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Eine besondere Schatzsuche

Neue Trendsportart entwickelt sich – Gewichtige Funde in Neckar, Enz und Metter – Vorsicht bei Munition

Eine Gruppe der Magnetangler präsentiert stolz ihre Beute aus Enz und Metter. Foto: Alfred Drossel
Eine Gruppe der Magnetangler präsentiert stolz ihre Beute aus Enz und Metter. Foto: Alfred Drossel

kreis ludwigsburg. Münzen, Metallteile, Fahrräder oder Tresore: Magnetangeln erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Im Land gibt es mehrere Gruppen. Markus Kronenwett aus Oberstenfeld gehört mit seinen Söhnen Leon (13) und Joel (11) so einer Gruppe an, die in ihrer Freizeit im ganzen Land unterwegs ist, um aus Flüssen „Schätze“ zu bergen.

Mit einem extrem starken Magneten, der an einem Seil befestigt ist, versuchen die „Schatzsucher“ allerlei Wertvolles aus den Gewässern zu fischen. Teilweise wird auch versucht, sehr große Gegenstände wie Tresore oder Geldautomaten aus dem See- oder Flussbett an Land zu hieven. Doch dafür werde ein Kranwagen oder andere Maschinen benötigt. Das sei aber eher selten, sagt Kronenwett.

Bei der Auswahl des Magneten ist die Leistung ein zentrales Kriterium. Magnete, wie sie an Kühlschränken, Pinnwänden oder Fliegengittern zum Einsatz kommen, sind wenig geeignet, um schwere Gegenstände aus dem Wasser zu ziehen. Stattdessen kommen beim Magnetangeln sogenannte Neodym-Magnete zum Einsatz. Diese werden auch Super- oder Bergemagneten genannt und sind in der Lage, einige Hundert Kilo hinter sich her zu ziehen.

Die Magnetangler ziehen viele Blicke auf sich, wenn sie mitten in der Stadt auf Brücken und Stegen stehen, wie am Samstag in Bietigheim, um ihre „Angeln“ auszuwerfen. „Wir werden dabei immer wieder gefragt, ob das denn erlaubt sei, sagt Markus Kronenwett. Grundsätzlich sei das Magnetfischen in Deutschland nicht verboten. In einigen Bundesländern gelten besondere Regelungen. In Baden-Württemberg ist dieser Sport grundsätzlich erlaubt. In Einzellfällen bedürfe es aber einer Anmeldung bei der zuständigen Kommune, sagt Kronenwett.

Städte und Gemeinden seien aber froh, wenn der Schott aus dem Wasser geholt werde. Das ist manchmal eine ganze Menge. „Wir haben schon an einem einzigen Tag 240 Kilogramm geangelt“, berichtet Pia Hein aus Böblingen, die ebenfalls zur Gruppe gehört.

Es gebe aber mehrere Orte, an denen beim Magnetangeln besondere Vorsicht geboten sei, sagt Kronenwett. Dazu gehörten solche, an denen viele Menschen unterwegs sind – über oder unter Wasser. Auch potenzielle Hindernisse beziehungsweise Gegenstände, an denen sich Seil und Magnet verfangen könnten, seien ein guter Grund, sich nach einem anderen Ort umzusehen. Schließlich gebe es Gewässer, an denen Angeln jeglicher Art aus Naturschutzgründen nicht gestattet sei oder die sich in Privatbesitz befänden.

Da sich in den Flüssen und Bächen jedoch auch eine Vielzahl an alten Waffen befindet, kann das Freizeitvergnügen schnell lebensgefährlich werden. Handgranaten, Sprenggranaten oder Handfeuerwaffen wurden insbesondere nach Ende des Zweiten Weltkrieges von Soldaten unterschiedlicher Nationalitäten in den Gewässern entsorgt. Diese Waffen sind teilweise noch scharf oder entsichert, wie Funde in der Vergangenheit bewiesen haben. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst warnt daher ausdrücklich vor dem Magnetangeln.

Markus Kronenwett sieht bei diesem Hobby auch den Umweltgedanken. „Wir säubern Gewässer und entsorgen den Schrott. Und Spaß macht die Sache auch.“ Der Clou ist auch der Überraschungseffekt. „Schließlich wissen wir beim Magnetfischen nie, was wir aus dem Wasser holen“, sagt Kronenwett.

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