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Eine Zeitreise durch die Welt des Weins

Matthias Braun berichtet über historische Rebsorten – Die meisten sind heute ausgestorben

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Weinberge in Bietigheim: An der Enz wurden noch im Mittelalter heute völlig unbekannte Rebsorten angebaut. Archivfoto: Bürkle

Ludwigsburg. Matthias Braun aus Hemmingen beschäftigt sich in seiner Freizeit mit historischen Apfel- und Birnensorten, sein Schwerpunkt liegt aber in der Auseinandersetzung mit alten Rebsorten und deren Geschichte seit dem Mittelalter. Er wurde deshalb von der evangelischen Stadtkirchengemeinde Bietigheim und dem Stadtmuseum Hornmoldhaus vor kurzem ins Gemeindehaus im Schwätzgässle eingeladen, um im Rahmen einer Zeitreise über die historischen Rebsorten zu referieren.

Der Ausflug in die historische Welt der Weine begann im Spätmittelalter und natürlich durften auch die Lieblingsweine Martin Luthers, der sogenannte Reinfal oder Renefal und der Malvasier, als sogenannter Ehrwein, dabei nicht fehlen. Spannend wurde es, als Matthias Braun über die Vielzahl der Rebsorten in der damaligen Zeit berichtete und warum diese in Württemberg verbreitet waren. Ebenso wurde geklärt, woher sie kamen, wer sie mitgebracht hat und warum diese verschwunden sind und wer sie wiederentdeckt hat. Gab es Leitsorten, wie den Trollinger heutzutage? Welche Geschichte hat überhaupt der Trollinger und gab es damals bereits einen sortenreinen An- und Ausbau?

Braun erzählte in seinem Vortrag auch von den Rebsorten wie dem „Urban“, dem „Blauen Affenthaler“ und dem „Roten Veltliner“, welche alle bereits im Spätmittelalter in der Gegend, insbesondere auch in Hemmingen und im Strohgäu, angebaut worden seien. Der Rote Veltliner war die Rebe der süddeutschen Lößgebiete und auch unter der Bezeichnung Welscher bekannt. Trotz der Bezeichnung rot wurde aus ihm ein Weißwein gekeltert.

Der Blaue Affenthaler (eine Naturkreuzung aus den Rebsorten Heunisch und Süßschwarz) sei eine reine württembergische Landsorte gewesen und wurde insbesondere im mittleren Neckarraum und an der Enz angebaut. Sie verschwand endgültig mit der Reblauskrise und galt als ausgestorben, bis sie 2004 in Steinheim im Bottwartal und in Kaisersbach bei Backnang wiederentdeckt worden ist.

Die Rebsorte Urban (früher bekannt als Rot-, Zottel- oder Wulle-Welsche) war seit dem Spätmittelalter besonders stark im Stuttgarter Raum verbreitet.

Matthias Braun erklärte auch die Anbaumethode der damaligen Zeit, den sogenannten „Gemischten Satz“: Rot- und Weißweinsorten wurden in Pfahlweinbergen in einer sogenannten „Drei-Schenkel-Erziehung“ durcheinander angebaut und gemeinsam zu einem Zeitpunkt gelesen, im Gegensatz zum heutigen Anbau der Reben in Monokultur. (red)