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„Eine schöne Woche Aktivurlaub“

Die künstlerische Bilanz kann sich sehen lassen: Birgit Rehfeld und..... Fotos: Helmut Anton Pangerl
Die künstlerische Bilanz kann sich sehen lassen: Birgit Rehfeld und..... Fotos: Helmut Anton Pangerl
Die künstlerische Bilanz kann sich sehen lassen: ...Till Failmezger mit ihren Arbeiten. Fotos: Helmut Anton Pangerl
Die künstlerische Bilanz kann sich sehen lassen: ...Till Failmezger mit ihren Arbeiten. Fotos: Helmut Anton Pangerl
Mit einer Finissage geht das Bildhauersymposium mit Birgit Rehfeldt, Till Failmezger und Christoph Traub an der Rielingshäuser Kelter zu Ende. Wie haben die Künstler die Woche erlebt?

Marbach. „Es war eine schöne Woche Aktivurlaub“, sagt Till Failmezger über seine Teilnahme am Bildhauersymposium im Marbacher Stadtteil Rielingshausen. Am Montag hatte der Pleidelsheimer Steinbildhauer sein temporäres Atelier vor der dortigen Kelter eingerichtet, genau wie Christoph Traub und Birgit Rehfeldt. Eine Woche lang arbeiteten sie hier, teils im Schatten der historischen Bergkelter, teils mit Sonnenschirmen geschützt, bei hochsommerlichen Temperaturen unter freiem Himmel – und dem ausgesprochen interessierten Blick der Öffentlichkeit.

„Es sind so viele Leute gekommen“, freut sich Rehfeldt, deren am Neckar liegendes, beim Bildhauersymposium 2011 entstandenes „Mondboot“ mancher kennen könnte, über die große Resonanz. Dass es die erste derartige Aktion in Rielingshausen war, habe man deutlich gespürt, sagt die Holzbildhauerin aus Ostfildern: „Es hat die Leute wirklich aufmerksam gemacht – und das war für uns natürlich ideal.“ Auch von außerhalb seien viele gezielt gekommen. Die Atmosphäre bezeichnet sie als „ausgesprochen würdevoll“, die Arbeitsbedingungen als „paradiesisch“, wozu auch die fürsorgliche Betreuung durch den Kultur- und Heimatverein Rielingshausen beigetragen habe. Und nicht zuletzt die rührige Monika Schreiber, die das Bildhauersymposium seit langen Jahren als Galeristin der Wendelinskapelle in Zusammenarbeit mit der Stadt Marbach organisiert. Im Rückblick liege eine „schöne, konzentrierte Arbeitswoche“ hinter ihr, so Rehfeldt. Statt Mails zu beantworten habe man gute, intensive Gespräche geführt.

Die künstlerische Bilanz kann sich in allen drei Fällen sehen lassen. Rußschwarz ruht der massive, geschnitzte Elektrostecker von Birgit Rehfeldt auf einem grauen Sockel, vorn ragen in hellem Holz die beiden Kontaktstifte hervor. „Anschluss“ ist der hintersinnige Titel dieser Arbeit, denn das diesjährige Bildhauersymposium steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der 50-Jahr-Feier zur Eingemeindung von Rielingshausen. Die konkrete Form entstehe stets im Dialog mit dem Material, so Rehfeldt. Der enorme Umfang des Objekts wurde durch den Durchmesser des massigen Zedernstamms definiert, den sie hier bearbeitet hat: „Da bin ich voll schwäbisch geworden: No nix verkomme laue“, meint die gebürtige Hanseatin schmunzelnd. Die Oberfläche hat sie abgeflammt und zusätzliche mit gelösten Aschepigmenten behandelt, damit die schwarze Wirkung möglichst gleichmäßig und dauerhaft wird. Denn der „Anschluss“ soll, wie die beiden anderen Werke auch, mindestens ein Jahr lang im öffentlichen Raum von Rielingshausen zu sehen sein; Rehfeldts Werk wird vor Ort an der Kelter verbleiben.

Tänzerisch und elegant

„Partnerschaft“ hat Failmezger seine nahezu lebensgroße Skulptur zweier menschlicher Figuren benannt. Im Spiel von Positiv und Negativ verbunden, bleiben sie doch ein latent ungleiches Paar, das seine Gegensätze jedoch akzeptiert und freundschaftlich annimmt – so ungefähr dürfte eine Interpretation im Bezug auf das Verhältnis von Marbach und Rielingshausen im Sinne des Urhebers ausfallen. Zwar berge der griechische Marmor, aus dem das Figurenpaar gehauen wurde, als spannungsfreies Umwandlungsgestein kaum Überraschungen. Dennoch habe sich der Entwurf im Arbeitsprozess weiterentwickelt und verändert: Eine Drehung des Kopfs und die Diagonale eines angewinkelten Arms bringe Leben in die Situation und Entspanntheit zum Ausdruck, meint Failmezger, dessen Kunstwerk prominent am Ortsausgang Richtung Aspach platziert werden soll.

Tänzerisch und elegant ragt Christoph Traubs Stele „Aufbruch“ empor. Der Schorndorfer Künstler, der zum Zeitpunkt der gut besuchten Finissage bereits im Zug nach Dresden sitzen musste, wo er einen Workshop leitet, hat dem schwedischem Wanga-Gneiß mit rotierenden Werkzeugen wie Schleifern und Flex eine schlanke, organisch gewundene Form abgerungen, die sich nach einem Bruch im oberen Bereich anders, aber ähnlich, annähernd spiegelverkehrt fortsetzt. Manche Kanten des rötlich-schwarzen Granitgesteins hat Traub roh belassen, angeschnittene Bohrlöcher sind stehen geblieben, andere Oberflächen wurden poliert. Hierfür sei ein Standort vor dem Friedhof ins Auge gefasst, so Schreiber.