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Eispanzer gegen den Frost

Obstbauern kämpfen um ihre Ernte mit der Frostbewässerung – Mit starkem Wind steigt auch das Risiko

Eiskreationen: Die Obstplantagen des Neckartals.Fotos: Alfred Drossel
Eiskreationen: Die Obstplantagen des Neckartals. Foto: Alfred Drossel
Geschützt: Blüten und Knospen sind von einer Eisschicht umhüllt.
Geschützt: Blüten und Knospen sind von einer Eisschicht umhüllt.
Kein Kunstwerk, sondern Frostberieselung.
Kein Kunstwerk, sondern Frostberieselung.

Kirchheim/Bönnigheim. In der Nacht zum Dienstag haben schon einige Obstbauern im Neckartal die Frostberieselung eingeschaltet. Um die jungen Triebe vor dem Erfrieren zu bewahren, werden sie mit Wasser besprüht, Blüten und Blätter werden dann von einer dünnen Eisschicht überzogen.

Hierzulande gab es vor Jahrzehnten vereinzelt solche Anlagen, doch in den vergangenen Jahren haben immer mehr Obstbauern Frostbewässerungen installiert, um die zarten Triebe der Obstbäume vor allem vor den Nachtfrösten der Eisheiligen zu schützen. Über Sprühköpfe, die in den Obstanlagen fest installiert sind, werden die Bäume mit Wasser benetzt. Das aufgesprühte Wasser beginnt zu gefrieren. Das Gemisch aus Eis und Wasser hält die Temperatur um den Gefrierpunkt – die Blüten können Temperaturen von null Grad ohne Schaden überstehen. Am Morgen ist dann eine Eisschicht auf den Blüten oder Knospen, die später wieder wegtaut.

Die Methode der Frostberegnung ist aber auch riskant, da bei einem Fehler die komplette Ernte zerstört werden kann. Meik Sartorius vom Bönnigheimer Apfelland hat seine Berieselungsanlage in der ersten Frostnacht noch nicht eingeschaltet, weil der Wind zu stark war. „Wenn die Windgeschwindigkeit über zehn Stundenkilometer liegt, kann eine Frostberieselung von Nachteil sein, weil das Wasser einseitig verweht wird“, sagt Sartorius. Er werde seine Anlage erst einschalten, wenn die Temperaturen unter minus eineinhalb bis zwei Grad sinken. Probleme mit dem Wind haben auch die Obstbauern des Obstbauvereins Kirchheim. Von den zehn Hektar der Anlage Krümmling, die berieselt werden können, wurden bisher zwei Hektar berieselt, sagt Frank Braun. Bei Wind bestehe die Gefahr, dass die Regner vereisten. Dann könne der Schaden noch größer werden als ohne Berieselung. Die Frostsituation bezeichnet Frank Braun derzeit als sehr unsicher. „Man weißt wirklich nicht, was man machen soll.“

Um einen Hektar Fläche für eine Stunde zu bewässern, werden rund 40 Kubikliter Wasser benötigt. Obstbauern in Bönnigheim und Kirchheim haben in den vergangenen beiden Jahren Wasserbecken angelegt, um kostengünstig berieseln zu können.

In den folgenden Nächten sollen die Temperaturen noch weiter sinken. Dann werden die Wasserspeier wieder das schützende Wasser über die Obstanlagen sprühen.

Bei Erligheim hat ein Obstbauer große Ventilatoren in seiner Plantage aufgestellt, um die Polarluft mit wärmerer Luft zu verwirbeln und so die jungen Triebe der Obstbäume zu schützen. Diese Methode hat jedoch derzeit wenig Wirkung. Völlig ungeschützt sind die Kirschbäume. Viele der Blüten sind in der ersten Frostnacht schon erfroren. Berieselt werden auch Freilanderdbeeren und Kartoffelfelder.

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