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Einsatz für Menschen auf der Flucht

Dutzende Schuhpaare stehen am Samstagmorgen auf dem Pflaster des Rathausplatzes. Im Schatten des Rathauses sind Info-Tische aufgebaut. Mitglieder der Kirchheimer Gruppe von „Seebrücke“ sprechen über ihre Ziele: „Retten statt reden“ ist ihr Motto. Es geht um die Seenotrettung an Europas Grenzen, vor allem im Mittelmeer.

Die Kirchheimer Gruppe der „Seebrücke“ informiert auf dem Rathausplatz. Foto: Alfred Drossel
Die Kirchheimer Gruppe der „Seebrücke“ informiert auf dem Rathausplatz. Foto: Alfred Drossel

Kirchheim. Die Bewegung „Seebrücke“ hat sich Ende Juni 2018 gegründet, als das Schiff „Lifeline“ mit 234 Menschen an Bord tagelang auf hoher See ausharren musste und in keinem europäischen Hafen anlegen konnte. Aus Empörung darüber haben sich Aktivisten, die seit Jahren ehren- und hauptamtlich in der Flüchtlingshilfe arbeiten, in einer kleinen Gruppe organisiert. Daraus erwuchs innerhalb weniger Tage die Bewegung „Seebrücke“, der sich deutschlandweit viele Menschen angeschlossen haben. Auch in Kirchheim hat sich eine Gruppe von inzwischen 15 Mitgliedern gegründet. Die Seebrücke sei eine offene und vielfältige Bewegung mit zahlreichen Möglichkeiten, sich einzubringen, betont der Kirchheimer Stephan Hennig: „Die Idee der Seebrücke ist, dass sich überall Leute anschließen und selbst Aktionen planen.“

Niemand fliehe freiwillig: Kriege, Verfolgung, Gewalt, Armut und die Klimakrise führten dazu, dass Menschen ihr Zuhause verlassen müssten, erklärt Hennig. Auf der Suche nach einem sicheren Hafen würden sich Menschen auf lebensgefährliche Fluchtrouten begeben. In der EU gebe es aber kaum sichere Wege. Doch anstatt die Menschen auf der Flucht zu schützen, schotte die EU sich noch stärker ab, teilt die Seebrücke mit: Die EU investiere immer mehr in den sogenannten „Grenzschutz“ und sehe dem Sterben der Flüchtenden weiter tatenlos zu.

Die Seebrücke-Bewegung entgegne dieser Politik mit einem klaren Plan: „Wir schaffen selbst sichere Häfen für Menschen auf der Flucht“, betont Stephan Hennig. Mit Druck auf der Straße und persönlichem Engagement wollen die Aktiven ihre Städte und Kommunen dazu aufrufen, sich zum sicheren Hafen zu erklären und für eine menschliche Migrationspolitik zu streiten. Der Einsatz hat Erfolg, sagt Hennig. Bereits mehr als 130 Kommunen seien dabei. „Ziel von uns ist, dass auch unsere Heimatgemeinde Kirchheim mitmacht“, wünscht sich Stephan Hennig.

Während Nationalstaaten in ganz Europa weiter auf Abschottung setzten, wollten Kommunen mehr geflüchtete Menschen aufnehmen, als ihnen zugewiesen würden. Doch bis heute dürften Sie das nicht selbstbestimmt in die Tat umsetzen, kritisiert Hennig. Denn über die Aufnahme geflüchteter Menschen entscheiden letztlich immer die Nationalstaaten. In Deutschland mauere die Bundesregierung. Deshalb seien die sicheren Häfen blockiert und können geflüchteten Menschen kaum helfen. Die „Seebrücke“ fordere deshalb die Selbstbestimmung der Kommunen bei der Aufnahme zusätzlicher geflüchteter Menschen. Eine solidarische Migrationspolitik müsse von den Kommunen ausgehen: Erst die enge Abstimmung mit der Zivilgesellschaft vor Ort sorge für die demokratische Legitimation einer solidarischen und offenen Politik, erklärt Stephan Hennig. Nur so könne man erreichen, dass die Aufnahme von Menschen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden und angenommen werde.

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