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Interview

„Es wird spannend bis zum Schluss“

Für die SG BBM Bietigheim beginnt heute mit dem Heimspiel gegen Frisch Auf Göppingen (20 Uhr, Halle am Viadukt) die Rückrunde in der Frauenhandball-Bundesliga. Unsere Zeitung hat mit Sportdirektor Gerit Winnen über den bisher unbefriedigenden Saisonverlauf und die Perspektiven der Handballerinnen gesprochen.

Optimistisch: Gerit Winnen will mit der SG BBM wieder deutscher Meister werden.Foto: Baumann
Optimistisch: Gerit Winnen will mit der SG BBM wieder deutscher Meister werden. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Die SG BBM Bietigheim geht mit einem klaren Ziel in die letzten 13 Spiele der Frauen-Handball-Bundesliga, angefangen mit dem Derby heute Abend (20 Uhr/Viadukthalle) gegen Frisch Auf Göppingen. „Wir wollen den Titel verteidigen“, formuliert Gerit Winnen im Gespräch mit unserer Zeitung. Der seit 2011 als Sportdirektor der SG-BBM-Frauen tätige 45-jährige Ex-Bundesligaprofi nimmt im Interview aber auch zu den enttäuschenden letzten Wochen Stellung.

Herr Winnen, wie bewerten Sie das bisherige Abschneiden?

Gerit Winnen: International sind wir in dieser Saison weit hinter unseren Erwartungen geblieben. National belegen wir zum Start der Rückrunde Platz zwei, sind auf Tuchfühlung mit dem Spitzenreiter Borussia Dortmund und haben noch die Chance auf die Titelverteidigung.

Von den Saisonzielen Titelverteidigung, Finalturnier des DHB-Pokals und Champions-League-Hauptrunde ist nur noch der Gewinn der deutschen Meisterschaft möglich. Woran lag es?

Mit dem Supercup-Sieg in der MHP-Arena sind wir perfekt in die Saison gestartet. Rückblickend war der Tanz auf drei Hochzeiten für uns eine Riesenherausforderung. Vor allem im Januar mit gleich zehn Spielen unmittelbar nach der Weltmeisterschaft im Dezember in Japan bezahlten wir den Preis für die hohe Belastung. In der Champions League erwischten wir eine enorm starke Gruppe und haben uns durch die unnötig hohe Niederlage im Auftaktspiel in Valcea in eine vertrackte Situation manövriert. Im Europapokal sprachen letztendlich nur Nuancen gegen uns, wobei hier insgesamt drei Matchbälle nicht verwandelt wurden. Im Viertelfinale des Pokalwettbewerbes auswärts bei den noch ungeschlagenen Dortmunderinnen spielen zu müssen, war die schwerstmögliche Aufgabe, erst recht an einem Mittwoch zwischen zwei Europapokalspielen – eine Ansetzung, die ich übrigens für eine Katastrophe halte. Umso wichtiger ist es jetzt, den Meistertitel zu verteidigen.

In der Bundesliga beginnt jetzt die Rückrunde. Dortmund liegt nach Minuspunkten gerechnet drei Zähler vor der SG, weitere drei Zähler zurück folgt der Thüringer HC. Was ist noch drin für Ihr Team?

Der BVB hat sich vor dieser Saison enorm verstärkt und zählte bei allen Experten zum Mitanwärter um die deutsche Meisterschaft. Die Dreifachbelastung ist für uns nun vorbei. Wir können uns voll und ganz auf die Bundesliga konzentrieren. Es geht darum, den Druck auf den BVB aufrechtzuerhalten. Wir brauchen weiter die Siegesserie, um da zu sein, falls Dortmund strauchelt. Ich gehe davon aus, dass der Thüringer HC daraus noch einen Dreikampf machen wird und es ein spannendes Titelrennen bis zum Schluss bleibt.

Die SG-Mannschaft leistete sich einige Schwächen, kassierte international zu viele Gegentore und wirkte aus dem Rückraum trotz der vielen Nationalspielerinnen oft nicht torgefährlich. Haben Sie dafür eine Erklärung oder gar Lösung?

In der Champions League wird jeder Fehler oft sofort bestraft und vor allem bei den Auswärtsspielen warteten Topmannschaften in einer stimmungsvollen Atmosphäre auf uns. Wenn man als deutscher Meister in die Hauptrunde einziehen möchte, muss alles passen.

In dieser Saison war dies nicht der Fall. Oft ließen wir den Druck aus dem Rückraum vermissen. In der Abwehr und im Zusammenspiel mit den Torhüterinnen konnten wir zu großen Teilen international liefern.

Schon früh wurde bekannt, dass dies die letzte Saison von Trainer Martin Albertsen sein würde. Wirkte sich das negativ aus?

Keineswegs. Der Verein und auch die Spielerinnen haben Martin Albertsen viel zu verdanken. Seit seinem Amtsantritt 2014 hat die Mannschaft eine rasante Entwicklung genommen, wurde bisher zweimal deutscher Meister. Jetzt wollen das Team und auch das Management für einen krönenden Abschluss sorgen und den dritten Stern mit ihm nach Bietigheim holen.

Ein Blick nach vorne. Mit Xenia Smits und Julia Maidhof haben Sie zwei stark umworbene Rückraumspielerinnen für die nächste Saison verpflichten können. Andere, wie Kim Naidzinavicius und Antje Lauenroth, haben ihre Verträge verlängert. Welche Transfers dürfen die Fans noch erwarten?

Wir streben auch in der kommenden Saison in der Liga und im Pokal nach dem Optimum. International konnten wir weitere Erfahrungswerte sammeln und wollen besser abschneiden als in dieser Spielzeit. Das sind auch die Ziele unseres neuen Trainers Markus Gaugisch. Um diese zu erreichen, brauchen wir wieder einen starken Kader.

Unser Geschäftsführer Torsten Nick und ich arbeiten seit Monaten beharrlich daran, den bestmöglichen Kader im Rahmen der vorhandenen finanziellen Mittel für die kommende Saison zu stellen. Hier gehen wir nach wie vor keinerlei Risiko ein und planen wirtschaftlich gesund. Dass der Marktwert einiger SG-Spielerinnen seit der WM in Japan kräftig gestiegen ist, macht es nicht leichter. Es wird Veränderungen geben, aber noch ist nichts final entschieden, da die Verhandlungen andauern.

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