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Einsatz für die Ernte-Giganten

Erträge und Qualitäten bei Gerste und Weizen wie erwartet

Am liebsten bei praller Sonne: Die Mähdrescher fahren jetzt, um das Getreide zu schneiden und zu dreschen. Auf einigen Feldern ist das Korn geknickt. Fotos: Alfred Drossel
Am liebsten bei praller Sonne: Die Mähdrescher fahren jetzt, um das Getreide zu schneiden und zu dreschen. Auf einigen Feldern ist das Korn geknickt. Foto: Alfred Drossel
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Kreis Ludwigsburg. Der Bietigheimer Landwirt Rainer Öxle will nicht länger mit der Getreideernte warten, weil ein Teil seiner Wintergerste flach liegt. „Sie muss jetzt weg, um nicht noch größere Qualitätsverluste zu bekommen“, sagt er. Die meisten Landwirte warten bis morgen und nutzen die Zeit, um mit dem Mähdrescher den Raps zu ernten. Der Einsatz der Ernte-Giganten hat begonnen: Hightech auf dem Acker. Die meisten Landwirte fahren keine eigenen Mähdrescher mehr, sondern vergeben den Auftrag an Lohndrescher. Die fahren im Akkord von Feld zu Feld und haben strenge Einsatzpläne.

Bei gutem Erntewetter kann es passieren, dass nicht genügend Mähdrescher verfügbar sind. Eine nicht termingerechte Ernte kann aber deutliche Verluste nach sich ziehen. Daher kann sich eine Eigenmechanisierung unter Umständen lohnen.

Endlich ist das Wetter optimal für die Ernte. Alle wollen nun das Erntefenster nutzen. Da kann es passieren, dass an einem Tag kein Mähdrescher mehr verfügbar ist. Der ein oder andere Landwirt muss also warten. Bricht in der Nacht ein Unwetter herein, brechen leicht zehn Prozent der Ähren ab. Aus dem Brotweizen wird Futterweizen. Das kann einen Verlust von 10 bis 70 Euro je Tonne bedeuten. Die Entscheidung für oder gegen einen betriebseigenen Mähdrescher hängt also davon ab, wie viel Ernteverluste durch eine pünktliche Ernte vermieden werden können, falls der Lohnunternehmer nicht termingerecht erntet.

Ausgangs der Woche gehe es auf den Feldern im Landkreis und in den Mühlen so richtig los, ist sich Eberhard Zucker, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Ludwigsburg/Heilbronn, sicher. Die Wetteraussichten seien gut, sagt der Vaihinger Landwirt. Regen brauche das Getreide für seine Entwicklung nicht mehr. Der Boden sei jetzt so weit abgetrocknet, dass die schweren Maschinen problemlos auf die Äcker fahren könnten.

Gebietsweise, so Zucker, sei das Korn durch Sturm und Regen in die Knie gegangen und liege flach. Dort sei mit Qualitätseinbußen zu rechnen. Bei der Gerste könnten dann die Körner nicht mehr zur Malzherstellung genutzt werden, sondern würden zu Futter. Feuchtes Getreide kann Probleme machen. Die beste Lösung wäre das Trocknen. Allerdings verfügen nur wenige Betriebe über die Möglichkeit, Getreide selbst zu trocknen. Auf jeden Fall muss das Getreide in der Mittagshitze gedroschen werden. In den Mühlen wie der Burgermühle in Bönnigheim kann das Getreide in Hochsilos gezielt belüftet werden. Die feuchten Körner geben dabei einen Teil des Wassers an die trockenen Körner ab. Ein anderer Teil wird mit der Belüftung aus dem Lager getragen. Zur optimalen Lagerung sollte die Feuchte nicht über 14 Prozent betragen.

Nach den schlechten Ernten der vergangenen Jahre soll es 2021 wieder normale Erträge geben. Das geht aus der Ernteprognose des Landesbauernverbands für dieses Jahr hervor. Nach den Dürresommern der letzten drei Jahre hat der Regen dem Boden gutgetan. Notreife und Hitzeschäden gebe es dieses Jahr nicht, heißt es beim Landesbauernverband Baden-Württemberg.

Das kann der Vaihinger Landwirt und Bauernfunktionär Eberhard Zucker bestätigen. Nach allem, was er von Kollegen bisher gehört habe, seien Qualität und Menge „ganz ordentlich und so wie erwartet“. Für dieses Jahr wird in der EU mit einer deutlich umfangreicheren Weizenfläche sowie Weizenernte gerechnet. Die Weichweizenproduktion soll dabei auf 128 Millionen Tonnen zunehmen.

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