Logo

EnBW-Projekt: Zweiter Schornstein im Neckartal steht

Schwerstarbeit auf der Baustelle der Netzstabilitätsanlage im Marbacher Energie- und Technologiepark: Mit einem 900-Tonnen-Kran wurde am Donnerstag das letzte Segment des 80-Meter-Kamins aufgesetzt.Fotos: Holm Wolschendorf
Schwerstarbeit auf der Baustelle der Netzstabilitätsanlage im Marbacher Energie- und Technologiepark: Mit einem 900-Tonnen-Kran wurde am Donnerstag das letzte Segment des 80-Meter-Kamins aufgesetzt.Fotos: Holm Wolschendorf
350_0900_42322_09_06_22Wolschendorf_11.jpg
350_0900_42321_09_06_22Wolschendorf_2.jpg
Ein weithin sichtbarer Meilenstein in der Bauphase der Netzstabilitätsanlage in Marbach ist erreicht: Heute Morgen wurde das letzte Segment des neuen Kamins aufgesetzt.

Marbach. Das Schwergewicht eines 900-Tonnen-Krans hat in den vergangenen Tagen den Turmbau im Neckartal vollendet. Acht Segmente bilden nun den neuen, 80 Meter hohen Kamin. Er ist damit halb so hoch wie der Schornstein des benachbarten alten Ölheizkraftwerks. Jedes Segment hat einen Durchmesser von 10,5 Metern.

Größerer Durchmesser aus Schallschutzgründen

Ursprünglich war der Kamin mit einem Durchmesser von 7,5 Metern etwas filigraner geplant, doch mit der kleineren Variante hätte der Lärm der 300-Megawatt-Gasturbine nicht ausreichend heruntergedämmt werden können. Nun sind in den unteren Segmenten des Kamins Schalldämpfer eingebaut. Sie sind notwendig, damit die Netzstabilitätsanlage im Betrieb die Grenzwerte bei den Lärmemissionen einhält und die Bewohner von Neckarweihingen und dem Marbacher Stadtteil Hörnle einigermaßen ruhig schlafen können.

Rund 100 Millionen Euro investiert der Energiekonzern EnBW in diese Anlage, deren Aufgabe es sein wird, dann Strom zu produzieren, wenn die Stabilität des Netzes gefährdet ist. Das könnte im Zuge der Energiewende dann passieren, wenn aus erneuerbaren Quellen nicht ausreichend Strom zur Verfügung steht oder der Ausbau der Stromtrassen von Nord- nach Süddeutschland hinterherhinkt.

Innerhalb von 30 Minuten einsatzbereit

Im Fall eines drohenden Blackouts kann die EnBW mit der neuen Anlage schnell reagieren: Innerhalb von 30 Minuten erreicht die Gasturbine ihre sogenannte Nennleistung. Gasturbine ist insofern etwas irreführend, als dass leichtes Heizöl verbrannt wird, dieses Verbrennungsgas treibt dann die Turbine an. Auch in Zeiten der durch den Krieg gegen die Ukraine weiter verstärkten Abkehr von fossilen Brennstoffen hält die EnBW an diesem Modell fest. Denn in den bereits bestehenden Tanks am Neckar kann der Jahresbedarf von 70 000 Kubikmetern Öl gelagert werden. Das Projekt steht unter großem Zeitdruck: Im Spätherbst soll die Anlage, die einzige ihrer Art im Land, in Betrieb gehen.