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Fahrradzone kommt ohne Verbot für Kraftfahrzeuge

Viel Kritik hagelte es an der ersten Fahrradzone in Baden-Württemberg, welche die Stadt Freiberg im Herbst vergangenen Jahres probeweise für drei Monate am Wasen ausgewiesen hatte. Nach einem Beschluss des Gemeinderats wird sie jetzt erneut eingeführt – ohne Durchfahrtsverbot für Kraftfahrzeuge, allerdings mit einer Anlieger-frei-Regelung.

Dieses Verkehrszeichen verärgerte die Freiberger. Jetzt kommt die Fahrradzone am Wasen ohne Durchfahrtsverbot für Kraftfahrzeuge. Eine Anlieger-frei-Regelung soll dafür sorgen, dass der überörtliche Verkehr außen vor bleibt. Archivfoto: Holm Wolschen
Dieses Verkehrszeichen verärgerte die Freiberger. Jetzt kommt die Fahrradzone am Wasen ohne Durchfahrtsverbot für Kraftfahrzeuge. Eine Anlieger-frei-Regelung soll dafür sorgen, dass der überörtliche Verkehr außen vor bleibt. Foto: Holm Wolschendorf

Freiberg. Der Neckartalradweg führt über 368 Kilometer in mehreren Etappen von Villingen-Schwenningen bis nach Mannheim. Radler kommen dabei auch durch Freiberg und stoßen insbesondere in der Wernerstraße und der Talstraße auf problematische Verkehrsverhältnisse. Immer wieder kommt es dort zur unliebsamen Begegnung mit Kraftfahrzeugen. Mit der Fahrradzone, für welche Verkehrsexperte Prof. Christoph Hupfer bereits im vergangenen Sommer geworben hatte, möchte die Stadt Freiberg die Sicherheit für Fahrradfahrer auf dem Radweg am Wasen erhöhen und den Schleichverkehr der Autofahrer zwischen Bietigheim und Benningen unterbinden.

Das wurde auch erreicht, so das Ergebnis nach drei Monaten. Doch gleichzeitig traf die neue Verkehrsregelung die Freiberger Bürger, die aufgrund eines kompletten Durchfahrtsverbots auf Höhe der Kläranlage nur noch auf Umwegen den Häckselplatz anfahren konnten. Das war einer der hauptsächlichen Gründe, weshalb viele Freiberger die Fahrradzone ablehnten. Außerdem verwiesen sie auf einen bereits vorhandenen Weg parallel zur Dammstraße und auf die Zunahme des Verkehrs auf umliegenden Straßen. Jetzt wagt die Stadt einen neuen Anlauf und wird an der Stelle Verkehrszeichen anbringen, die auf die Fahrradzone hinweisen. Zusatzschilder werden signalisieren, dass auch Kraftfahrzeuge durchfahren dürfen, aber nur, wenn sie Anlieger sind. Wie Peter Müller, Leiter des Fachbereichs Recht und Ordnung, am Dienstagabend im Gemeinderat verdeutlichte, gehören dazu Besucher des Häckselplatzes ebenso wie Nutzer der Sportanlagen und Besucher der Gastronomie am Wasen. Zudem sollen im Bereich der Kläranlage überfahrbare Schwellen für eine Reduzierung der Geschwindigkeit sorgen und dazu beitragen, den Durchfahrtsverkehr zu reduzieren.

In der Sitzung entspann sich eine lange Grundsatzdiskussion, die Bürgermeister Dirk Schaible schließlich beendete. „Wenn wir eine Lösung wollen, die keine Änderung des Status quo zur Folge hat, lassen wir es eben bleiben. Doch wir haben gesagt, dass wir eine Verbesserung des Zustands dort erreichen wollen“, sagte er verärgert und fügte hinzu: „Wir kappen hier schließlich keine Hauptverkehrsader.“ Am Ende stimmte die Mehrheit des Gemeinderats für die von der Verwaltung vorgeschlagene Regelung. Dagegen waren Carmen Dötterer und Thomas Baum (beide FDP), Markus Geiger, Thomas Memminger und Willi Zimmer (alle CDU) sowie Tanja Paur (Freie Wähler). Rolf Jaiser (Freie Wähler) enthielt sich.

„Die Lösung stellt für mich einen guten Kompromiss dar“, signalisierte Udo Schimke (Freie Wähler) Zustimmung. Das sah auch Michael Frey (OGL) so, der die temporeduzierenden Maßnahmen für „wichtig“ erachtete. Carmen Dötterer und Thomas Baum plädierten dafür, mit der Maßnahme so lange abzuwarten, bis geklärt ist, ob auf dem Damm ein Radweg realisiert werden kann. Willi Zimmer bezweifelte, dass sich der Schleichverkehr von der Anlieger-frei-Regelung fernhalten lässt. Laut OGL-Stadträtin Elvira Kuhnle-Chmielnicki ist „eine Verkehrswende nicht möglich, wenn wir keine Abstriche in puncto Bequemlichkeit machen“. Während sich Markus Geiger und Thomas Memminger an den vorgesehenen Schwellen störten, wehrte sich Tanja Paur dagegen, die „Autos zu verbannen und die Menschen auf die Fahrräder zu drängen“.

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