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Erntezeit für Rosenkohl und Kresse

Wenn Dieter Eckstein jetzt raus aufs Feld geht, um Rosenkohl zu ernten, nimmt er eine stabile Astschere mit. Das winterliche Gemüse, dessen Röschen dicht nebeneinander an einem dicken Strunk wachsen, ist jetzt tiefgefroren. Eckstein setzt die Schere unten am Boden an. „Man darf den Rosenkohl in gefrorenem Zustand nicht anlangen, sonst wird er schwarz“, so der Experte. Etwa zwei Tage dauert es, bis das Gemüse aufgetaut ist. Erst dann kann Eckstein die Bommel, wie er sie nennt, abzupfen. Diese Bommel sind so ziemlich das leckerste und gesündeste Gemüse, das der Winter zu bieten hat.

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Vor allem Rosenkohl und Kresse werden jetzt in der Gärtnerei Eckstein geerntet.
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Ludwigsburg. Rosenkohl enthält nämlich viele Nährstoffe und Vitamine, aber nur wenig Kalorien. Während Blumenkohl und Brokkoli aus einem einzigen Kopf bestehen, trägt eine Rosenkohlpflanze bis zu 40 walnussgroße Knospen. Senkrecht ragen die Stämme auf dem Feld am Ortsrand von Münchingen in die Höhe.

Die Anbaufläche beträgt 600 Quadratmeter. Das Gros geht an Wiederverkäufer, die das Gemüse auf Wochenmärkten anbieten. Ein Teil ist dem Verkauf im Hofladen vorbehalten. „Was wir hier machen, ist im Grunde Spielerei“, verweist der 47-Jährige auf den Rosenkohlanbau in großem Stil, zum Beispiel in den Niederlanden, in Belgien und in Polen.

Dieter Eckstein führt die Gärtnerei in der dritten Generation. Sein Großvater Christian hat den Betrieb im Jahr 1935 gegründet, dann wurde dieser von dessen Sohn Werner übernommen. Der heute 82-Jährige hat die Gärtnerei im Jahr 2007 wiederum seinem Sohn Dieter übergeben.

Gemeinsam mit Ehefrau Anja beackert der Inhaber eine 1,5 Hektar große Freilandfläche sowie rund 8000 Quadratmeter in Gewächshäusern und unter Folie. Das Ehepaar ist auf den Anbau von Gemüse spezialisiert. Im eigenen Hofladen kann nur ein Bruchteil dessen verkauft werden, was hier geerntet wird. Eckstein arbeitet deshalb mit der Verkaufsgenossenschaft Fit Frisch Neckarsulm zusammen. Vieles von dem, was in Münchingen geerntet wird, landet auf dem Großmarkt in Stuttgart.

Zu den Hauptkulturen gehören Ackersalat, Rucola und Kresse. Angepflanzt werden aber auch Rettich, Karotten, Sellerie, Spinat, Zucchini, Rote Beete und Türkische Paprika.

Richtig warm kommt es dem Besucher vor, wenn er eines der beheizten Gewächshäuser betritt. Hier herrscht eine Temperatur von circa zehn Grad und verbreitet rein temperaturmäßig einen Hauch von Frühling. Wie ein großer, hellgrüner Teppich breitet sich hier die Kresse auf der rund 150 Quadratmeter großen Fläche aus. Mitarbeiterin Hülya Öztürk ist mit der Ernte beschäftigt. Mit geübten Bewegungen schneidet sie das Grün ab, bei dem es sich um Keimlinge handelt. Kresse peppt Speisen nicht nur geschmacklich oder optisch auf: Sie ist ein echter Vitaminspender, der sich zudem durch seinen hohen Gehalt an Eisen und Calcium auszeichnet.

„Nach der Ernte jetzt, wird noch zwei Mal Kresse ausgesät“, erzählt der Gärtnermeister. Etwa vier Wochen dauert es, bis die Samen so gekeimt sind, dass sie geerntet werden können. „Das Licht ist das Problem“, so Dieter Eckstein. Zum Vergleich: Im Sommer dauert es von der Aussaat bis zur Ernte der Kresse sieben Tage. Etwas höher stehen die Töpfe mit Petersilie, die speziell für den Hofladen gezogen wird.

Die Heizkosten sind in diesem Jahr besonders hoch“, so Dieter Eckstein. Dass das Gemüse in diesem Winter teurer ist als in den vergangenen Jahren hat nach Auffassung von Ehefrau Anja auch damit zu tun, dass es jetzt in fast ganz Europa ungewöhnlich kalt ist. „Im kalten und nassen Frühling des vergangenen Jahres sind zudem viele Jungpflanzen eingegangen“, berichtet sie. „Unsere Gärtnerei hat vier verschiedene Gesichter; im Frühling, Sommer, Herbst und Winter“, so der Inhaber. Wobei er einräumt, dass der Winter die schwierigste Jahreszeit ist. Auch wenn gerade nicht viel wächst und gedeiht, kommt es darauf an, die Weichen für das zu stellen, was im Frühjahr geerntet werden soll. Rucola, Radieschen und die kleinen, weißen Rettiche sind bereits ausgesät.

„Im Frühjahr, wenn alles sprießt, macht die Arbeit am meisten Spaß“, erklärt Anja Eckstein. Sie steht voll hinter dem klassischen Anbau im Laufe der Jahreszeiten. Der Wechsel der Kulturen sorgt dafür, dass keine Monotonie aufkommt. Dieter Eckstein muss immer den Überblick behalten, was zu welcher Zeit gesät werden soll. Zur guten Vorbereitung gehört es, frühzeitig das jeweilige Saatgut zu bestellen.

In sieben Wochen werden die ersten Tomaten gepflanzt“, gibt der Gärtner einen Ausblick auf das, was bald folgen wird. Dann ist der Rosenkohl längst vergessen und Schnee von gestern.

Die beste logistische Planung nutzt allerdings wenig, wenn das Wetter plötzlich verrückt spielt. Zum Schluss behält die Natur eben immer das letzte Wort.