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Feste Gruppen, geringeres Risiko

Die Kindertageseinrichtungen und Grundschulen starten am Montag wieder mit dem Regelbetrieb. Welche Einschränkungen Corona mit sich bringt, zeigt das Beispiel Kornwestheim.

Am Montag sollen in Baden-Württemberg die Kindertagesstätten und Grundschulen wieder vollständig öffnen. In Kornwestheim spricht die Stadtverwaltung von einem Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen. Archivfoto: Uli Deck/dpa
Am Montag sollen in Baden-Württemberg die Kindertagesstätten und Grundschulen wieder vollständig öffnen. In Kornwestheim spricht die Stadtverwaltung von einem Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen. Foto: Uli Deck/dpa

Kornwestheim. „Einen Regelbetrieb wie vor Corona wird es in absehbarer Zeit nicht geben“, betonte Kornwestheims Oberbürgermeisterin Ursula Keck beim Pressegespräch am Donnerstagvormittag im Rathaus. Es werde zwar – wie von der Landesregierung Ende Mai angekündigt – eine vollständige Öffnung der Kindertageseinrichtungen und Grundschulen vom kommenden Montag, 29. Juni an, geben – allerdings unter Pandemiebedingungen, wie Keck mehrfach betonte. „Der Gesundheitsschutz der Kinder und Fachkräfte und die Sicherheit haben oberste Priorität.“

Feste Gruppen: Gruppenübergreifendes Arbeiten sei derzeit in den Kindertagesstätten nicht möglich. Die Kinder werden stattdessen in konstanten Gruppen mit fest zugeordnetem Personal und Räumen betreut, ergänzte Birgit Scheurer, Leiterin des Fachbereichs Kinder, Jugend, Bildung bei der Kornwestheimer Stadtverwaltung. „Feste Gruppen minimieren das Gesundheitsrisiko“, erklärte die Fachbereichsleiterin. Auch das Spielen im Garten werde getrennt voneinander oder zeitversetzt geplant. So könnte man bei Infektionen die Kontaktpersonen einfacher nachvollziehen, müsste vielleicht nur eine einzelne Gruppe schließen und nicht die ganze Einrichtung, so Keck.

Reduzierte Betreuungszeit: Die Betreuung in festen Gruppen erfordert mehr Personal. Um die flächendeckende Wiedereröffnung zu bewerkstelligen, erlaubt das Land, dass der Mindestpersonalschlüssel in den Kindertagesstätten um 20 Prozent unterschritten werden darf. „Wir haben trotzdem mit Personalengpässen zu kämpfen – obwohl alle da sind“, so die Verwaltungschefin. Denn: Kinder aus verschiedenen Gruppen sollen in Randzeiten nicht mehr – wie noch vor Corona – gemeinsam betreut werden. Außerdem fallen etwa zehn Prozent der insgesamt rund 200 Erzieherinnen mit Vorerkrankungen aus, deshalb reduziert die Stadt die Betreuungszeit. Alle Einrichtungen mit verlängerten Öffnungszeiten (sechs Stunden) öffnen wieder regulär. Alle Ganztageseinrichtungen bieten von Montag bis Freitag eine 7,5-stündige Betreuung an. Das Angebot mit maximal 10,5 Stunden werde bis zu den Sommerferien gestrichen, heißt es aus dem Kornwestheimer Rathaus.

Keine Kurzarbeit mehr: Mit der Wiedereinführung des Regelbetriebs werden die Notbetreuung und das rollierende System eingestellt, sagte Scheurer. Die Stadtverwaltung hatte Mitte Mai Kurzarbeit bis 31. Dezember beantragt. Die Erzieherinnen werden bereits von Montag an zu ihrer ursprünglichen Arbeitszeit zurückkehren.

Keine Elternarbeit: Von der kommenden Woche an seien wieder Eingewöhnungen in den Kindertageseinrichtungen möglich – allerdings unter Coronabedingungen. Bisher durften Eltern ihre Sprösslinge begleiten. „Es schmerzt Personal und Eltern gleichermaßen, dass Eltern die Einrichtungen nicht betreten dürfen“, betonte Scheurer. Stattdessen sollen die Kinder an der Gartentür oder am Eingang den Erzieherinnen übergeben werden. „Das ist eine Rolle rückwärts und für Pädagogen nur schwer auszuhalten. Elternarbeit war immer ein wichtiger Pfeiler in der Kita“ – vor Corona.

Kindergartengebühren: Im Juli wird die Stadt Kornwestheim wieder Kindergartengebühren erheben – entsprechend des gewählten und möglichen Angebots. Die Eltern müssen ein Formular ausfüllen und damit bestätigen, dass ihr Kind keine Krankheitssymptome hat und in den vergangenen 14 Tagen keinen Kontakt zu infizierten Personen hatte. Falls aus medizinischen Gründen kein Kitabesuch möglich ist, so Scheurer, und die Eltern bis 13. Juli ein ärztliches Attest vorlegen, entfalle die Kitagebühr.

Kein Ferienkindergarten: Der Ferienkindergarten, in dem Kornwestheimer Kinder aus verschiedenen Einrichtungen in den Ferien gemeinsam von Fachkräften aus verschiedenen Häusern in einer zentralen Einrichtung betreut wurden, entfalle in diesem Jahr. Keck: „Sonst hätten wir wieder eine Durchmischung, die wir nicht wollen.“

Unterricht an der Grundschule: An allen Kornwestheimer Grundschulen findet von Montag an für alle Klassenstufen Vormittagsunterricht statt. Ergänzt werden die Unterrichtszeiten durch die kostenpflichtigen städtischen Angebote – von der Früh- über die Mittags- bis zur Spätbetreuung. An der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule, der Silcher- und der Schillerschule finden an drei Nachmittagen in der Woche bis jeweils 15.30 Uhr Angebote statt. Dort werden die Schulmensen auch wieder öffnen und Mittagessen anbieten. An der Eugen-Bolz-Grundschule sei dagegen kein Nachmittagsunterricht geplant, es werde dort auch kein Mittagessen geben, sagte Keck.

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