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Einen Coronabonus gibt es nicht

Corona hat den Alltag in den Schulen grundlegend verändert. Doch wie läuft der Unterricht unter Pandemiebedingungen? In unserer Serie „Schule in Corona-Zeiten“ berichten wir in regelmäßigen Abständen, wie die Oscar-Paret-Schule (OPS) in Freiberg mit der „neuen Normalität“ umgeht. Heute erklärt Schulleiter René Coels, wie sich im Lockdown die Notengebung für die Zeugnisse gestaltet.

Auch in der Phase des Lockdowns erhalten die Schüler ihre Zeugnisse und Halbjahresinformationen. Foto: Ina Fassbender/dpa
Auch in der Phase des Lockdowns erhalten die Schüler ihre Zeugnisse und Halbjahresinformationen. Foto: Ina Fassbender/dpa

Freiberg. Die Coronapandemie macht alles anders. Sogar die Ausgabe der Halbjahreszeugnisse und Halbjahresinformationen, die normalerweise bis zum 10. Februar erfolgen muss, darf dieses Jahr später stattfinden. Somit sollten wichtige Klassenarbeiten noch nachgeholt werden können, so das ursprüngliche Ziel. Darüber informierte das Kultusministerium die Schulen noch kurz vor Weihnachten. Doch seitdem befinden sich die Schüler zu Hause und werden digital unterrichtet. Führt das zu einem Chaos bei der Notenvergabe? Bekommen die Schüler überhaupt brauchbare Zeugnisse? Und wenn ja, wann?

Einmal mehr zeigt sich die Oscar-Paret-Schule gut aufgestellt. Laut Schulleiter René Coels stehen die Termine für die Übergabe der Zeugnisse bereits fest. So dürfen die Schüler der fünften, sechsten und siebten Klassen ihr Zeugnis am 5. Februar nachmittags abholen. Die Achter, Neuner und Zehner sind am 9. Februar dran, die Kursstufe am 11. Februar. Diese Staffelung soll verhindern, dass sich die Schüler weder in der OPS noch im Bus zuhauf begegnen. Deshalb müssen sie auch am jeweiligen Tag zu verschiedenen Uhrzeiten in verschiedene Gebäude kommen. Dann erhalten sie nicht nur ihre Zeugnisse, sondern zugleich ihre korrigierten Klassenarbeiten zurück.

Wie der Schulleiter sagt, sind die Ergebnisse dieser Klassenarbeiten bereits im Homeschooling besprochen worden. In Einzelgesprächen sei zudem die derzeitige Situation des Schülers sowie die Möglichkeit zur Verbesserung der Noten eruiert worden. Die Anzahl der Klassenarbeiten durfte in diesem Schuljahr reduziert werden. „Wir haben mit den Schülern gesprochen und gemeinsam entschieden, wo es Sinn macht, es bei einer Klassenarbeit zu belassen“, sagt Coels. Zum Beispiel dann, wenn wegen des engen Zeitplans vier Klassenarbeiten in einer Woche hätten geschrieben werden müssen oder wenn eine ordentliche Vorbereitung nicht möglich gewesen wäre. Zudem gebe es auch Schüler, die Angst haben, sich im Bus oder beim Schreiben der Arbeit in der Schule zu infizieren. Dann seien sie nicht in der Lage, ihren Leistungsstand abzurufen.

Die Kursstufe – also die Schüler der Klassen 11 und 12 – darf ihre Klausuren in Präsenz schreiben. Auch die Kommunikationsprüfung der Abschlussklassen findet Anfang Februar in der Schule statt. Das Gleiche gilt für die Vorbereitung dafür; das wäre online kaum möglich.

Klassenarbeiten sind laut Coels nicht die einzige Möglichkeit, zu einer fairen Notengebung zu kommen. „In diesem Schulhalbjahr hat das Mündliche einen großen Raum eingenommen“, sagt er. Auch der Fernunterricht biete eine gute Möglichkeit für eine Beurteilung der mündlichen Leistungen. Da die Schüler seit Beginn des Schuljahrs zu einem großen Teil noch Präsenzunterricht hatten, sei es den Lehrern möglich, diese Zeit stark zu berücksichtigen. Viele, die vor den Mitschülern im Klassenzimmer sehr schüchtern seien und sich mit Wortbeiträgen zurückhalten, würden zudem im Homeschooling plötzlich aufleben und sich deutlich mehr beteiligen. Der digitale Unterricht biete den Lehrkräften zudem die Möglichkeit, leichter die Erledigung der Aufgaben einzusehen und die Schüler gleichzeitig auf etwaige Fehler hinzuweisen.

Und wie sieht es mit der berühmten GFS, der gleichwertigen Feststellung von Schülerleistungen, aus? Sie zählt wie eine Klassenarbeit und findet normalerweise in Form einer Präsentation vor der Klasse statt. In diesem Schuljahr durften sich die Schüler freiwillig, aber verbindlich dazu entscheiden. Je nach Verabredung mit dem Lehrer können die betreffenden Schüler die GFS als schriftliche Hausarbeit abliefern, oder sie treffen sich mit dem Lehrer, machen vor ihm die Präsentation und die Klasse wird online zugeschaltet. Am Ende gibt es laut Coels aber auch noch die Möglichkeit, die GFS auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

Wie Coels sagt, werden die Zeugniskonvente Anfang Februar mehr Zeit als sonst in Anspruch nehmen. Schließlich müssen die Leistungen der Schüler genau unter die Lupe genommen werden, um zu einer fairen Benotung zu kommen. Hat ein Schüler beispielsweise eine Klassenarbeit wegen Krankheit oder Quarantäne in den Sand gesetzt, dafür sonst ordentliche Leistungen gezeigt, „müssen wir besprechen, wie wir zu einem Ergebnis kommen“, so Coels. Dafür gebe es einen „pädagogischen Spielraum“. Sprich: Steht ein Schüler in einem Fach bei 2,5 oder 2,6, muss er nicht unbedingt „befriedigend“ im Zeugnis stehen haben. Da kann auch gut und gerne ein „gut“ draus werden. Dabei macht Schulleiter René Coels allerdings auch klar, dass es keine Geschenke geben wird. „Eine Bonusnote wäre nicht im Sinne der Schüler, weil es sonst das G’schmäckle eines Coronazeugnisses hätte“, sagt Coels. Die Schüler selbst wollten außerdem wissen, wo sie leistungsmäßig stehen. Ein Zeugnis diene dazu, die Stärken und Schwächen abzubilden.

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