertrat, war ebenfalls „völlig dagegen“. Sie befürchtete, dass sich alle in die Quere kommen: Andere Winzer mit bereits etablierten Veranstaltungen, Bauern mit Mähdreschern, der Wildwechsel. Wer dort oben schon einmal war, wisse, wie viel los sei. „Man muss jetzt schon aufpassen, dass man sein Kind rechtzeitig auf die Seite bringt“, so die FBWV-Rätin. Sie verwies auf weitere mögliche Kosten für die Stadt. So müsse etwa der Winterdienst weiter als bisher fahren. Angelika Maier (SPD) warf ein, dass sie die Entscheidung des Landratsamts abwarten würde. Doch das war Manuela Sommer zu vage: „Wenn man nichts dazu sagt, ist das auch nichts.“

Entsprechend knapp fiel am Ende die Entscheidung aus: Fünf Ja-Stimmen, vier Gegenstimmen und eine Enthaltung.

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