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Eine Scully-Schau zum Start im Sommer

Im „Kunstwerk“ widmet sich Sammlungsleiterin Valeria Waibel derzeit vor allem der Bestandspflege

In ihrem Element: Valeria Waibel bei einer der vielen Führungen im Kunstwerk, die aktuell nicht stattfinden können. Foto: Gregor Schäfer/p
In ihrem Element: Valeria Waibel bei einer der vielen Führungen im Kunstwerk, die aktuell nicht stattfinden können. Foto: Gregor Schäfer/p

Eberdingen. Ist der Rahmen noch in Ordnung? Und der Zustand des Bildes? Steht auch alles dort, wo es hingehört? Fragen dieser Art sind es, die Valeria Waibel, Leiterin des „Kunstwerks“ mit der Sammlung Klein, derzeit mit am meisten umtreiben. Während eine derart ausführliche Betrachtung des mit 3200 Arbeiten nicht gerade kleinen künstlerischen Konvoluts im Eberdinger Depot im Alltag eher die Ausnahme denn die Regel ist, sorgt die Coronapandemie auch hier für Veränderungen. „Ich habe mir das schon oft vorgenommen, jetzt ist es mal möglich“, sagt Valeria Waibel, um schnell zu ergänzen: „Es ist natürlich auch nur eine Notlösung.“ Insgesamt sei die Situation in der Kulturbranche schließlich sehr ernst, viele Künstler seien in ihrer Existenz bedroht. Auch für sie ist es ein schwieriger Alltag: „Im leeren Museum zu arbeiten, ist eine sehr eigenwillige Erfahrung – der persönliche Kontakt fehlt einfach ganz klar.“

Valeria Waibel kennt die herausragende Sammlung von Peter W. Klein sehr gut, dennoch habe sie sicherlich noch nie so viele Arbeiten einzeln in der Hand gehabt wie zuletzt, erklärt sie – und das sei natürlich spannend. Als die Leiterin 2013 ihre Stelle antrat, um die Sammlung zu hüten und regelmäßige Ausstellungen aus dieser heraus, aber auch über Leihgaben zu kuratieren, waren es mit rund 1600 Kunstwerken gerade mal halb so viele. Gar nicht so einfach, da den Überblick zu behalten. Kunstsammler Klein jedoch kenne jede einzelne Arbeit ganz genau, betont sie. Ob sie bereits neue Ideen für eine Präsentation von Teilen der Sammlung hat? Das sei schwer zu sagen, so Waibel. Zumal sie ganz andere Dinge umtreiben. Etwa die Frage, wann im Laufe dieses zweiten Pandemie-Jahres der Betrieb wieder aufgenommen werden kann. Diese quälende Unsicherheit macht ihr täglich zu schaffen: Kann man für die zweite Jahreshälfte überhaupt planen?

Wirkung im Raum ist wichtig

Ende Juni, bei aller Vorsicht, könnte die erste Ausstellung des Jahres beginnen – da im „Kunstwerk“ üblicherweise zwei pro Jahr eröffnet werden, wäre es 2021 auch die einzige. Gezeigt werden sollen Werke von Sean Scully. Peter W. Klein ist dem international beachteten Iren seit Jahren freundschaftlich verbunden und hat einige seiner Arbeiten in seiner Sammlung. Zuletzt wurde Scully 2017 eine Schau gewidmet, gemeinsam mit seiner Ehefrau Liliane Tomasko, die ebenfalls Künstlerin ist. In diesem Jahr sollen viele Leihgaben – darunter eine Skulptur aus Murano-Glas – sowie eine Handvoll noch nie gezeigter Werke aus der Eberdinger Sammlung präsentiert werden. Derzeit laufe noch „das Feintuning, was die Exponate angeht“, sagt Valeria Waibel. Im Gegensatz zu sonst geht die Vorbereitung ruhiger über die Bühne, die Taktung ist nicht so eng. Auch der Katalog wird diesmal nicht ganz so sehr mit heißer Nadel gestrickt werden. Gleichzeitig bleibt die Frage: Was wird überhaupt möglich sein?

Sie und Sammler Peter W. Klein haben manch schmerzhafte Erfahrung machen müssen: Die aktuelle Ausstellung zum Stiftungspreis Fotokunst war nicht lange geöffnet. Eberdinger Leihgaben aus dem Bereich der Aborigine-Kunst waren sorgfältig ausgewählt und nach Berlin verschickt worden, allein: Die dortige Galerie wird sie niemals zeigen, weil die geplante Ausstellung coronabedingt geplatzt ist – sie kehren ungesehen zurück. Das schmerzt. „Es ist enttäuschend für alle, traurig“, so Waibel.

In der Coronakrise haben sich viele Kreative auf das Internet verlagert, aus der Not heraus. Aber gerade Kunst sei online schwer zu vermitteln, findet Waibel, die zwischenzeitig die Taktung des Newsletters erhöhte. „Die Wirkung im Raum ist wichtig, die direkte Begegnung“ – das erhielt sie auch zwischen den beiden Lockdowns als Rückmeldung von den Besuchern im „Kunstwerk“. Umso mehr übt sich die Sammlungsleiterin mit Blick auf das noch junge Jahr 2021 in vorsichtiger Zuversicht.

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