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Erste Schule hat Glasfaser

Symbolischer Akt: Kultusministerin Susanne Eisenmann (Mitte) mit kommissarischer Schulleiterin Kathleen Kroll, Landrat Dietmar Allgaier und Bürgermeister Jan Trost (von links).Foto: Alfred Drossel
Symbolischer Akt: Kultusministerin Susanne Eisenmann (Mitte) mit kommissarischer Schulleiterin Kathleen Kroll, Landrat Dietmar Allgaier und Bürgermeister Jan Trost (von links).Foto: Alfred Drossel
Kultusministerin schließt Friedrich-Schiller-Gymnasium ans Netz an – Schüler kämpfen für (Musik-)AGs

Marbach. Die wichtigste Voraussetzung für den „Digitalpakt Schule“ ist funktionierendes, schnelles Internet. Deshalb ist gestern das Friedrich-Schiller-Gymnasium (FSG), das größte allgemeinbildende Gymnasium des Landes, als erste Schule im Landkreis ans Glasfasernetz angeschlossen worden. Das sollte noch vor den Sommerferien geschehen, damit die erforderlichen Baumaßnahmen während der Ferien stattfinden können. In einem zweiten Schritt soll auf dem gesamten Schulcampus eine WLAN-Versorgung aufgebaut werden; die Planungen dafür seien bereits angelaufen.

Mit dem „Digitalpakt Schule“ wollen der Bund und die Länder die digitale Bildungsinfrastruktur an Schulen stärken und die Grundlagen zum Erwerb von digitalen Kompetenzen an Schulen verbessern. Insgesamt fünf Milliarden Euro stellt der Bund dafür in den kommenden Jahren zur Verfügung, von denen etwa 650 Millionen Euro nach Baden-Württemberg fließen.

Zur Inbetriebnahme des Glasfasernetzes waren Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) und Landrat Dietmar Allgaier gekommen, außerdem die kommissarische Schulleiterin des FSG, Kathleen Kroll, Bürgermeister Jan Trost und Vertreter der Deutschen Telekom und der Gigabit Region Stuttgart.

„Für einen digitalen Unterricht brauchen wir auch eine entsprechende digitale Infrastruktur“, sagte Eisenmann, „es ist wichtig, dass die Schulträger ihrer Verantwortung nachkommen und in den Breitbandanschluss investieren.“ Denn, so die Ministerin, die Bedeutung des digitalen Unterrichts werde weiter zunehmen.

Landrat Dietmar Allgaier sagte: „Wir investieren aus voller Überzeugung in leistungsfähige Internetzugänge an unseren Schulen.“ Zum nächsten Schuljahr sollen auch alle beruflichen Schulen im Landkreis an das Glasfasernetz angeschlossen sein.

Ziel sei es, bis zum Jahr 2025 gemeinsam mit dem Zweckverband Kreisbreitband, der Gigabit Region Stuttgart und der Deutschen Telekom alle Schulen in der Region mit einem gigabitfähigen Glasfaseranschluss zu versorgen.

In einem symbolischen Spleißakt wurden die letzten Meter Glasfaserkabel dann mit der Schule verbunden.

Während die Ministerin vermutlich glücklich war, in Coronazeiten mal einen angenehmen Termin zu absolvieren, gossen Eltern und Schüler ein wenig Wasser in den Feiertagswein und konfrontierten sie mit einem Brief, in dem 13 Familien ihre Sorge darüber ausdrückten, dass noch nicht entschieden sei, ob im kommenden Schuljahr die Schulorchester mit dem Proben beginnen dürfen. Es bestehe die Gefahr, dass Musik-AG-Stunden zugunsten anderer Fächer auf längere Sicht geopfert würden.

In dem Brief an die „Sehr geehrte Frau Dr. Eisenmann“ hoben die Unterzeichner Schulorchester und Chor auf eine politische Ebene: Als die Staatsmänner der Welt am 11. November 2018 das Ende des Ersten Weltkriegs feierten, gaben in Marbachs Partnerstadt L’Isle Adam hundert junge Musiker ein Konzert; der Landkreis Ludwigsburg würdigte dieses Engagement später mit dem Karl-Mommer-Preis. Nun drohe dem sozialen Engagement von Schülern und Lehrern aber das Aus. „Wenn jetzt Musik-AGs, Schulorchester und Chöre verboten werden, verliert das FSG ein wichtiges Medium für Völkerverständigung und Begabtenförderung“, heißt es in dem Brief.

Und die Unterzeichner stellen Fragen: Wie könne es sein, dass sich die Schüler, die „im dicht gedrängten ÖPNV mit Maskenverweigerern zusammentreffen“, nicht in einem Schulorchester treffen dürfen? Die verantwortlichen Lehrer seien schließlich inzwischen erfahren in der Einhaltung von Hygienemaßnahmen. Und weshalb gelten für Musikschulen andere Regeln? Schließlich träfen auch dort Schüler unterschiedlicher Jahrgänge und aus unterschiedlichen Städten aufeinander.

Zum Beweis, was auf dem Spiel steht, haben Schüler einen Youtube-Film gedreht, bei dem von Tennis über Rudern bis Imkern so ziemlich jede AG zu sehen ist, die das FSG attraktiv macht. Außerdem wurde die Petition „Rettet die Schulmusik“ verlinkt.