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Fachwerk und Putzflächen mit Trockeneis gereinigt

Alltagsgeschäft sind die Arbeiten am Unteren Schloss in Geisingen sicherlich nicht. Restauratoren sind gerade dabei, das beschädigte Fachwerk des fast 400 Jahren alten Gebäudes zu erneuern. Die Sanierung kostet rund 400 000 Euro.  

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Verhüllt ist derzeit das Untere Schloss in Geisingen. Foto: Oliver Bürkle

Freiberg. „Pfusch am Schlössle“, so titelte unsere Zeitung im Januar, als ein Experte dem Technischen Ausschuss des Freiberger Gemeinderates über die misslungene Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes, das ebenso wie das Torhaus aus dem Jahr 1637 stammt, berichtete. Auf 113 Seiten hatte das Ingenieurbüro festgehalten, was bei den vorangegangenen Sanierungen in den Jahren 1995, 2001 und 2003 schiefgegangen war.

 

Diverse Fugen seien mit Mörtel und Putz verfüllt und mit ungeeignetem Material verspachtelt worden, erklärt Rainer Funk, Sachbearbeiter im Fachbereich Liegenschaften der Stadt Freiberg. Auch die Holzoberflächen seien teilweise mit nicht geeigneter Spachtelmasse überzogen und mit einem weitgehend dampfundurchlässigen Anstrich versehen worden. Gift für die alten Holzbalken! Schäden wurden auch an der Unterseite der Mauerschwellen sowie an den Stößen und Eckverbindungen des Fachwerks entdeckt. Risse im Außenbereich der Hölzer ließen Regenwasser eindringen, das führte fast zwangsläufig zu Pilzschäden. Verschiedene Fachwerkhölzer wurden außerdem von Insekten und Vögeln ausgehöhlt. Deshalb müssen jetzt – nur 13 Jahre nach der letzten Sanierung – erneut die Restauratoren anrücken. Seit Mitte Juli sind die Fachleute mit den Arbeiten am Unteren Schloss im Ortsteil Geisingen beschäftigt. Die Restauratoren haben die Putzflächen und das Fachwerk mit Trockeneis gereinigt. „Das ist die materialschonendste Methode“, erklärt Rainer Funk. Die Experten haben die schadhaften Hölzer freigelegt. „Jeder einzelne Balken wird untersucht“, fügt der Mitarbeiter der Stadtverwaltung hinzu. Je nach Schadenslage werden die Balken dann komplett oder teilweise ausgetauscht. Auch die Anstriche der Oberflächen sowie die Verspachtelung der Fugen werden entfernt und neu aufgebaut. Ganz vorsichtig heben die Restauratoren Putzkissen zwischen den Ausfachungen heraus. Die ausgebauten Gefache werden fachgerecht wiederhergestellt. Die aufwendige Dokumentation der Arbeiten für die Nachwelt und das Denkmalamt übernimmt der externe Bauleiter.

 

Ursprünglich sollte die Sanierung im Frühjahr beginnen. Die Verwaltung hatte einen Antrag auf Denkmalförderung gestellt. Um mit der Sanierung zu beginnen, sei allerdings ein sogenannter vorzeitiger Baubeschluss notwendig und diesen habe die Stadt erst am 19. Juli erhalten. Die Restauratoren seien dann einen Tag später angerückt, sagt Funk. Der Kostenvoranschlag für die Sanierung liegt bei 421 000 Euro. In zwei Monaten sollen die Arbeiten am Unteren Schloss abgeschlossen sein. Dann soll auch das Heimatmuseum im Schlössle wieder zugänglich sein.