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Fahrplan für Sanierung des Engelbergtunnels erneuert

Kurz vor dem Jahresende hat sich das Land mit den beteiligten Firmen darüber geeinigt, wie mit den ungeeigneten Stahlbauteilen umgegangen wird. Auch ein neuer Fertigstellungstermin ist festgelegt worden: Mai 2025.

Im Engelbergtunnel wurde bislang vor allem unter der Fahrbahn gearbeitet. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Im Engelbergtunnel wurde bislang vor allem unter der Fahrbahn gearbeitet. Foto: Holm Wolschendorf

Gerlingen/Leonberg. Eigentlich hätte die Hauptphase der auf rund viereinhalb Jahre angelegten Sanierung des Engelbergtunnels schon längst starten sollen, doch dann gab es zum geplanten Beginn im Frühjahr die erste Meldung über eine Verzögerung, im August, als es dann losgehen sollte, die nächste. Nun hat das Regierungspräsidium (RP) offiziell den neuen Fertigstellungstermin bekannt gegeben: Im Mai 2025 soll der Verkehr durch die zwei Tunnelröhren auf der A81 wieder wie gewohnt fließen können. Damit beläuft sich die Verzögerung auf ein Jahr – immerhin: Das bezieht sich den Angaben vom Montag zufolge nun nicht nur auf den Start für die nächste Bauphase im Frühjahr 2021, sondern auch auf die Dauer der ausstehenden Maßnahmen. Es soll also keine Verlängerung der Bauzeit und vor allem der Einschränkungen für den Verkehr geben.

Denn die Hauptarbeiten laufen derzeit ganz woanders, Hunderte Kilometer entfernt, in der Ukraine. Dort hat eines der drei an dem Konsortium beteiligten Bauunternehmen rund 700 Stahlteile beauftragt, die benötigt werden für die Verstärkung der Tunnelinnenschalen, auf die das durch Wassereintritt aufquellende Gestein Anhydrit drückt. Doch das, was da im Frühsommer auf der Gerlinger Baustelle ankam, war nicht so, wie bestellt. „Die Schweißnähte entsprachen in Teilabschnitten der fünf Meter langen Stahlbauteile nicht den geforderten Qualitätsansprüchen. Die Robustheit der Konstruktion wäre unter Umständen beeinträchtigt“, so das RP. Trotz Stichproben in der Ukraine habe man das erst in Deutschland bei einer genauen Prüfung festgestellt, hatte das RP mitgeteilt – und macht nun Angaben, wie es weitergeht: Rund 200 der bereits produzierten Stahlbauteile werden umfangreich nachgearbeitet. „Die beauftragte Baufirma wird Sorge dafür tragen, dass die noch zu produzierenden rund 430 Stahlbauteile ebenfalls den geforderten Qualitätsansprüchen entsprechen. Hierfür wird die Produktion in zwei Werken noch engmaschiger durch die Baufirma mit zusätzlichen Qualitätssicherungsmaßnahmen überwacht“, so das Ergebnis der Einigung zwischen Land und den beteiligten Baufirmen. 70 Stahlbauteile waren bereits von dem zweiten, neuen Werk in der Ukraine produziert worden.

Und das zu Lasten der Baufirmen. Wie schon eine Pressesprecherin im November auf LKZ-Anfrage gesagt hatte, betont das RP nun deutlich: „Die Kosten der Hauptbaumaßnahme von rund 130 Millionen Euro werden sich nicht erhöhen. Mehrkosten entstehen für den Bund als Baulastträger durch die Qualitätsprobleme nicht.“ Zudem sei es dann auch Firmenaufgabe, den Personalbedarf zu koordinieren – durch den faktischen Baustopp konnte nur an einzelnen Stellen weitergearbeitet werden.

Das war zumeist nicht sichtbar für den Verkehrsteilnehmer, vor allem tagsüber nicht, viel wurde unter der Fahrbahn gemacht, diese unter anderem um weitere 50 Zentimeter verstärkt. Mit Beginn der Hauptbauphase ab Frühjahr – wenn die Witterung besser ist – aber werden alle sechs Spuren verengt, ein Teil davon in der Röhre der Gegenrichtung geführt, damit in der anderen gearbeitet werden kann. Nur nachts sollen einzelne Spuren gesperrt werden. Trotz dieser wenigen Einschränkungen: Mit Staus rechnen die Verantwortlichen dennoch – und haben deshalb neue Reisezeitanzeiger installieren lassen, die signalisieren sollen, dass es immer noch schneller geht, auf der A81 zu bleiben, als sich durch Ditzingen, Gerlingen oder Leonberg zu quälen.

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