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Eine Stiftung schafft Wohnraum

Eine besondere Kooperation schließt eine Lücke im Ortsbild: Gemeinsam realisieren die Vector Stiftung und die Gemeinde Hemmingen ein Projekt des sozialen Wohnungsbaus. Jetzt erfolgte der symbolische erste Spatenstich.

Symbolischer Spatenstich in der Ortsmitte von Hemmingen: Die Vector Stiftung baut hier ein Mehrfamilienhaus mit preisgünstigen Wohnungen. Foto: Holm Wolschendorf
Symbolischer Spatenstich in der Ortsmitte von Hemmingen: Die Vector Stiftung baut hier ein Mehrfamilienhaus mit preisgünstigen Wohnungen. Foto: Holm Wolschendorf

Hemmingen. Früher standen auf dem Gelände direkt an der Hauptstraße ein altes landwirtschaftliches Gebäude und in zweiter Reihe ein kleines Häuschen, erinnert sich Bürgermeister Thomas Schäfer. Im Zuge der Ortskernsanierung kaufte die Gemeinde das Gelände und brach die Immobilien ab. Das war bereits 2015. Ein Investor, der dort drei Reihenhäuser bauen wollte, sprang jedoch ab. „Also wurde die Gemeinde selbst aktiv und stieg in die Planungen ein, um die Hängepartie zu beenden“, so Schäfer.

Durch Zufall traf Schäfer auf Dr. Helmut Schelling, der mit Martin Litschel und Eberhard Hinderer vor über 30 Jahren die Vector Informatik GmbH mit Stammsitz in Weilimdorf gründete. Das Unternehmen versteht sich als Partner für die Entwicklung von Elektronik im Automobil. An 30 Standorten weltweit unterstützen mittlerweile über 3000 Mitarbeiter Hersteller und Zulieferer der Automobilindustrie und verwandter Branchen mit einer professionellen Plattform aus Werkzeugen, Softwarekomponenten und Dienstleistungen. Als Ausdruck der Dankbarkeit für den erzielten Erfolg riefen die Firmengründe 2011 eine Stiftung ins Leben, von der nun auch Hemminger Bürger profitieren, wie Stiftungs-Vorständin Edith Wolf sagt.

„Wir kamen über den sozialen Wohnungsbau ins Gespräch“, erzählt Thomas Schäfer über sein Gespräch mit Schelling. Ihm sei dabei spontan die Hauptstraße 37 in den Sinn gekommen. Das Konzept stand, die Planung war fertig, die Baugenehmigung so gut wie in trockenen Tüchern, die Zusage einer Landesförderung über 500000 Euro lag auf dem Tisch. Nur fand sich kein Rohbauunternehmen, das sich des Projekts annehmen wollte. Im Nachhinein ein Glücksfall. Denn Schelling horchte auf. Im September 2019 wurde in großer Runde ein Gespräch geführt.

Ziel des Neubaus sei, bezahlbaren Wohnraum zu realisieren und sozial bedürftigen Menschen zur Verfügung zu stellen, sagen die Partner. Nicht nur das stand im Fokus. Auch die Integration der Bewohner in den Alltag sowie die Schaffung neuer Verknüpfungen innerhalb der Gemeinde sollen durch das Engagement der Stiftung sichergestellt werden. „Für die Vector Stiftung ist dieses Projekt eine Herzensangelegenheit“, sagt Martin Litschel.

In der Folge wurden die Konditionen vereinbart und der Gemeinderat stimmte zu. Das Grundstück wurde an die Vector Stiftung verkauft und die Verträge mit Architekten und Fachplanern sowie die Baugenehmigung an sie übertragen. Mit dem Spatenstich jetzt fiel der Startschuss für ein Haus mit sechs Wohneinheiten. Eine Wohnung wird behindertengerecht ausgebaut, zwei seien auch für Wohngemeinschaften geeignet. Insgesamt werden 500 Quadratmeter Wohnraum geschaffen. Zum Beispiel auch für Geflüchtete, die eine Anschlussunterbringung suchen.

Die Stiftung investiert für dieses Projekt rund zwei Millionen Euro. Nach der Fertigstellung mietet die Gemeinde Hemmingen das Haus auf 20 Jahre an und gibt es an Menschen mit Wohnberechtigungsschein weiter. Zu einem Preis, der 30 Prozent unter der ortsüblichen Miete liegt. „Ein Dach über dem Kopf und das zu erschwinglichen Kosten ist ein elementares Grundbedürfnis“, betont Schäfer.

Allerdings wird der gute Wille von temporären Behinderungen im Straßenverkehr begleitet sein. Die Hauptstraße beim kleinen Lebensmittelmarkt wird halbseitig gesperrt. Wer dann in Richtung Eberdingen will, wird über die See- und die Gartenstraße umgeleitet.

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