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IN DER MOSCHEE

Es wird gebetet, gelernt und gefeiert

„Wo ist denn der Turm?“ Dies war eine der ersten Fragen an Herrn Harbi, der die Zisch-Reporter vor der Moschee in Großsachsenheim begrüßte. Es gibt noch keinen, erklärte er. Obwohl die Gläubigen gerne einen hätten.

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Die Zisch-Reporter bekommen eine Menge Informationen.Fotos: Klasse 8b
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Vorbereitung fürs Gebet.
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Fenster der Moschee.

Ludwigsburg. Das Gebäude wurde 1989 mit Unterstützung vieler ehrenamtlicher Helfer erbaut. Dadurch hat es natürlich einige Zeit gebraucht, bis die Moschee fertiggestellt war. Herr Harbi, der Vorsitzende des Vereins, führte die Klasse mit viel Freude durch die Moschee und gab eine Menge Informationen. Die Schüler konnten viele Räumlichkeiten besichtigen. Zum Beispiel das Gebetszimmer und den Waschraum.

Natürlich wollten die Jugendlichen wissen, was es mit diesen beiden Räumen auf sich hat. Die Frage wurde rasch beantwortet: Bevor man zum Gebet kommt, muss man innerlich und äußerlich rein sein, so Herr Harbi. Daher wasche man sich im Waschraum. Erst die Beine, das Gesicht, die Hände und den Nacken. Man wäscht sich immer in dieser Reihenfolge und wiederholt dies dreimal. Dadurch soll garantiert werden, dass keine Stelle trocken bleibt und alles 100-prozentig gereinigt ist.

Schnell fanden sich wahre Profis unter den Schülern, die dieses Ritual kannten. Sie wussten sogar, dass sich Frauen und Männer nicht gemeinsam waschen, sondern getrennt voneinander. Auf das Angebot von Herrn Harbi hin erklärte sich eine Schülerin sofort bereit, solch eine Waschung zu demonstrieren. Eine Schülerin entdeckte im Waschraum einen goldenen Wasserhahn und dachte, dass dieser ein ganz besonderer sein muss. Sie wurden aber darüber aufgeklärt, dass es sich nur um ein Ersatzteil handle. Die Schüler konnten sich nicht vorstellen, dass die Waschung im Winter angenehm ist. Hamide jedoch, die auch bereit gewesen war, die Waschung zu zeigen, bestätigte, dass es gar nicht kalt sei.

Normalerweise führt der Weg nach der Waschung in den Gebetsraum, doch die Schüler durften davor noch einige andere Besonderheiten entdecken. So können Kinder in einem Raum neben dem Waschraum spielen. Dieses Spielzimmer ist sehr bunt und freundlich gestaltet. Es gibt dort nicht nur viele Spielsachen und Malstifte, dieser Raum fungiert zusätzlich auch als Lernort. Kindern werden dort unter anderem die Gebetszeiten der Moslems, aber auch die 99 Namen von Allah gelehrt.

Doch nicht nur Kinder können sich hier zum Lernen treffen. Einige Frauen fanden sich dort schon regelmäßig zu einem Deutschkurs ein. Leider, so Herr Harbi, seien mit der Zeit immer weniger gekommen, wodurch der Kurs eingeschlafen sei. Herr Harbi findet das schade. Denn er begrüßt diesen Sprachkurs sehr, da er für die Integration hilfreich ist.

Wer viel lernt und arbeitet, muss auch feiern und Spaß haben. Gemäß diesem Motto führte der Gastgeber die Schüler in einen Mehrzweckraum der Moschee. Es ist ein wirklich sehr großer Raum mit vielen Sitzmöglichkeiten. Man kann sogar Sportmatten nutzen, die eine ansässige Schule der Moschee gespendet hat. Allgemein bringt jeder etwas mit in die Moschee – immer so, wie er kann.

Wenn es etwas zu feiern gibt, dann wird viel gekocht. Die eigens dafür eingebaute Großküche bietet sehr gute Gelegenheit dafür. Der Metzger bringt Fleisch mit, der andere bringt Gemüse aus seinem Garten, der andere hat nichts, ist aber ebenso willkommen. Die Schüler konnten sich richtig gut vorstellen, wie lebhaft und harmonisch so ein Zusammentreffen in diesem Raum sein muss.

Nach diesen ganzen Informationen war eine kleine Pause angedacht, welche die Schüler aber nicht lange machen wollten. Sie waren alle schon sehr gespannt auf den Gebetsraum. Zuerst wurden sie nach oben geführt. Dort begann der Teppich. Hier lernten die Gäste, dass man sich, sobald man diesen Teppich betritt, seiner Schuhe entledigen muss. Um diese wieder finden zu können und dafür zu sorgen, dass keiner über die Schuhe stolpert, gibt es eigens dafür aufgebaute Regale.

Der Gebetsraum im oberen Bereich ist wie ein Balkon gebaut. Hier beten die Frauen in der Moschee. Diese möchten nicht vor den Männern beten, aber ihr Gebet auch in Richtung Mekka richten, erklärte Herr Harbi. Um dies zu ermöglichen, wählte man diese Variante beim Bau, so können Frauen und Männer gleichzeitig beten. Der Gebetsraum ist mit speziellen Farben verziert. Schönheit und Wohlgefühl seien dort sehr wichtig, so Herr Harbi.

Den Zisch-Reportern wurden auch die verschiedenen Symbole und Zeichen erklärt. Vieles davon war auch für die Schüler mit muslimischem Glauben neu oder sie kannten nicht den ganzen Hintergrund.

Herr Harbi war sehr offen und konnte auch zu fast allen Aussagen Verbindungen zum christlichen Glauben herstellen. Seine Offenheit wurde besonders deutlich, als er den Schülern das Gebet vorsang. Die Klasse hörte aufmerksam zu und zeigte großes Interesse. Die Schüler konnten sich nun gut vorstellen, wie die Gebete in einer Moschee gehalten werden.

Neben den Eindrücken für Augen und Ohren kam auch der Geschmackssinn nicht zu kurz. Der Türkische Verein spendierte den Gästen Gebäck und türkischen Tee, bei dem in geselliger Runde und mit einigen persönlichen Fragen der Besuch ausklingen konnte.

Auf die Frage nach dem fehlenden Turm, den die Schüler zu Beginn des Besuches gestellt haben, schildert Herr Harbi, dass der Wunsch nach dem Bau eines Minaretts durchaus bestehe. Einige Sachsenheimer Bewohner hätten allerdings Bedenken, weshalb sich das Vorhaben noch in die Länge ziehen würde.

Hamide, Sulltane, Nora und Fazile und die Klasse 8b