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Erste Impftermine für Lehrer und Erzieher

Lehrer und Erzieher können sich seit Beginn der Woche gegen das Coronavirus impfen lassen. Möglich ist das nicht zuletzt aufgrund der breiten Verfügbarkeit des Impfstoffs von Astrazeneca. Bei den Betroffenen kommt das überwiegend gut an.

Eine Lehrerin in Hemmingen steht mit FFP2-Maske vor ihrer Klasse. Ab sofort dürfen sich Lehrer und Erzieher gegen das Coronavirus impfen lassen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Eine Lehrerin in Hemmingen steht mit FFP2-Maske vor ihrer Klasse. Ab sofort dürfen sich Lehrer und Erzieher gegen das Coronavirus impfen lassen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Ludwigsburg. Ursprünglich zählten Lehrer und Erzieher zur Gruppe drei in der Rangfolge der Impfberechtigten. Am Montag gab Sozialminister Manfred Lucha bekannt, dass diese Berufsgruppen nun doch bevorrechtigt werden und sich ab sofort impfen lassen können.

Wie berichtet, hat das Land Baden-Württemberg 450000 Dosen des Impfstoffs von Astrazeneca geliefert bekommen, allein ins Kreisimpfzentrum (KIZ) in Ludwigsburg wurden 800 Dosen geliefert. Doch der Impfstoff darf derzeit in Deutschland nur Menschen unter 64 Jahren verabreicht werden. Diese Altersgruppe ist im Land aber längst noch nicht an der Reihe, was die Impfung anbelangt, so dass der Astrazeneca-Impfstoff anderweitig eingesetzt werden kann.

Schon lange hatten Lehrer- und Erzieherverbände gefordert, früher mit der Impfung an die Reihe zu kommen. Denn Abstände lassen sich insbesondere bei kleinen Kindern nur schwer einhalten. In den Kindergärten und Kitas hat der Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen wieder begonnen, an den Grundschulen der Präsenzunterricht.

„Die Entscheidung ist ein guter Schritt“, sagt Stefanie Wildner, Leiterin des Kinder- und Familienzentrums Eden in Ludwigsburg. „Wir haben lange genug gesagt, dass wir schutzlos sind.“ Keinen einzigen Tag hatte die Einrichtung geschlossen. Nun könne, wer geimpft ist, wieder „ruhigen Gewissens“ in die eigene Familie gehen. Die Mehrheit der Erzieher aus Stefanie Wildners Umfeld sei für eine Impfung, so ihr Eindruck. „Man hört aber auch Bedenken von Kollegen was den Impfstoff anbelangt“, sagt sie.

„Absolut gut“ nennt Hildegard Veith, Leiterin der städtischen Kita Villa Sonnenschein in Ludwigsburg, die Entscheidung des Landes. Nun könne jeder für sich selbst abwägen, wie er es mit einer Impfung halten will.

„Die ersten Termine sind schon vereinbart“, weiß Ellen Seybold von Kollegen. Sie ist Vorsitzende des Personalrats der Lehrer am Staatlichen Schulamt Ludwigsburg. Es sei „eine gute Sache“, dass sich Lehrer und Erzieher nun impfen lassen könnten. „Die Nachfrage ist da“, bestätigt auch Anita Kermisch, Leiterin des Staatlichen Schulamtes. Auch sie weiß von Kollegen, die sich bereits um einen Impftermin gekümmert haben. Lehrer und Erzieher hätten nun die Möglichkeit, sich besser gegen das Virus zu schützen.

Im KIZ in Ludwigsburg können nach Angaben des Landratsamtes „ab Freitag bis auf weiteres wöchentlich 2800 Impfdosen von Astrazeneca verimpft werden.“ Damit erhöhe sich die Zahl der täglichen Impfungen von derzeit 251 auf künftig 700.

Zur Impfbereitschaft unter den Lehrern des Otto-Hahn-Gymnasiums kann Schulleiter Mathias Hilbert noch keine genaue Angabe machen. Man sei ja gerade erst mit den Abiturienten in die Präsenz zurückgekehrt. Er vermute jedoch, dass das Kollegium einen gesellschaftlichen Querschnitt darstelle. So habe er zwar Sorgen vor einer Ansteckung, unter jüngeren aber auch eine gewisse Skepsis gegenüber dem Impfen wahrgenommen. Sie machten sich auch Gedanken über die verschiedenen Impfstoffe. „Am Ende sollte die Impfung eine persönliche Entscheidung sein und nicht vorgegeben werden“, betont Mathias Hilbert. Jeder müsse für sich das Risiko einschätzen und die Folgen tragen.

An Grundschulen im Kreis freut man sich über die neue Möglichkeit. So geht die Sekretärin der Murrer Lindenschule, Brigitte Rommel, davon aus, dass durchgehend eine Bereitschaft vorhanden sei. Eine Lehrkraft habe bereits einen Termin bekommen. Einige Lehrerinnen der Schule auf dem Laiern in Kirchheim konnten ebenfalls schon Termine vereinbaren. „Das war problemlos sowohl per Telefon als auch über die elektronische Anmeldung möglich“, so Rektorin Simone Brett. Die Bereitschaft sei hoch. Auch an der Hermann-Butzer-Schule in Schwieberdingen stehen bereits Termine. „Die Impfbereitschaft im Kollegium zeigte sich direkt nach Bekanntwerden der Entscheidung“, so Rektorin Ilse Riedl.

Bei all der positiven Stimmung: „Ich hoffe, dass es jetzt nicht heißt, dass wir vorgezogen werden auf Kosten anderer“, sagt Stefanie Wildner. Die Polizei beispielsweise gehört ebenfalls der Gruppe drei in der Impfreihenfolge an, aus der Lehrer und Erzieher nun ausscheren dürfen. Doch die Gewerkschaft der Polizei in Baden-Württemberg hat dazu eine klare Haltung: „Wir werden keine Neiddebatte lostreten“, sagt deren Sprecher Andreas Heck. Gleichwohl wünsche man sich, dass auch die Polizisten, insbesondere die, „die an der Basis arbeiten, schnellstmöglich berechtigt werden, sich impfen zu lassen.“

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