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Flüchtlinge: Es gibt Platz für Erstunterbringung

Landkreis bereitet sich auf Flüchtlinge aus Afghanistan vor – Nicht jede Unterkunft für Erstunterbringung gedacht

Sollten in den nächsten Wochen und Monate Flüchtlinge aus Afghanistan nach Deutschland kommen – In den Sammelunterkünften im Landkreis hat es aktuell noch Platz. Foto: Foto: Balazs Mohai/MTI/dpa
Sollten in den nächsten Wochen und Monate Flüchtlinge aus Afghanistan nach Deutschland kommen – In den Sammelunterkünften im Landkreis hat es aktuell noch Platz. Foto: Foto: Balazs Mohai/MTI/dpa
Obwohl in der Unterkunft in der Mörikestraße viele Plätze frei sind, können dort nicht direkt Flüchtlinge aus Afghanistan untergebracht werden. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Obwohl in der Unterkunft in der Mörikestraße viele Plätze frei sind, können dort nicht direkt Flüchtlinge aus Afghanistan untergebracht werden. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Die Situation in Afghanistan spitzt sich zu. Viele erwarten, dass bald vermehrt Menschen von dort in die Europäische Union und Deutschland flüchten. Noch gibt es viele Fragen, die Antworten darauf sind oft nur Vermutungen. Doch im Landkreis Ludwigsburg ist man bereit, mehr Flüchtlinge aufzunehmen als bisher gedacht. Ende Juli hatte der Landkreis 344Flüchtlinge im Jahr 2021 aufgenommen. Bis zum Jahresende rechnet die Behörde mit insgesamt 600Neuaufnahmen im laufenden Jahr. Doch es könnten mehr werden, je nachdem, wie sich die Situation in Afghanistan entwickelt. „Der Landkreis wird seine Aufnahmeverpflichtung gegenüber dem Land genauso erfüllen wie bei der bisherigen Verteilung der Asylbewerber“, so ein Sprecher des Landratsamtes. Die Gemeinschaftsunterkünfte des Landkreises seien aktuell nicht voll belegt. Das liege zum einen an der Coronapandemie, zum anderen aber auch daran, dass in den Unterkünften saniert wurde oder wird. Vor allem in den größeren Gemeinschaftsunterkünften, zum Beispiel in Bietigheim, Besigheim und Gerlingen, habe es derzeit Plätze zur Verfügung, die belegt werden können.

Auch in anderen Flüchtlingsunterkünften hat es Platz. Sie sind aber nicht für die Erstunterbringung gedacht. Zum Beispiel die Gebäude in der Ludwigsburger Mörikestraße, die vergangenes Jahr fertiggestellt wurden. Ein Leser, der in der Weststadt wohnt, machte uns kürzlich darauf aufmerksam, dass in der Unterkunft wohl niemand wohnt. Die Wohnungen seien „seit mehreren Monaten bezugsfertig“ und würden noch immer leerstehen, berichtete der Ludwigsburger. Dass die Wohnungen leerstehen, stimmt so nicht, sagt die Stadt. Wie eine Sprecherin der Verwaltung auf Anfrage mitteilte, sind die beiden Gebäude derzeit mit 31Personen belegt. Insgesamt stünden dort zehn Wohneinheiten für insgesamt 80Personen zur Verfügung.

Mehr als die Hälfte der Plätze dort sind also frei. Platz für Menschen, die in nächster Zeit aus Afghanistan nach Deutschland kommen? So einfach ist das nicht. Denn die beiden Gebäude dienen als Anschlussunterbringung. Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, werden zunächst in der Landeserstaufnahmestelle registriert und danach zur vorläufigen Unterbringung gebracht, für die der Landkreis zuständig ist. Dafür sind zum Beispiel die Gemeinschaftsunterkünfte in Bietigheim, Gerlingen oder Besigheim gedacht. Nach Abschluss des Asylverfahrens können die Geflüchteten eine eigenen Wohnung suchen. Finden sie diese nicht selbst, gibt es Kontingente bei den Kommunen – und zwar in der sogenannten Anschlussunterbringung. Dafür ist die Kommune zuständig. Der Prozess von der Registrierung bis zur kommunalen Unterbringung dauere zwischen drei Monaten und mehreren Jahren, so die Stadtverwaltung.

Die Stadt möchte dem Landkreis unterstützend zur Verfügung stehen, wenn es darum geht, neue Flüchtlinge aus Afghanistan unterzubringen. Wie viele neue Flüchtlinge Ludwigsburg aufnehmen wird, kann die Stadt nicht sagen, denn für die Verteilung ist der Landkreis zuständig. „Alle Flüchtlinge, auch die aus Afghanistan, werden für die Anschlussunterbringung nach Einwohnerschlüssel auf die Landkreiskommunen verteilt“, so der Sprecher des Landratsamtes.

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